Umkämpfte Raffinerie: Islamist aus Deutschland sprengt sich im irakischen Baiji in die Luft

21. Mai 2015
Umkämpfte Raffinerie: Islamist aus Deutschland sprengt sich im irakischen Baiji in die Luft
International
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Bagdad/Baiji. Nahe der nordirakischen Stadt Baiji hat sich ein aus Deutschland ausgereister Islamist als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Dutzende irakische Soldaten sollen dabei getötet worden sein.

Der Mann mit dem Kampfnamen Abu Mohammed al-Almani habe sich in der Nähe der nordirakischen Stadt Baiji in die Luft gesprengt, verbreitete die Islamisten-Miliz Islamischer Staat (IS) im Internet. Bei dem mit einer Autobombe durchgeführten Anschlag sollen dutzende irakische Soldaten getötet und viele weitere verletzt worden sein. Der Attentäter sei mit einem Auto, das mit 1,5 Tonnen Sprengstoff beladen war, an den Anschlagsort gefahren und habe sich vor zwei gepanzerten Humvee-Jeeps und einem Bulldozer in die Luft gesprengt, so IS-Berichte. Er ist damit mindestens der zwölfte aus Deutschland ausgereiste Islamist, der im Irak oder Syrien als Selbstmordattentäter zum Einsatz gekommen ist. In Baiji befindet sich die größte Erdölraffinerie des Landes, um die derzeit heftige Kämpfe zwischen Armee und IS toben, der grenzübergreifend im Irak und Syrien operiert und Ableger in mehreren arabischen Staaten hat.

Seit 2011 kämpfen Armee und Rebellen um die Vorherrschaft im Mittelmeerland Syrien. Ende 2013 wurde die Zahl der Rebellen auf etwa 100.000 geschätzt, etwa die Hälfte davon gehörte einer Studie zufolge zum selben Zeitpunkt sunnitischen Islamisten-Milizien wie der Jabhat al-Nusra oder dem auch grenzübergreifend im Irak aktiven Islamischen Staat (IS) an. Seit September 2014 wird allein für den IS von 31.500 bis 50.000 Kämpfern ausgegangen, rund 15.000 davon stammen nach Berechnungen der UN vom Herbst 2014 aus dem Ausland. Die EU schätzte Anfang 2015, daß bis zu 6.000 Personen aus EU-Staaten ausgereist sind, während die spanische Polizei zum selben Zeitpunkt von mindestens 30.000 Ausreisen aus der EU ausging. Finanzielle Unterstützung bekommen die Islamisten vornehmlich aus Saudi-Arabien, das als Verbündeter der USA an einer Schwächung des Iran interessiert ist, welcher wiederum auf der Seite Syriens und des Irak steht. Aus Deutschland sind mindestens 680 Kämpfer – zumeist Personen ausländischer Abstammung, aber auch Konvertiten – nach Syrien und in den Irak ausgereist. Mindestens 85 von ihnen sind in Gefechten von der syrischen oder irakischen Armee, der jeweiligen Regierung nahestehenden, oftmals schiitischen Milizen, kurdischen Verbänden oder rivalisierenden islamistischen Gruppierungen getötet worden, der bekannteste von ihnen war der ehemalige U18-Fußballnationalspieler Burak Karan. Inzwischen agieren sie dort nicht nur als Kämpfer, sondern auch als Selbstmordattentäter: In mindestens zwölf Fällen sprengten sich aus Deutschland ausgereiste Islamisten in die Luft. Es wird befürchtet, daß in den Konflikten weiter radikalisierte Islamisten nach ihrer Rückkehr Terroranschläge auch in Deutschland planen könnten. (lp)

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