ZUERST!-Hintergrund: Durchbruch in Peking – BRICS-Länder fordern die westlichen Industrieländer heraus

4. Juli 2022
ZUERST!-Hintergrund: Durchbruch in Peking – BRICS-Länder fordern die westlichen Industrieländer heraus
International
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Peking/Moskau/Washington. Von den westlichen Medien weitgehend totgeschwiegen, wurden auf dem jüngsten BRICS-Gipfel, der – allerdings nur virtuell – unmittelbar vor dem G7-Treffen in Peking stattfand, wichtige Weichenstellungen vorgenommen. Die BRICS-Länder (Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika) könnten damit dem Ziel näher kommen, schon bald auf Augenhöhe zu den bislang tonangebenden westlichen Industrieländern aufzuschließen.

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Besondere Bedeutung kommt dabei dem russischen Zahlungssystem MIR zu, das bereits seit 2015 als Alternative zum westlichen SWIFT-Zahlungssystem in Betrieb ist und inzwischen praxiserprobt ist. MIR steht nunmehr auch den Banken der BRICS-Länder zur Verfügung, wobei die aktuelle Verrechnungswährung, der Rubel, nur eine Zwischenlösung ist.

Schon im April hatte der russische Finanzminister Siluanow vor dem Hintergrund der westlichen Sanktionen auf die beschleunigte Integration SWIFT-unabhängiger Zahlungssysteme und die Schaffung einer eigenen, unabhängigen BRICS-Rating-Agentur hingewiesen.

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Tatsächlich hat MIR vor dem Hintergrund der neuen Blockkonfrontation und der exzessiven westlichen Sanktionen neues Gewicht erlangt und könnte der Ent-Dollarisierung der Weltwirtschaft zusätzlichen Schub verleihen. In seiner Begrüßungsrede zum BRICS-forum am 22. Juni wurde Kremlchef Putin deutlich und erklärte: „Die Frage der Schaffung einer internationalen Reservewährung, die auf dem Währungskorb unserer Länder basiert, wird derzeit geprüft.“

Im Gegensatz zur derzeit noch tonangebenden G7-Gruppe, die rund eine Milliarde Menschen repräsentiert und noch die globalen Finanzen, Institutionen und Medien weitgehend kontrolliert, liegen die natürlichen Ressourcen und die industrielle Potenz mehrheitlich in Eurasien, Afrika und Lateinamerika. Für die Unterfütterung einer möglichen künftigen Reservewährung anstelle des US-Dollars ist das von entscheidender Bedeutung.

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Denn mit einer Verrechnungswährung auf der Basis eines Währungskorbes und möglicherweise Gold und natürlichen Ressourcen würde das neue Zahlungssystem der MIR-Staaten eine erhebliche Gefahr für die Stabilität des westlichen Dollar-Weltfinanzsystems darstellen.

Sobald der neue Zahlungsausgleich der BRICS-Staaten funktioniert und die beteiligten Staaten die lebensnotwendigen Güter tatsächlich liefern können, würde sich vor allem den hochverschuldeten Ländern der Dritten Welt sowie vielen anderen eine interessante Perspektive bieten: sie könnten die Finanzierung ihrer internationalen Handelsaktivitäten über das neue System abwickeln und sich komplett vom Dollar verabschieden. Das gäbe ihnen die Möglichkeit, sich für ihre enormen Dollar-Schulden für zahlungsunfähig zu erklären – ohne große Nachteile.

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Ein aktuelles Beispiel spricht Bände und zeigt, wohin die Reise gehen könnte: am 27. Juni wurde Rußland für zahlungsunfähig erklärt – zum ersten Mal seit über hundert Jahren –, weil es 100 Millionen US-Dollar an Zinszahlungen nicht leistete, die am 27. Mai fällig waren. Aber: Rußland ist nicht zahlungsunfähig, wie die westlichen Rating-Agenturen behaupten, sondern bezahlte nicht, weil seine Konten bei westlichen Banken aufgrund der Sanktionen eingefroren wurden.

In der Folge stuften die Rating-Agenturen die russischen Staatspapiere herunter. Sie werden dadurch billiger, und die Zinserträge steigen. Da die nicht-westlichen Investoren wissen, daß Rußland mit seinen geringen Auslandsschulden in Wirklichkeit erstklassige Bonität genießt, sind diese Papiere für sie ein sicheres Geschäft, und Rußland kann sie zum günstigeren Preis zurückkaufen.

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Die Geprellten dieser neusten Sanktion sind die westlichen Investoren. Sie erhalten keine Zinsen auf ihre Papiere und sind vom attraktiven Markt russischer Staatspapiere ausgeschlossen. Für Rußland hat die vom Westen erklärte Zahlungsunfähigkeit nur Vorteile.

Der partielle, auf Dollar- und Euro-Schulden beschränkte Staatsbankrott mehrerer Staaten dürfte die kreditgebenden Institute der Wallstreet und der City of London nun in erhebliche Schwierigkeiten bringen, mit Folgen für das gesamte westliche Finanzsystem.

Denn bei einem solchen partiellen Staatsbankrott handelt es sich nicht um Zahlungsunfähigkeit, sondern praktisch um einen selbsterklärten Schuldenerlaß. Wenn die Regeln des neuen Zahlungssystems unbezahlte Dollar- und Euro-Schulden nicht als gültige Verbindlichkeiten behandeln – und deshalb bei der neuen BRICS-Rating-Agentur auch nicht zu negativen Ratings führen –, würde sich ein Land so von den in den letzten Jahrzehnten akkumulierten Dollar-Schulden befreien können, von denen der größte Teil ohnehin aus Zinsen und Zinseszinsen besteht. Der dadurch provozierte Ausfall gigantischer Dollar-Außenstände könnte den Dollar in massive Schwierigkeiten bringen.

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So erklärte etwa der frühere nigerianische Staatspräsident Obasanjo im Jahr 2000 nach dem G8-Gipfel in Okinawa: „Alles, was wir uns bis 1985 oder 1986 ausliehen, waren ungefähr 5 Milliarden Dollar. Bis jetzt haben wir 16 Milliarden zurückbezahlt. Und trotzdem sagt man uns, wir schuldeten immer noch 28 Milliarden. Dieser Betrag ist durch die Zinssätze der ausländischen Kreditgeber entstanden. Wenn Sie mich nach der schlimmsten Sache der Welt fragen, würde ich sagen, es ist der Zinseszins.“

MIR und die immer stärker werdende BRICS-Gruppe mit ihren gigantischen Rohstoffreserven könnte die fiktiven, durch keine nennenswerten Realwerte mehr gedeckten Dollar-Buchsummen des Internationalen Währungsfonds und der westlichen Kreditinstitute schlagartig entwerten. Eine Horrorvision für die westlichen Regierungen und Finanzgewaltigen. Der seit langem erwartete Abstieg der dollarbasierten Weltfinanzordnung und der Aufstieg einer alternativen Finanz- und Wirtschaftsordnung nehmen nun rasant Fahrt auf. (mü)

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Ein Kommentar

  1. winfried sagt:

    Ja – Zinseszins ist das Tiefenproblem. Man schaue auf Silvio Gesell – die Lösung ist eine umlaufgesteuerte Vollgeldwährung (keinesfalls eine Goldbindung, wirkt Deflationär)! In Deutschland gab es sowas knapp 300 Jahre lang, sehr erfolgreich.

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