Hintergrund: Stabwechsel in Mali – Erfolglose Franzosen ziehen ab, Rußland übernimmt

18. Juni 2022
Hintergrund: Stabwechsel in Mali – Erfolglose Franzosen ziehen ab, Rußland übernimmt
International
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Bamako. Im Windschatten anderer Konflikte gelingt es Rußland derzeit auch in Afrika, seinen Einfluß auszudehnen, während der Westen an Boden verliert. In Mali, wo EU und UNO seit Jahren relativ erfolglos im Einsatz gegen den islamistischen Terror sind, tritt in diesen Wochen die russische Wagner-Söldnertruppe an die Stelle der westlichen Kontingente – und kann Erfolge verzeichnen.

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Frankreich hatte die Anti-Terror-Opération „Serval“ in Mali 2013 begonnen. Ein Jahr später wurde sie mit der größeren Operation „Barkhane“ fortgesetzt, die auf die Bekämpfung von Aufständen in der gesamten Sahelzone abzielte. Diese umfaßt neben Mali auch Tschad, Burkina Faso, Niger und Mauretanien.

Doch in Paris wurde die Aussichtslosigkeit des Einsatzes mittlerweile eingesehen. Nachdem sich die Beziehungen zwischen Frankreich und der malischen Militär-Regierung, die im Vorjahr die Macht übernommen hatte, zunehmend verschlechterten, zogen sich die französischen Streitkräfte aus Mali inzwischen zurück (während Deutschland den Einsatz des Bundeswehr-Kontingents gerade um ein Jahr verlängert hat).

Seitens der UNO heißt es, „die Sicherheitslage in Mali habe sich innerhalb kürzester Zeit drastisch verschlechtert. In den ersten drei Monaten dieses Jahres seien über 300 Zivilisten bei Attacken des Militärs oder von Islamisten getötet worden. Gleichzeitig bestätigte der russische Außenminister Lawrow Anfang Mai erstmals den Einsatz von Wagner-Söldnern in Mali und Libyen, allerdings nicht in „offizieller Mission Rußlands“.

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Das russische Eingreifen ist offenbar erfolgreich. Die Meldungen häufen sich, wonach Dschihadisten und Terroristen zu hunderten „neutralisiert“ würden. Im Westen ist man darüber alarmiert. Spanien und Großbritannien forderten kürzlich zusätzliche Maßnahmen der NATO gegen russische Aktivitäten in Afrika. Die Verteidigungsminister der beiden Länder sprachen sich dafür aus, die NATO müsse im Rahmen eines neuen strategischen Konzepts auch die Südflanke des Militärbündnisses stärker berücksichtigen. Das neue Konzept soll Ende Juni beim NATO-Gipfel in Madrid vorgestellt werden.

In Mali selbst wird das Eingreifen der Russen hingegen mit wachsender Zustimmung gesehen. Der malische Außenminister Abdoulaye Diop lobte die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation im Militärbereich in den höchsten Tönen. Die malische Armee sei nun (endlich) zu einer Offensive gegen terroristische Gruppen übergegangen. Diop erklärte, daß „sein Land dank der Sicherheitskooperation mit Rußland und der Einfuhr russischer Militärausrüstung unabhängige Luftkampfkapazitäten aufbauen und eine Gegenoffensive gegen Terroristen starten“ könne. Die malischen Streitkräfte könnten dank der russischen Hilfe unabhängig Aufklärung betreiben und auch aus der Luft operieren. Der Import von Waffen aus Rußland ermögliche es Mali, seine Verteidigungsstrategie zu ändern und „fast im gesamten Land Gegenoffensiven gegen Terroristen zu starten“, unterstrich der Minister.

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Der russische Außenminister Lawrow erklärte seinerseits, Moskau werde Mali weiterhin bei der Verbesserung der Kampffähigkeit seiner Streitkräfte unterstützen, da Rußland „daran interessiert sei, daß die Krisen in Afrika so schnell wie möglich gelöst werden“.

Mittlerweile soll die russische Hilfe dazu beigetragen haben, die Sicherheitslage im Land signifikant zu verbessern, so daß bereits Tausende malischer Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten.

Den Rückzug Frankreichs aus diesem Teil seines ehemaligen Kolonialreiches sieht man in Mali als glatte „Niederlage des Westens im Kampf gegen den Islamismus“. Auch in diesem Teil der Welt springt nun Rußland in die Bresche und beerbt den Westen.

Hagen Eichberger, Militärexperte und Redakteur Deutsche Militärzeitschrift (DMZ)

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2 Kommentare

  1. Pack sagt:

    Und die „Bunte Wehr“ verteidigt hier französische Interessen (Uran) ?
    Armes Deutschland!
    Wir hoffen auf die „Grüne Energie“ !

  2. Vasco da Gama sagt:

    “ Im Windschatten anderer Konflikte gelingt es Rußland derzeit auch in Afrika, seinen Einfluß auszudehnen, während der Westen an Boden verliert. In Mali, wo EU und UNO seit Jahren relativ erfolglos im Einsatz gegen den islamistischen Terror sind, tritt in diesen Wochen die russische Wagner-Söldnertruppe an die Stelle der westlichen Kontingente – und kann Erfolge verzeichnen.“

    Ich glaube nicht, dass der Westen dort an Einfluss verliert. Die Franzosen und die Angelsachsen haben dort immer noch einen sehr großen Einfluss. Und steuern die Medien. Außerdem hat der Westen dort noch über die Kirchen einen sehr großen Einfluss. Denn die orthodoxen Kirchen und Ostkirchen sind in Afrika nur eine sehr kleine Minderheit. Die allermeisten Kirchen in Afrika sind Westkirchen (also katholische, Evangelische, Evangelikale, Calvinisten, Baptisten). Die AFrikanischen Christen sind eher von den Westkirchen sehr stark geprägt.

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