„Lieblingsfeind des Westens“ – AfD-Europa-Abgeordneter Dr. Maximilian Krah im ZUERST!-Interview

29. August 2020
„Lieblingsfeind des Westens“ – AfD-Europa-Abgeordneter Dr. Maximilian Krah im ZUERST!-Interview
International
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Foto: Symbolbild

Der AfD-Europa-Abgeordnete Dr. Maximilian Krah plädiert für gute Beziehungen mit Peking.

Herr Dr. Krah, einige politische Kom­mentatoren im Westen haben die erneu­te Amtseinführung der taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen als Anlaß ge­nutzt, die Rolle Taiwans zu unterstrei­chen. Taiwan sieht sich als souveränen Staat, während Peking die Inselrepublik als abtrünnige Provinz behandelt. Wie sieht aus Ihrer Sicht ein vernünftiger Umgang mit China und Taiwan aus?

Krah: Unter westeuropäischen Politi­kern herrschen leider erhebliche Defizi­te, was eine geopolitische Betrachtungs­weise angeht. Sie tendieren dazu, die Welt unter ihren eigenen ideologischen Prämissen anstatt aufgrund der Fakten­lage zu beurteilen. China ist für die westliche Linke aus verschiedenen Gründen der Buhmann geworden, und das hat natürlich dazu geführt, daß sie sich auf einmal für Taiwan interessieren und ihre Unterstützung für die Insel proklamieren. Und von diesem kindi­schen Gebaren distanziere ich mich. Po­litik muß in der Realität gründen, und der Wiederaufstieg Chinas ist eine solche Wirklichkeit; der Umstand, daß gute Beziehungen zu China Europa nützen, ist eine Wirklichkeit; und daß die chinesisch-taiwanesischen Bezie­hungen Europa nichts angehen, ist ebenfalls eine Wirklichkeit. Wir sollten diese Realitäten akzeptieren und auf ih­rer Grundlage arbeiten.

In diesen Tagen sucht das Coronavirus die Welt heim, und wir sehen massive Schuldzuweisungen von seiten des We­stens. Ist das Getöse im Vorfeld der US‑Präsidentschaftswahlen, oder erleben wir ein massives geopolitisches Spiel?

Krah: Das ist nicht nur Wahlgetöse, es reicht erheblich tiefer. Die USA haben erkannt, daß mit China eine zweite Su­permacht entsteht, und sie haben ein verständliches Interesse daran, das zu verhindern und die einzige Supermacht zu bleiben. Wir erleben also einen Wett­bewerb, und in diesem Wettbewerb hat China den USA mit dieser Seuche eine Steilvorlage gegeben. Ich kann also gut verstehen, daß China aus den USA der­zeit ein heftiger Wind entgegenbläst, aber es ist für Europa völliger Nonsens, die gleiche Leier anzustimmen.

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Was läge denn im geopolitischen Inter­esse Europas?

Krah: Im 21. Jahrhundert bedeutet Souveränität, Alternativen zu haben. Kein Land kann seinen Bedarf alleine decken, Nordkorea versucht es, aber ist das attraktiv? Wir sind also alle vom Handel abhängig, und am wichtigsten sind Energie und Technologie. Europa hat ein großes Interesse daran, unter­schiedliche Zulieferer zu haben, denn nur so kann es in gewisser Weise unabhängig und souverän bleiben. Jetzt erleben wir, daß die USA uns die Kon­trolle über unsere Zulieferer nehmen wollen. Im Energiesektor sind es die At­tacken auf die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die den Erdgasnachschub aus Rußland sichern soll, und bei der Technologie ist es der massive politische Druck auf Huawei. Aber es ist unabdingbar, Alternativen zu amerikani­schen oder US-kontrollierten Zuliefe­rern zu kultivieren, denn nur wenn man Alternativen hat, kann man verhandeln. Wer keine Alternativen hat, kann nur um faire Behandlung betteln. Ich möch­te aber verhandeln, nicht betteln, und schon deshalb benötige ich gute Bezie­hungen zu China und auch zu Rußland.

Ist es gefährlich, China zu provozieren?

Krah: Ich sehe keinen Grund, warum wir unsere guten Beziehungen zu China gefährden sollten. Bis zur industriellen Revolution war China eine Supermacht, und es findet nun zu seiner natürlichen Rolle zurück, ob wir es wollen oder nicht. Es ist klug, von dieser Entwick­lung zu profitieren, und es wäre dumm, in einen Handelskrieg einzutreten, der Schaden anrichtet und die Situation oh­nehin nicht ändern kann. China spielt im übrigen eine positive Rolle in Afrika, wo es die Wirtschaft auch in unserem Interesse ankurbelt, und es forciert das Projekt einer neuen Seidenstraße, die für die Weltwirtschaft nur positiv sein kann und gerade den zentraleuropäischen Ländern hilft. Natürlich verfolgt China seine eigene Agenda und küm­mert sich in erster Linie um seine eige­nen Interessen, aber das sollte uns nicht schrecken. Erstens: Das tut jede Nation oder sollte es zumindest. Die eigenen In­teressen sind der Leitfaden der USA, und Deutschland wäre unter einer solchen Maßgabe ebenfalls ein erfolgrei­cherer und zuverlässigerer Partner. Zweitens: Chinas Interessen sind rein ökonomisch. Ich habe noch nie einen chinesischen Botschafter oder Politiker kennengelernt, der mich vom Kommu­nismus hätte überzeugen wollen, und mir hat bislang auch kein Politiker aus einem anderen Land davon berichtet. Und damit befindet sich China in kras­sem Gegensatz zu europäischen Politi­kern, die der ganzen Welt ihre linkslibe­rale Agenda aufzwingen wollen, selbst wenn es wirtschaftlich schadet. Ich bin deshalb durchaus dankbar für die ratio­nal begründete, wirtschaftsorientierte chinesische Haltung. Mit Wirtschaftsinteressen kann man gut umgehen, denn sie sind rational begründet und nachvollziehbar. Insofern ist es nicht ge­fährlich, China zu provozieren, aber es wäre auf jeden Fall töricht.

Kann und soll sich Europa um Freund­schaft in alle Richtungen bemühen?

Krah: Wie gesagt: Wenn Europa ein un­abhängiger globaler Mitspieler sein möchte und nicht nur Vasall der Ameri­kaner, dann muß es gute Beziehungen mit China anstreben. Wir brauchen China als Handelspartner, um den Amerikanern auf Augenhöhe entgegen­treten zu können. Und ich hoffe, daß es nicht nur „gute Beziehungen“ werden, sondern eine langfristig angelegte, ver­trauensvolle Partnerschaft – oder eben, wie Sie es nennen, eine Freundschaft. China ist eine traditionsreiche und re­spektgebietende Zivilisation, und es de­finiert seinen eigenen Weg in die Zu­kunft, der kulturell durchaus bemer­kenswert ist und uns inspirieren kann, unsere eigene kulturelle Herkunft wie­derzuentdecken – statt zu glauben, der „Way of life“ des Silicon Valley sei der einzige Weg nach vorn.

Sie waren oft in den USA, haben dort gute Kontakte. Wie verträgt sich Ihre Überzeugung damit?

Krah: Wie Sie wissen, habe ich an der Columbia Business School in New York studiert. Ich bewundere die USA durchaus, die freundlichen und offenen Men­schen dort und ihren Unternehmer- und Erfindergeist. Aber es ist eine Tatsache, daß die nationalen Interessen Amerikas weder mit denen Europas noch mit denen Chinas identisch sind. Sich darüber im klaren zu sein, ist nicht anti-amerikanisch, sondern es ist eine Haltung, die sich an unseren eigenen Interessen orientiert.

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Bewegt sich China denn in eine positive Richtung, oder bleibt es ein Hort des or­thodoxen Kommunismus?

Krah: Ich bin selbst bis zum Alter von zwölf Jahren in der kommunistischen DDR aufgewachsen. Und ich erinnere mich genau, wie Kommunismus definiert wurde, nämlich als öffentliches Eigentum der Produktionsmittel. Nach dieser Maßgabe ist China inzwischen jedoch weniger kommunistisch als Deutschland. Eigentlich ist vom Kom­munismus in China nur noch der Name der regierenden Kaderorganisation üb­riggeblieben und vielleicht noch etwas politische Folklore. Wenn Sie an 1979 zurückdenken, als Deng Xiaoping seine Politik der Öffnung formulierte, hätten sich wohl nicht einmal die größten Op­timisten das Ausmaß der Liberalisie­rung ausdenken können, die seitdem stattgefunden hat. Wir sollten fair blei­ben, und das bedeutet, den Fortschritt anzuerkennen, der in allen Bereichen stattgefunden hat, ob nun wirtschaft­lich, sozial oder politisch.

Was verbirgt sich hinter der Begeiste­rung der Linken für Taiwan?

Krah: China ist, wie ich bereits erwähn­te, zum Lieblingsfeind avanciert. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe, und einer von ihnen ist sicher die US-Präsidentschaftswahl. Ein weiterer Grund: Die europäische Linke idealisiert die Schwäche. Sie erhebt die Stimme für Entwicklungsländer, solange sie schwach sind und damit voller Dankbarkeit und in gewisser Weise unterwürfig. Sie ak­zeptiert hingegen keine starken, selbstbewußten und erfolgreichen Nationen. Zudem gibt es ein Kommunikations­problem, denn China ist ein meritokra­tisches System, in dem die Elite auf­grund ihrer intellektuellen Fähigkeiten selektiert wird, während der Westen egalitärer ist und seine Eliten vorwie­gend aufgrund ihrer kommunikativen Fähigkeiten auswählt. Politiker in Chi­na bemühen vorwiegend rationale Ar­gumente und unterschätzen tendenziell die Macht der Bilder, der Erzählungen und der emotionalen Aussage. Wenn ein linksliberaler Politiker heute seine Mißbilligung Chinas formulieren möchte, kann er das am billigsten mit der Anerkennung Taiwans vollziehen. Ich kann das nicht ernstnehmen. Aber ich verstehe, daß es diejenigen Chinesen verletzt, die auf eine Wiedervereinigung mit Taiwan hoffen und darauf hinsarbeiten.

Welche Rolle spielt die „Taiwan Friend­ship Group“ im EU-Parlament?

Krah: Als Vizepräsident der „China Friendship Group“ fällt es mir schwer, über diese Vereinigung zu urteilen, zu­mal wir noch kein einziges mal von ihr kontaktiert wurden. Vielleicht sollte ich einmal Kontakt aufnehmen: Wenn diese Gruppe die Idee des einen China teilt, könnte es eine Grundlage für eine Zu­sammenarbeit geben. Aber wenn das nicht der Fall ist und wenn sie lediglich die Beziehungen zwischen Europa und China stören will, ergibt das keinen Sinn.

Herr Dr. Krah, vielen Dank für das Ge­spräch.

Dr. Maximilian Krah, geboren 1977 in Räckelwitz (Sachsen), ist seit 2019 Abgeordneter im EU-Parlament für die Alternative für Deutschland (AfD). Krah gehört der Fraktion Identität und Demokratie (ID) an, ist Mitglied im Ausschuß für internationalen Handel (INTA) und Delegierter für die Bezie­hungen zu den USA. Er ist außerdem stellvertretender Vorsitzender der AfD-Delegation im Europaparlament. Nach Abitur und Wehrdienst studierte Krah von 1996 an in Dresden Rechts­wissenschaften. Von 2010 bis 2012 absolvierte er ein postgraduales MBA-Studium, das gemeinsam von der London Business School und der Columbia Business School (New York) getragen wurde.

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6 Kommentare

  1. Spionageabwehr sagt:

    Lieblingsfeind des Westens
    Alles richtig was Max Krah sagt.
    Und:
    Deutschland ist eben nicht „der Westen“.

  2. Mike Hunter sagt:

    Herr Krah, wechseln sue schnell die Partei. Sie schaden der Afd mit ihren wirren Ansichten ganz erheblich, so wie China unserem Land schadet. China spioniert unsere Wirtschaft aus, kauft sich mit den hunderten Millionen DM/Euro an Schmierg….., sorry Entwicklungshilfegeldern aus den Steuern unserer Steuerzahler immer tiefer in unsere Hightechfirmen ein, durchwühlt unser Bankensystem und ist als Staatshacker in unserer Regierung und Wirtschaft unterwegs. Wie weit man China trauen kann, sieht man an Hong Kong, Taiwan und den Beziehungen zu den Anreinern des Südchinesischen Meers! Entweder Sie sind gekauft, oder ie haben null Ahnung. Das man Ihnen in Zuerst epauch noch eine Plattform für ihre kruden Thesen bietet, ist traurig!

  3. Ali Baba sagt:

    China spielt im übrigen eine positive Rolle in Afrika, wo es die Wirtschaft auch in unserem Interesse ankurbelt, und „““ DAS IST EINE ALLGEMEINE BEHAUPTUNG…ES GIBT LAENDER IN AFRIKA, WO DIE CHINESEN UNGERN GESEHEN SIND!!
    DIE EINHEIMISCHEN SEHEN IN IHNEN EINEN ALTEN/NEUEN KOLONISATOR!

  4. Andrei Klipel sagt:

    ausgezeichnetes, analytisches Interview.
    Vielen Dank

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