ZUERST!-Exklusiv: „Russische Kampfjets in Libyen“ – Was ist dran an den US-Vorwürfen?

28. Mai 2020
ZUERST!-Exklusiv: „Russische Kampfjets in Libyen“ – Was ist dran an den US-Vorwürfen?
International
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Am 26. Mai 2020 beschuldigte das „United States African Command“ (AFRICOM) Rußland, moderne Kampfflugzeuge zur Unterstützung der Libyschen Nationalarmee (LNA), die gegen die Regierung der Nationalen Übereinkunft (GNA) kämpft, nach Libyen entsandt zu haben. Als Belege für diese Anschuldigungen präsentierte AFRICOM eine Reihe von Fotos die die angebliche Anwesenheit der russischen Kampfflugzeuge in Libyen beweisen soll.

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Der Sprecher der LNA, Ahmed Mismari reagierte prompt mit einem Dementi auf die US-amerikanischen Anschuldigungen. Wörtlich sprach er von „Mediengerüchten und Lügen“, die die Amerikaner verbreiteten. In der vergangenen Woche habe die LNA vier alte libysche Jets für den Einsatz repariert und den Beginn einer neuen Serie von Luftangriffen gegen die GNA angekündigt.

Zusätzlich zu den vorgelegten Fotos wurde von AFRICOM behauptet, daß die Identifikationsmerkmale von den Flugzeugrümpfen entfernt worden seien. Die Entfernung der Identifikationsmerkmale ist jedoch spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg bedeutungslos. Moderne Flugzeuge und Radarsysteme sind mit fortschrittlicher Elektronik und einer Freund-Feind-Erkennung (IFF) ausgestattet, mit der jedes militärische Objekt leicht identifiziert werden kann.

Was die US-Amerikaner vorlegten ist unter anderem eine Reihe von unscharfen Bildern russischer Militärflugzeuge in der Luft. Es ist dabei unklar, wo und wann die Bilder aufgenommen wurden. Erwähnenswert ist dabei, daß russische und NATO-Flugzeuge einander oft an den Grenzen begleiten und sich auf Flügen in Syrien früher oft begegneten.

Ein qualitativ schlechtes Bild einer Su-24 ohne Hinweise auf angeblichen Ort und Zeit der Aufnahme gehört zu den US-amerikanischen Beweisstücken. Auf dieser Aufnahme wurde der untere Teil des Bildes abgetrennt – wahrscheinlich war dort etwas zu sehen, was die Amerikaner verbergen wollen.

Eine Farbaufnahme zeigt eine Su-35, auch hier ist eine starke Bearbeitung des Bildes sichtbar. Über die Gründe für diese Bearbeitung läßt AFRICOM die Öffentlichkeit jedoch im Unklaren.

Weitere „Beweisbilder“ zeigen die Start- und Landebahnen des russischen Luftwaffenstützpunktes Hmeimim in Syrien. Es ist dabei nicht klar, was diese Fotos beweisen sollen, da sich die russische Luftwaffe offiziell in Syrien befindet. Das angebliche „Umlackieren“ der russischen Flugzeuge in Syrien für den Einsatz in Libyen wird mit diesen Aufnahmen nicht belegt.

Es wird behauptet, daß zuerst Mig-29 und Su-35 auf dem Luftwaffenstützpunkt gewesen seien und ihn dann in Richtung Libyen verlassen hätten. Aufnahmen, die dies belegen sollen, sind zudem undatiert. Daß es sich bei den Flugzeugen auf dem Luftwaffenstützpunkt wahrscheinlich um Maschinen handelt, die ihre Einsätze im syrischen Luftraum gegen Terroristen-Stellungen fliegen, scheint von AFRICOM völlig ausgeschlossen zu werden – ohne dafür Gründe zu nennen.

Doch die AFRICOM-Bilder enthalten nicht nur qualitativ schlechte Aufnahmen aus Syrien sowie von fliegenden Kampfjets. Die Luftaufnahmen des libyschen Liftwaffenstützpunkts Al Jufra wirken im Gegensatz dazu qualitativ hochwertig. Diese zeigen den libyschen Stützpunkt und sind auf dem 19. Mai dieses Jahres datiert. Zu sehen ist ein Schlepperfahrzeug, das eine MiG-29 hinter sich herzieht. Neben dem Datum sind zudem die genauen Koordinaten sowie die Uhrzeit angegeben. Doch auch diese Aufnahme sagt wiederum nichts über die Herkunft des Flugzeuges aus.

Neben Rußland befindet sich die Mig-29 in verschiedenen Ausführungen in mindestens 23 weiteren Ländern im Dienst, darunter auch afrikanische Staaten wie Eritrea und der Tschad.

Doch von Zweifeln an der Aussagekraft der von ihm veröffentlichten Bilder will AFRICOM-Chef Stephen Townsend nichts wissen. Über Twitter verbreitete er hingegen markige Sprüche. „Jetzt gibt es kein Leugnen mehr!“, so Townsend an die Adresse Moskaus. Dort wiederum reagierte man überrascht auf die amerikanischen Anschuldigungen. „Das sind Falschnachrichten“, erklärte der Vize-Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Andrej Krassow. Es handle sich „nur eine weitere dieser amerikanischen Gruselgeschichten.“

Auch in Deutschland schlagen die US-Vorwürfe gegen Moskau Wellen. Während die deutsche Mainstream-Presse fast unisono ungeprüft die US-amerikanischen Anschuldigungen ohne Gegenrecherche verbreitet, mahnt der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Keuter zur Vorsicht und zur Besonnenheit: „Wenn es um Verletzungen der internationalen Verträge und des Waffenembargos in Libyen geht, reichen die Anschuldigungen des United States African Command (AFRICOM) nicht aus“, so Keuter gegenüber ZUERST!. Das Thema sei zudem „viel zu ernst, um damit irgendwelche Kampagnen zu führen“, so Keuter weiter. Ein stabiles Libyen sei „auch von europäischem Interesse – auch und vor allem in der Frage der illegalen Einwanderung von Afrikanern über das Mittelmeer.“ Um tatsächlich Schlüsse zu ziehen, bedürfe es laut Stefan Keuter „einer neutralen Untersuchung über die tatsächliche oder angebliche russische Präsenz mit Militärflugzeugen in Libyen“. Die Amerikaner seien in seinen Augen „für so eine Aufgabe wohl eher ungeeignet“. Der AfD-Bundestagsabgeordnete weiter: „Die Türkei unterstützt die GNA unter Machthaber Fayiz as-Sarradsch seit langem – die Anwesenheit von türkischen Militärberatern und die Lieferung von Kriegsmaterial erfolgt offen vor aller Augen. Nur die Amerikaner von AFRICOM scheinen das nicht zu beanstanden.“ (CF)

Bildquelle: AFRICOM

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5 Comments

  1. Pingback: Russia denies the US accusations concerning aircraft to Libya - Mideast Discourse

  2. Scripted Reality schreibt:

    Man sollte sich mal lieber um die Waffenlieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kümmern, deren Verhandlungsführer in Berlin hoch und heilig deren Einstellung versprochen hatte.

  3. Pingback: Немецкий депутат напомнил об агрессии Турции, изучив вброс США о МиГ-29 в Ливии | ТОП-новости

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