NS-Vergangenheit von Berlinale-Gründer Alfred Bauer sorgt für Aufregung

20. Februar 2020
NS-Vergangenheit von Berlinale-Gründer Alfred Bauer sorgt für Aufregung
Geschichte
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Ein Schrei der Empörung ist zu vernehmen. Medien, Schauspieler und Kunstschaffende sind entsetzt über die NS-Vergangenheit von Berlinale-Gründer Alfred Bauer. Reportagen, Artikel und Rundfunkbeiträge werden dem vorgeblichen Skandal gewidmet. Tatsächlich ist es jedoch so, daß das Jahr 1945 keinen Bruch in der Kulturgeschichte Deutschlands dargestellt hat, renommierte und bekannte Persönlichkeiten, aber auch Kunst- und Kulturschaffende aus der zweiten und dritten Reihe haben nach dem Kriegsende dazu beigetragen, das gesellschaftliche Leben wieder anzukurbeln. Alfred Bauer wirkte vor 1945 Referent als bei der Ufa, in der Reichsfilmkammer sowie in der Reichsfilmintendanz.

In einem Interview mit rbb24 erklärt der Filmhistoriker Wolfgang Jacobsen zu Bauer: „Er war in der Reichsfilmintendanz ein Referent mit ganz wesentlichen Aufgaben: Er hat die Film-Produktionen im nationalsozialistischen Deutschland begleitet und unter anderem zu Kriegszeiten entschieden, welche Schauspieler ‚uk‘, also unabkömmlich, gestellt wurden. Diese Männer wurden dann nicht abkommandiert an die Front.

Passend zum vorgeblichen Skandal um Alfred Bauer ist in diesen Tagen das Buch „Die Gottbegnadeten – Hitlers Liste unersetzbarer Künstler“ erschienen. Das Werk ist ein wahrhaftes Kompendium über die Kunstschaffenden im Dritten Reich, zeigt aber auch deutlich auf, welche personellen Kontinuitäten nach 1945 wirkten.

Worum geht es in dem Buch konkret? 140.000 Mitglieder hatte die Reichskulturkammer des Dritten Reiches, aber nur knapp über 1.000 davon hielten Adolf Hitler und sein Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels für unersetzlich. Als „gottbegnadet“ im engeren Sinne empfanden sie nur 375 Künstler. Es waren Musiker, Dirigenten, Sänger, Schriftsteller, Schauspieler, Drehbuchautoren, Regisseure, Architekten, Bildhauer und Maler.

Um diese Elite der deutschen Kunstschaffenden zu schützen, waren sie vom Kriegseinsatz freigestellt. Aus verschiedenen seit 1939 zusammengestellten Listen mit Künstlernamen entstand 1943 schließlich die „Gottbegnadeten-Liste“, die diesem Buch zugrunde liegt. Hier werden sämtliche Künstler namentlich vorgestellt, die meisten davon mit Bild und Biographie.

Darunter befinden sich unvergeßliche Namen wie Heinrich George, Gustaf Gründgens, Paula Wessely, Gerhart Hauptmann, Agnes Miegel, Arno Breker, Georg Kolbe, Hermann Giesler, Claus Bergen, Arthur Kampf, Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan, Elly Ney und über 1.000 weitere. Persönlichkeiten, die nie in Vergessenheit geraten sollten.

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Bildquelle (Aufmacherbild): Wikimedia/Martin Kraft/CC BY-SA 3.0 (Bildformat bearb.)

 

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4 Comments

  1. Eidgenosse schreibt:

    Es gab auch „Das Reich“ (Zeitung)in dem viele später prominente BRD-Figuren geschrieben haben und auch kritisch dem NS-Regime gegenüber standen. Z.B. schrieb dort eine Hildegard Hamm-Brücher, die später ganz oben in der FDP figurierte. Das findet man natürlich nicht auf WikiPedia. Auch Theodor Heuss kam dort zu Wort und man versuchte im NS-Staat gewissermassen ein intellektuelles Ventil zu schaffen. Natürlich konnte sich auch Ernst Jünger dort befleissigen. Insgesamt war der NS-Staat zwar restriktiv – aber nicht dumm.

  2. Mark schreibt:

    „Schrei der Empörung?“ – Klar, diese Künstler waren schließlich den festgelegten Maßstäben und Ideologien zufolge, eben nach dem II.WK schließlich die Bösen.
    Aber viel interessanter als das ist die Frage, ob diese „Empörten“ diesen von der Reichskulturkammer genannten Größen jemals das Wasser reichen… und genau da hapert es gewaltig.

  3. Bernd Sydow schreibt:

    Von den im Artikel aufgeführten Künstlern ereilte den populären Film- und Theaterschauspieler Heinrich George ein besonders schlimmes Schicksal. Er wurde unmittelbar nach Kriegsende von den Sowjets wegen seiner vermeintlichen Nähe zum NS-Regime angeklagt und verurteilt und in das Sonderlager Sachsenhausen – früher ein NS-Lager – gesteckt. Dort ließ man ihn allmählich verhungern. Für „zusätzliche“ Essensrationen spielte er im Lager-Theater eine seiner Paraderollen als Postmeister in „Der Postmeister“ – die Wachmannschaften waren jedes Mal begeistert. Seinen qualvollen Hungertod ersparte ihm seine überragende Schauspielerei jedoch nicht („Der Postmeister“ spielt im alten Rußland).

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