Ex-Bundespräsident Gauck mahnt zu Toleranz: „Nicht alles, was wir nicht akzeptieren, ist verfassungsfeindlich“

8. Oktober 2019
Ex-Bundespräsident Gauck mahnt zu Toleranz: „Nicht alles, was wir nicht akzeptieren, ist verfassungsfeindlich“
Kultur & Gesellschaft
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Berlin. Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, während seiner Amtszeit eher ein Verfechter linksliberaler Mainstream-Positionen, riskiert im Ruhestand immer öfter ein offenes Wert. Jetzt hielt er es für geboten, im Nachrichtenmagazin „Focus“ vor Intoleranz gegenüber politisch Andersdenkenden zu warnen, die von den tonangebenden Meinungseliten ausgehe.

Es sei „bedrohlich“, so Gauck, daß „viele in den linksliberalen Kreisen sehr pauschal alles ablehnen und sogar als Gefahr für die Demokratie verurteilen, was rechts von der politischen Mitte oder rechts von der Union ist“. Auch linksliberale Meinungsführer müßten „lernen, zu tolerieren, daß Teile unserer Gesellschaft anders ticken, anders denken, anders sprechen, auch wenn dies bei liberalen Eliten Kopfschütteln, Ratlosigkeit und Ablehnung hervorruft“, erklärte Gauck. „Altmodische, konservative oder gar reaktionäre Menschen sind nun einmal ein nicht zu übersehender Teil unserer Gesellschaft. Das wird vermutlich so bleiben. Und das erfordert echte Toleranz.“

Unterschiedlichste Meinungen seien, so Gauck weiter, in einer offenen Gesellschaft üblich – und nicht alle davon könne man akzeptieren. Aber, so der Altbundespräsident, „nicht alles, was wir nicht akzeptieren, ist deshalb gleich verfassungsfeindlich“.

Gauck warnte in diesem Zusammenhang vor Exzessen der political correctness, die so weit gingen, daß man aus politischen Gründen auch die Sprache regulieren oder mittels politischen Zwangs umgestalten wolle. Wörtlich: „Wenn man die deutsche Sprache unbedingt einer erhofften gesellschaftlichen Entwicklung anpassen will, kann das schnell zu Übertreibungen führen, die von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt werden.“ Diese Form von „Neusprech“ habe etwas von „betreutem Sprechen“.

Zudem sei es nicht tragbar, daß die Angst vor Rassismus-Vorwürfen das Ansprechen kritischer Themen verhindere. Denn: „Wenn die demokratische Mitte Reizthemen meidet, werden diese an den politischen Rändern zu Hauptthemen.“ (rk)

2 Comments

  1. Bürgerfreund schreibt:

    Grundsätzlich hat er recht. Aber bei links-grünem Politikverständnis von liberalen Eliten zu sprechen ist doch sehr weit hergeholt.

  2. Rolf schreibt:

    Er hätte auch erwähnen sollen: „Nicht alles, was die Linksliberalen akzeptieren, ist darum auch gleich verfassungskonform“.

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