Erneut AfD-Funktionär diskriminiert: Leipziger Bio-Supermarkt boykottiert Hirse-Anbieter – wegen „falscher“ Gesinnung

8. Oktober 2019
Erneut AfD-Funktionär diskriminiert: Leipziger Bio-Supermarkt boykottiert Hirse-Anbieter – wegen „falscher“ Gesinnung
Kultur & Gesellschaft
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Leipzig. Ein neuer Fall von Hexenjagd gegen einen AfD-Funktionär sorgt für Schlagzeilen. Der Leipziger Bio-Supermarkt Biomare hat jetzt Produkte aus der „Spreewälder Hirsemühle“ aussortiert, weil deren Geschäftsführer Jan Plessow AfD-Amtsträger ist. Weitere Biomärkte folgten. Die Resonanz in den sozialen Medien ist kritisch. Plessow ist einer der wenigen deutschen Hersteller bio-zertfizierter Hirse. Die Alternative könnten nun weite Transportwege aus China sein.

Tatsächlich räumt Biomare-Geschäftsführer und Grünen-Politiker Malte Reupert ein, die politische Haltung des Öko-Hirse-Anbieters der ausschlaggebende Gesichtspunkt, der der Ausgrenzung zugrunde lag. Die wichtigste Aufgabe, so heißt es auf einem Schild, sehe man bei Biomare darin, „ein nachhaltiges Sortiment zusammenzustellen“. Darin hätten Produkte keinen Platz, die sich gegen „mehrere wichtige Kriterien zur Nachhaltigkeit stellen“.

Dies trifft nach Einschätzung Reuperts auch auf Produkte der Spreewälder Hirsemühle zu. Zwar produziert diese auf der Basis geltender Zertifizierungen und Richtlinien für den biologischen Landbau – seit 15 Jahren baut Geschäftsführer Jan Plessow seine Hirse ohne Verwendung von Spritzmitteln und Ackergiften an. Allerdings ist aus Reuperts Sicht auch die „richtige“ Überzeugung ein wichtiger Teil der „Nachhaltigkeit“.

Mittlerweile haben sich weitere große Bio-Ketten wie Alnatura und Bio Company dem politisch motivierten Boykott angeschlossen.

„Es trifft uns schon, da hängen mehrere Existenzen dran“, erklärte Plessow auf Medien-Nachfrage zum Boykott, dem er nun ausgesetzt ist: „Meine Familie und etwa 15 weitere Bio-Bauern. Das interessiert aber offenbar nicht. Nun ja, wir arbeiten erst mal normal weiter.“

Grünen-Hetzer Reupert mußte unterdessen gegenüber der Berliner „Morgenpost“ einräumen, daß sein Akt der Diskriminierung nicht überall auf Zustimmung stieß. Rund 200 Kommentare seinen inzwischen über die Firmen-Internetseite eingegangen. Drei Viertel davon seien „Beschimpfungen und Bedrohungen“ gewesen. Es gebe in den Biomare-Läden „viel Unterstützung und Solidarität der Kunden“. (se)

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