Mehr Unabhängigkeit vom Dollar: Iran und Rußland vereinbaren Gemeinschaftsbank

4. Oktober 2016
Mehr Unabhängigkeit vom Dollar: Iran und Rußland vereinbaren Gemeinschaftsbank
Wirtschaft
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Moskau/Teheran. Das wird an den Dollarbörsen für Stirnrunzeln sorgen: russische und iranische Finanzfachleute arbeiten derzeit mit Hochdruckl an der Gründung einer russisch-iranischen Gemeinschaftsbank. Dadurch soll das bilaterale Handelsvolumen ausgebaut und gleichzeitig die Abhängigkeit von westlichen Zentralbanken verringert werden. Das künftige Finanzinstitut soll alle seine Aktivitäten über die nationalen Währungen der beider Gründerstaaten abwickeln. Das teilte der ehemalige Präsident der Russisch-Iranischen Freundschaftsgesellschaft, Behram Amirahmadiyan, am Donnerstag mit.

Die Entscheidung für eine russisch-iranische Gemeinschaftsbank fiel bereits im letzten Jahr. Internationale Sanktionen gegen Iran waren zu diesem Zeitpunkt noch das Haupthindernis für eine Umsetzung des Projekts.

Ein Schwerpunkt des gemeinsamen Bankenprojekts ist Verbandsfunktionär Amirahmadiyan zufolge die Unabhängigkeit vom US-Dollar: „Im Moment werden alle Bankgeschäfte zwischen Rußland und dem Iran in US-Dollar oder Euro ausgeführt“, führte Amirahmadiyan an. „Das ist uns sehr unangenehm, da all diese Vorgänge damit entweder von der europäischen oder der US-amerikanischen Zentralbank kontrolliert werden.“

Das Volumen des bilateralen Handels zwischen Rußland und Iran liegt derzeit bei vergleichsweise schwachen fünf Milliarden US-Dollar. Beide Staaten handeln meist über sogenannte Zwischenländer wie Zypern oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Seit 2015 ist das Handelsvolumen bereits um 70 Prozent angewachsen. 2015 hatten sich beide Länder darauf geeinigt, ihre wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen. Rußland versprach Teheran ein Fünf-Milliarden-Dollar-Darlehen, um die industrielle Zusammenarbeit zu fördern. Im Juli 2016 verabschiedeten beide Seiten zudem einen Fünf-Jahres-Plan zur strategischen Zusammenarbeit, der Projekte in den Bereichen Energie und Infrastruktur vorsieht. (mü)

2 Kommentare

  1. Tim Buktu sagt:

    Iran handelt über Zwischenstationen wie die UAE ?
    Wo habt Ihr denn diese „Weisheit“ her ?
    In den Zeiten des US- und EU-Boykotts gegen den Iran, waren Russland und
    China die einzigen, die den Iranern ihr Öl in überschaubaren Mengen abkauften und dringend benötigte Medikamente, Grundnahrungsmittel und technische Ersatzteile lieferten.
    Die arabischen Staaten haben genau wie die USA den Iran allerdings aufgrund religiöser Differenzen bis aufs Messer gehasst.
    Russland hat dem Iran mit 2 Atomkraftwerken im Bau geholfen, den
    Energiemangel nicht ganz so schlimm werden zu lassen.

  2. Alexander Ölmüller sagt:

    Wer das Geld beherrscht, beherrscht die Welt, soll der auserwählte Henry Kissinger gesagt haben. Nun gibt es also eine weitere Geldwelt, welche der Dollarwelt ein Stück vom Kuchen fortnimmt. Herzlichen Glückwunsch, Iran! Herzlichen Glückwunsch, Russland! Anders als Deutschland 1933 kann die russisch-iranische Geldwelt dank Atombombenschutz nicht angegriffen werden.

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