Russische Ambitionen im Nahen Osten: Ein geostrategischer „Putsch“ gegen die USA

3. Oktober 2015
Russische Ambitionen im Nahen Osten: Ein geostrategischer „Putsch“ gegen die USA
International
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Brüssel. Nach den ersten russischen Luftangriffen auf Stellungen des IS und anderer, zum Teil auch von Washington unterstützter Terrormilizen werden die größeren politischen Umrisse des russischen Engagements deutlich. Militärbeobachter weisen darauf hin, daß sich im russischen Waffenarsenal, das in den letzten Monaten auf syrischem Boden gelandet wurde, auch zahlreiche Kampfsysteme befinden, die mit dem offiziellen Zweck der Mission, der Terrorbekämpfung, nur schwer erklärt werden können.

So hat Moskau etwa Abfangjäger vom Typ MiG-31 „Foxbat“ sowie Luftüberlegenheitsjäger des Typs Su-27 „Flanker“ nach Syrien gebracht. Sorgen bereiten vor allem amerikanischen Militärs aber hauptsächlich die Flugabwehrsysteme, die Rußland ebenfalls in Syrien stationiert hat. NATO-Oberbefehlshaber Philip Breedlove warnt geradezu vor dem Entstehen einer russischen „Luftverteidigungsblase“, die einer Flugverbotszone für westliche Streitkräfte gleichkommen könnte. Im NATO-Befehlsjargon steht dafür die Bezeichnung „Anti Access/Area Denial“ („A2/AD“). „Wir beobachten, daß die Russen mit dem Aufbau einer A2/AD-Zone im nordöstlichen Mittelmeerraum beginnen“, argwöhnt Breedlove (blendet allerdings geflissentlich aus, daß die USA und andere westliche Länder exakt eine solche Flugverbotszone zuletzt 2011 beim Umsturz in Libyen errichteten, was den Sturz von Machthaber Gaddafi ermöglichte).

Ähnliche Befürchtungen kursieren offenbar auch im Brüsseler NATO-Hauptquartier. Es bestehe die Gefahr, daß das syrische Krisengebiet für die Alliierten „nicht mehr erreichbar“ werde, zitieren Medien einen NATO-Insider. Bislang flogen die USA, Großbritannien und Frankreich im Rahmen ihres Anti-Terroreinsatzes Luftangriffe in Syrien – allerdings mit äußerst bescheidenem Erfolg. Allem Anschein nach schickt sich Rußland jetzt an, die westlichen Alliierten im Nahen Osten zu beerben und dort seine eigene Position auszubauen. Experten sprechen denn auch bereits von einem !Putsch! in der Region – diesmal zuungunsten der USA. (mü)

2 Kommentare

  1. zombie1969 sagt:

    Pragmatisch gesprochen:
    Der „Westen“ hat alles Mögliche versucht um B. al-Assad zu stürzen, aber ohne den Einsatz eigener Bodentruppen hat es nicht geklappt, nun ist man am Ende seiner Möglichkeiten. Game over!
    V. Putin hat da eben eine andere Agenda. Was man nun erlebt, ist, dass die Russen versuchen werden, die vom „Westen“ trainierten „Rebellen“ zu zermalmen. Fragt sich jetzt nur noch, was der „Westen“ dagegen unternehmen will.

  2. C. Mertens sagt:

    Ein Putsch der völkerrechtlich anerkannten Regierung
    im eigenen Land? – Klar, das geht Invasoren, Drohnenmördern
    und deren Schranzen nun wirklich zu weit!

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