Buchbesprechung: „Der Soldat – Ein Nachruf“ von Wolf Schneider

23. Oktober 2014
Buchbesprechung: „Der Soldat – Ein Nachruf“ von Wolf Schneider
Kultur & Gesellschaft
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Der bekannte Journalist kann brillant schreiben, das vorweg. Und er will provozieren, und zwar auf zweierlei Weise: Einmal, indem er das Ende der Ära des Soldaten postuliert und zum anderen, weil er sich den Soldaten offenbar nur als Held, Opfer oder Bestie vorstellen kann.

Zum ersten ist zu sagen, daß das Soldatenbild von Anfang an einem ständigen Wandel unterworfen ist. Sicher, heutzutage, wo die direkte Konfrontation mit einem Gegner immer seltener geworden ist, operiert der Soldat häufiger als früher in kampfgebietfernen Zentralen, von wo aus er Computer, Kampfdrohnen oder Raketenabschußkonsolen bedient. Aber wie war es früher? Heere waren immer abhängig vom Troß, von Nachschubeinheiten, Eisenbahnern, Bodenpersonal, Ingenieuren und Pionieren, Motoren- und Waffentechnikern. Auch scheint Schneider zu glauben, daß die Form der Guerillakriegsführun den Krieg Mann gegen Mann, Panzer gegen Panzer, Flugzeug gegen Flugzeug für alle Zeiten beendet hat. Daß dem nicht so ist, beweist z.B. der Konflikt im Osten der Ukraine, in dem Militärtechnik weniger wichtig ist als Kampfgeist und Einsatzwille der Soldaten. Womit wir beim zweiten Punkt sind: Immer schon hat es Landsknechte und Söldner gegeben, aber spätestens seit der Französischen Revolution erscheint der „Bürger in Uniform“ auf der Bildfläche, der die politischen Errungenschaften eines Staates, mit dem er sich identifiziert, schützen will. Das war in den Befreiungskriegen, in den Einigungskriegen und auch in den beiden Weltkriegen der Fall. Man wurde Soldat nicht aus Passion, sondern aus reinem Pflichtgefühl und dem Willen, sich selbst, seine Familie und alles, was einem lieb und teuer ist, vor fremder Gewalt zu verteidigen. Das ist auch das Credo der Bundeswehr, obwohl sie sich seit den 1990er Jahren zu einer weltweit operierenden Interventionsarmee gewandelt hat. (gk)

Wolf Schneider. Der Soldat – Ein Nachruf: eine Weltgeschichte von Helden, Opfern und Bestien. 544 S., geb.,€ 24,95. Reinbek: Rowohlt Verlag, 2014.

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