„Konfrontative Religionsausübung“: Immer mehr Schulen schlagen Islamismus-Alarm

25. Juli 2014
„Konfrontative Religionsausübung“: Immer mehr Schulen schlagen Islamismus-Alarm
Kultur & Gesellschaft
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Berlin. Erst vor kurzem sorgte ein Bericht der britischen Schulaufsichtsbehörde für weltweite Schlagzeilen. Darin war von einem „Klima der Angst“ die Rede, das an Schulen mit einem hohen Anteil an muslimischen Schülern mittlerweile herrsche.

Auch Lehrkräfte würden von muslimischen Kollegen gemobbt und Inhalte des Lehrplans stillschweigend unterschlagen, wenn sie islamischen Auffassungen widersprächen. Das Problem ist aber längst nicht mehr auf die britischen Inseln beschränkt. Jetzt schril-len auch in Deutschland die Alarmsirenen. Auch an bundesdeutschen Schulen gewinnen radikalislamische Salafisten offenbar spürbar an Einfluß und schüchtern Mitschüler und Lehrer ein.

Derzeit beobachten immer mehr Lehrer, was ein Hamburger Schulleiter im Mai als „konfrontative Religionsausübung“ bezeichnete. Auch aus Berliner Schulen ist zu hören, daß religiös motiviertes Mobbing zunimmt, daß etwa salafistische „Gebetsflashmobs“ organisiert und Mitschüler drangsaliert werden, die sich scheuen, dabei mitzumachen, oder Mädchen unter Druck gesetzt werden, die sich weigern, ihr Haar mit einem Tuch zu verhüllen.

Verfassungsschützer rechnen 43.000 Einwohner der Bundesrepublik dem Islamismus zu. Das hat direkt oder indirekt auch Auswirkungen auf die Schulen, insbesondere an sogenannten Brennpunkten der „multikulturellen Gesellschaft“, etwa Großstädten wie Köln, Berlin, Hamburg und München. Meist geht es dabei um Konfliktfelder, die nicht unbedingt im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung stehen, etwa um die Teilnahme von Mädchen an Klassenreisen, Sport- und Schwimmunterricht, um Sexualkunde, Kleidungsnormen, Speisetabus, aber zunehmend auch um massive Einschüchterung und Forderungen, etwa nach eigenen islamischen Gebetsräumen.

Derzeit verschafft der Vormarsch der islamistischen Terrorgruppe ISIS in Syrien und im Irak den Salafisten Zulauf. Erst kürzlich haben sie ein Kalifat ausgerufen, sie verheißen ein von „Ungläubigen“ gereinigtes Paradies auf Erden. Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad wies jüngst in der „Zeit“ mit Recht darauf hin, wie viel attraktiver und „cooler“ ein Angebot der Welteroberung auf junge Männer wirkt als Al Qaidas Strategie der Opferung als Selbstmordattentäter. Die Folgen schlagen unmittelbar auch auf das Klima an den Schulen durch.

Pädagogen sind jetzt alarmiert. Sie argumentieren, daß es zur Prävention von Amokläufen inzwischen viele Programme gibt – warum aber nicht zum Eindämmen des Salafismus? In der öffentlichen Diskussion fehlen ehrliche, deutliche Aussagen zum wachsenden Mikroterror an den Schulen, wirksame Programme erst recht. Der sich ausbreitende Salafismus ist längst ein bundesweites Thema und gehört auf den Tisch der Kultusministerkonferenz. Anfangen könnte es mit einer – eventuell anonymen – Umfrage unter Schulpersonal, um die Dimension klar einschätzen zu können.

So oder so setzt sich inzwischen zumindest die Einsicht durch, daß etwas getan werden muß, auch und gerade an den Schulen. Ansonsten sind die Tage des säkularen Rechtsstaates auch hierzulande gezählt. (ds/lp)

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