Buchbesprechung: „Der Große Krieg. Die Welt 1914–1918“ von Herfried Münkler

23. Juli 2014
Buchbesprechung: „Der Große Krieg. Die Welt 1914–1918“ von Herfried Münkler
Kultur & Gesellschaft
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Wie schon Christopher Clark in seinem großen Werk über die Ursachen des Ersten Weltkrieges betont auch der Politologe Herfried Münkler in seinem hier anzuzeigenden Buch, daß die Verantwortung für den Kriegsausbruch auf vielen Schultern lastet.

Wo Clark jedoch die Politik aller verantwortlichen Mächte untersucht, bleibt Münkler wie so viele deutschsprachige Autoren der germanozentrischen Betrachtung verhaftet. So bleibt es nicht aus, daß er den Fokus einmal mehr auf den „verhängnisvollen Militarismus“ Preußen-Deutschlands mit Pickelhaube, Militärparaden und Kieler Matrosenanzug lenkt. Dabei entgeht ihm, daß dieselben Erscheinungen auch in Frankreich, England oder Rußland anzutreffen waren. In allen modernen Staaten vor 1914 stand das Militär in einem hohen Ansehen und war bei der Öffentlichkeit populär. Münkler analysiert richtig die strategisch-taktischen Fehler der deutschen Kriegsführung, vergißt dabei aber, ihre Erfolge zu erwähnen. Auch auf Seiten der Entente lief nicht alles so, wie die Kriegstreiber es sich gewünscht hatten. Davon erfährt der Leser aber kaum etwas, auch nichts von alliierter Greuelpropaganda und Hungerblockade. Genauer nimmt der Verfasser dann den Versailler „Friedensvertrag“ unter die Lupe, dessen brutale Bedingungen geradezu nach einer Revision schrien. Wären die Siegermächte nicht von Gier, Haß und Rachegefühlen beherrscht gewesen, hätte der Kontinent wirklich befriedet werden können. Ohne das serbische Terrornetzwerk der „Schwarzen Hand“ kein Kriegsausbruch, ohne Ersten Weltkrieg keine Russische Revolution, und ohne die „Werbewirksamkeit“ des Versailler Diktats wäre der rasante Aufstieg der NSDAP undenkbar gewesen. So kann mit Fug und Recht vom Krieg 1914–18 als Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts gesprochen werden. (oh)

Herfried Münkler. Der Große Krieg. Die Welt 1914–1918. 928 S., geb., € 29,95. Berlin: Rowohlt Verlag, 2013.

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