Baden-Württemberg: Innenministerium verbannt „Zigeunerschnitzel“ aus der Kantine

9. Juli 2014
Baden-Württemberg: Innenministerium verbannt „Zigeunerschnitzel“ aus der Kantine
Kultur & Gesellschaft
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Stuttgart. In Deutschlands Amtskantinen wird Zigeunerschnitzel immer seltener angeboten. Jüngstes Beispiel ist die Kantine des Innenministeriums von Baden-Württemberg, wo es am 12. Juni letztmalig „Schweineschnitzel ‚Zigeuner Art‘ mit feuriger Paprika-Zwiebelsoße“ gab.

Grund dafür sind Interventionen des Zentralrats der Roma und Sinti. Schon im Oktober des Vorjahres verbot die Stadt Hannover ihren Kantinenchefs, weiter Zigeunerschnitzel oder Zigeunersaucen auf die Tische zu bringen. Damals erklärte Sprecher Andreas Möser, im Grunde werde der Begriff in den städtischen Restaurants schon seit Jahren nicht mehr verwendet, doch in jüngster Zeit habe es „Ausrutscher“ gegeben. Alle städtischen Kantinen bekamen das Verbot deshalb noch einmal schriftlich: „Wir sehen, daß sich Menschen durch diese Bezeichnung diskriminiert fühlen“, erklärt Möser. „Darauf nehmen wir Rücksicht.“

Im grün-rot regierten Baden-Württemberg nahm sich Innenminister Reinhold Gall (SPD) höchstpersönlich der Angelegenheit an und schaffte in der Kantine seines Ministeriums das Zigeunerschnitzel auf dem Speiseplan ab. Vorangegangen war die Intervention von Arnold Rossberg vom Zentralrat der Roma und Sinti. Der Zigeuner-Lobbyistenorganisation ist das besagte Schnitzel schon lange ein Dorn im Auge. Sie fordert eine generelle Verbannung von deutschen Speisekarten.

Der Kampf gegen Zigeunerschnitzel und „Negerküsse“ in der Bundesrepublik steht längst nicht mehr allein da. Auch der Wiener Küche soll es an den Kragen gehen. Auch dort sollen jetzt traditionelle Namen durch politisch korrekte Bezeichnungen ersetzt werden. Die Süßspeise „Mohr im Hemd“ beispielsweise könnte künftig als „Schokoladenkuchen mit Schlag“ bezeichnet werden. Das empfiehlt die Fachgruppe Gastronomie der Bundeswirtschaftskammer in Absprache mit dem einschlägig bekannten Verein „SOS Mitmensch“. Dieser hat es sich schon seit Jahren zur Aufgabe gemacht, „diskriminierende Speise- und Getränkenamen“zu bekämpfen.

Einige Unternehmer in Österreich bleiben gleichwohl standhaft. Eine mediale Kampagne gegen einen Getränkehersteller, der als Eigenmarke „Neger-Soda“ herstellt, versandete kürzlich erfolglos. Der Hersteller will die nachgefragte Marke weiterführen – schon aus Traditionsgründen. (ds)

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