Weiterdealen im Knast? Wenn Gefängnisse zu rechtsfreien Zonen werden

1. April 2014
Weiterdealen im Knast? Wenn Gefängnisse zu rechtsfreien Zonen werden
Kultur & Gesellschaft
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Wien. Wie aus Antworten der österreichischen Bundesregierung hervorgeht, die der Wiener Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) auf parlamentarische Anfragen gab, setzen viele Kriminelle ihre „Karriere“ auch im Gefängnis zwanglos fort.

So wurden im Jahr 2013 nicht weniger als 719 Straftaten in der Haft selbst verübt, und das bei einer Gesamtzahl von rund 9.000 Inhaftierten in ganz Österreich. Besonders junge Straftäter weisen eine hohe kriminelle Energie auf, denn 54 Straftaten in Haft wurden von Jugendlichen begangen und weitere 83 von jungen Erwachsenen zwischen dem 18. und dem 21. Lebensjahr.

Wie auch in Deutschland belegen Straftaten im Zusammenhang mit dem Suchtgifthandel und dem Suchtgiftmißbrauch die Spitzenplätze. Nach Angaben des Justizministers entfi elen innerhalb der Gefängnisse 2013 insgesamt 657 Straftaten allein auf Suchtgiftdelikte.

Aber auch Gewalt herrscht hinter Gittern, wobei nicht nur die Mithäftlinge, sondern auch die Wachbeamten Opfer der zum Teil erheblichen Übergriffe durch Gefängnisinsassen sind. So wurden allein 2013 insgesamt 36 Straftaten bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die sich gegen Justizwachbeamte richteten. Die meisten dieser Angriffe auf Beamte fanden in der in Niederösterreich gelegenen Strafvollzugsanstalt Göllersdorf statt, durchschnittlich ein Übergriff monatlich. Ausgerechnet im härtesten Gefängnis Österreichs, in Krems-Stein, wurden 2013 überhaupt keine Delikte gegen Justizwachbeamte begangen.

Eine Aufschlüsselung der Deliktzahlen nach dem Herkunftsland der Täter hat das Justizministerium bei der Beantwortung der Anfrage – selbstverständlich – nicht vorgenommen. Daher kann man diese Zahlen aufgrund des Prozentsatzes ausländischer Fachkräfte in den Haftanstalten nur schätzen.

Wie viele Ausländer sich in österreichischen Justizanstalten befi nden, mußte im Jahr 2010 Innenministerin Maria Fekter von der ÖVP auf eine parlamentarische Anfrage des FPÖ-Generalsekretärs Harald Vilimsky hin bekanntgeben. Zum Stichtag 1. Mai 2010 befanden sich 5.676 Personen in Haft. Davon waren 3.167 Personen österreichische Staatsangehörige, 2.462 Personen wiesen eine andere Staatsbürgerschaft auf. Bei 47 Personen lag keine Angabe zur Staatsangehörigkeit vor. Prozentual gesehen waren 44,20 Prozent der inhaftierten Straftäter Ausländer – gegenüber 2009 eine Steigerung von rund zwei Prozent.

Dieser Artikel erschien zuerst in Der Schlesier“.

Foto: flickr/Marco_Broscheit, CC BY 2.0

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