NSU-Prozeß: Zeuge verbrennt nach Explosion in seinem Fahrzeug

7. Oktober 2013

Explodierter angeblicher Unterschlupf des NSU in Zwickau (Foto: Wikimedia/André Karwath aka Aka, CC BY-SA 2.5)

Stuttgart. Das Geschehen um den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) sowie den dazugehörigen Prozeß vor dem Oberlandesgericht in München ist um ein Mysterium reicher.

Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, verbrannte am 16. September ein 21-jähriger Zeuge in seinem Fahrzeug – wenige Stunden, bevor ihn Beamte des Staatsschutzes über seine Verbindungen in die rechtsradikale Szene befragten wollten. Der Zeuge, Florian H., war bereits im Januar 2012 zum angeblich vom NSU begangenen Polizistenmord in Heilbronn befragt worden, nachdem ein anonymer Hinweis bei der Polizei eingegangen war, H. könnte Kenntnisse über den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter im April 2007 haben.

In der Vernehmung bestritt H. allerdings, etwas von dem Mordanschlag zu wissen. Stattdessen soll er dem Bericht zufolge jedoch Hinweise auf eine weitere terroristische Gruppe ähnlich dem NSU gegeben haben. Dies geht laut der Zeitung aus dem Abschlußbericht des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag hervor. Dabei soll es sich um eine baden-württembergische Gruppe mit dem Namen „Neoschutzstaffel“ (NSS) handeln, welche sich nach Angaben von H. mindestens einmal in Öhringen, das etwa 25 Kilometer östlich von Heilbronn liegt, getroffen haben – einen Zeitpunkt konnte der Zeuge allerdings nicht nennen. Laut dem Ermittlungsbericht konnten die Angaben „nicht verifiziert“ werden. Daß der baden-württembergische Staatsschutz H. ein weiteres Mal befragen wollte, hängt mit der Ermittlungsgruppe „Umfeld“ des baden-württembergischen Landeskriminalamts (LKA) zusammen, die vor einigen Monaten ihre Arbeit aufgenommen hat und mit sogenannten Strukturermittlungen die Szene in dem Bundesland aufklären soll.

Bei den Ermittlungen zur Todesursache geht die Polizei von einem Selbstmord aus Liebeskummer aus. Demnach habe sich H. am 16. September in seinem eigenen Auto verbrannt – einen Abschiedsbrief gibt es jedoch nicht. Auch hatten Zeugen eine Explosion beobachtet, kurz nachdem der 21-Jährige in sein Auto eingestiegen war. Erst danach habe das Fahrzeug Feuer gefangen und sei ausgebrannt, so die Zeugen.

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