Interview mit Musiker Sacha Korn: „Eine Generation, die gefragt werden möchte“

16. Mai 2013

Herr Korn, wir können dieses Jahr noch mit einem weiteren Album von Ihnen rechnen unter dem Titel: „Sie vergeben allen, nur nicht mir“. Dürfen wir fragen, warum Sie sich für einen so fatalistisch klingenden Titel entschieden haben?

Sacha Korn: Als mir vor einigen Jahren ein befreundeter Musiker sagte, daß der gesamte „Kampf gegen Rechts“ gegen den Patriotismus, also die Identifikation mit dem Land geführt wird, habe ich das nicht geglaubt. Ich dachte anfangs, daß das überhaupt kein Problem sein wird. Er hatte absolut recht. Man muß das wahrscheinlich einfach erst selbst miterleben.

Nach meinen Erfahrungen kann ich nun sagen, die Herrschenden in der BRD sind volksfeindlicher, als ich das aus der DDR noch kenne. Hier werden, wie in Kirchweyhe, Deutsche von Türken totgeschlagen, und der SPD-Bürgermeister des Ortes beruft einen „Runden Tisch gegen Rechts ein“. Die Antifa sperrt zusammen mit der Polizei den Ort ab, um Deutsche an der Trauerfeier zu hindern. Absurder geht es nicht. Einfach nur, weil ihre Ideologie zerstört ist und das keiner sehen darf. Das ist ja schon Realsatire, wie sie in der DDR nicht besser war. Trotzdem hat man sich damals noch als Volk gesehen, sehen dürfen. Das eigene Staatsvolk war nie so deklassiert wie in der Bundesrepublik Deutschland. Aber bevor man hier Fehler zugibt, werden Verbote ausgesprochen und Menschen massiv unter Druck gesetzt, um sie von bestimmten Aussagen abzuhalten. Wir haben eine ähnliche Situation wie Ende der 80iger im Ostblock. Eine Verbesserung der Grundfehler würde auch das Abdanken der gesamten Nomenklatura bedeuten. Das wissen die Herrschenden. Umso verwirrter und verkrampfter werden ihre Aktionen. An Volksfeindlichkeit kaum noch zu überbieten.

Ob Euro-Garantien und Überschuldung, die kurz vorm Kollaps stehenden Sozialsysteme, die niemals für kommende Renten reichen werden, oder die ausufernde Einwanderung – das alles sind keine Tabuthemen mehr, sondern man wird regelrecht verfolgt, und man muß ernsthaft um seine soziale Existenz bangen, wenn man Vorgenanntes offen anspricht. Wenn man die Grundfehler der BRD erkennt und kritisiert – und wie ich auch in seiner Kunst verarbeitet –, ist man fast schon ausgemachter Staatsfeind.

Sie haben in den letzten Jahren viele einschlägige Erfahrungen mit dem bundesdeutschen Musikbetrieb machen können und definierten in einem Interview ihre thematischen Akzente einmal mit den Begriffen Emanzipation, Heimat, Identität, Sehnsucht und Wut. Können Sie uns mehr zu dieser thematischen Verortung im heutigen Deutschland sagen?

Sacha Korn: Mal abgesehen von Wut, sind sie nicht im Mainstream vorhanden. Ich stoße daher immer wieder auf offene Ohren, wenn sich Promoter, Redakteure, Journalisten usw. etwas detaillierter mit mir auseinandersetzen. Da sitzen viele dumme Leute, die einfach in dieses Umfeld, etwa der Zeitungen, passen und deshalb auch ausgesucht werden. Sie schreiben alles, was der „Zeitgeist“
so verlangt.

Aber auch einige sehr hellsichtige Menschen sind dort zu finden. Es läßt sich ja nicht mehr jeder blenden von der Propaganda der „Tagesschau“, wenn wieder von „menschenverachtenden Parolen“ und „Rechtextremen“ berichtet wird. Viele fragen sich, was denn nun so menschenverachtend sein soll… Man hört es ja schließlich täglich. Daß wir nicht mehr für alle zahlen wollen? Ist das rechtsextrem? Ich wußte gar nicht, daß das was mit links oder rechts zu tun hat.

Das Identitäts-Thema ist offenbar auch im politischen Diskurs der Bundesrepublik im Kommen. Wie spiegelt sich das in Ihrem Schaffen wieder?

Sacha Korn: Wir befinden uns inmitten des Endstadiums der Abwicklung der Nationalstaaten. Selbstverständlich regt sich da Widerstand. Die Volksmasse wird zerstört, um sie in eine Konsummasse umzuwandeln, die keine Identität mehr kennen soll. Die ersten Enteignungen (zypriotische Konten), hohe Arbeitslosigkeit, Überschuldung, wohin man reist – kurzum, der Euro, der Europa weiter zusammenführen sollte, hat eigentlich nur Europa gegen die Deutschen aufgehetzt, wieder mal. Die Leute fahren in den Urlaub nach Griechenland und bekommen das hautnah mit – Haß gegen Deutsche. Dabei zahlen und bürgen wir am meisten.

Natürlich versteht das selbst der Gutgläubigste, Umerzogenste nicht mehr. Euro-Land kann mit Argumenten gar nicht mehr gerechtfertigt werden. Wird sie ja auch nicht. Es sind nur noch Verbote, Falschmeldungen und Propaganda, daß sich einem die Haare sträuben.

Ich bin eine der Gegenstimmen. Eine neue Generation, die keine Lust mehr hat, verarscht zu werden, und die immer, wenn sie sich frei machen will, mit der Vergangenheit erpreßt wird.

Meine Erfahrung ist, daß jeder, der das so klar gesagt bekommt, sofort versteht, wovon ich rede bzw. singe. Nur wenige schrecken zurück. Die meisten, erst recht die jungen, sind wahnsinnig interessiert und sehen das genau so. Ich habe das in meiner Single „Funkenflug“ zum Thema gemacht: das Thema Volk, Nation, Identität und daß ein Funke ausreicht, um die Ketten zu lösen. Es ist ein Plädoyer für die Völker Europas. Ein Aufruf an eine Generation, die gefragt werden möchte, nicht mehr nur diktiert bekommt. Jene Generation, die nun gegen Unterdrückung aufbegehren muß und es vielerorts in Europa schon tut.

Unsere Nachrichten verschweigen ja auch, daß in Paris bis zu eineinhalb Millionen Menschen gegen die Homo-Ehe demonstrieren. Da faseln sie von einem „arabischen Frühling“. Dabei ist der in Europa schon längst ausgebrochen. Für einen Künstler wie mich ist diese Zeit eine nichtendenwollende Quelle. Eine wahnsinnig aufregende Zeit, die wir mitgestalten sollten und müssen. Die ganzee inhaltsfreie momentane Mainstream-Kunst, ob im Fernsehen oder in der Musik, hat längst an Relevanz verloren. Klar, es läuft zur besten Sendezeit, aber der Funken springt nicht mehr über, begeistert keine Jugend mehr. Sie bestimmen schon lange nicht mehr den Puls der Zeit.

Modern sind Volk, Identität, Stärke, Bildung und Selbst bewußtsein; und zwar gebündelt – ganz das Gegenteil der BRD eben. Das sind Themen, die den 68iger-Spießern wehtun. Und sie stellen sich mittlerweile mit allem dagegen, was das Gesetz zuläßt und auch nicht zuläßt. Wenn man sich trotz allem nicht einschüchtern läßt, hat man die Jungen gewonnen. Sie wollen auch so sein. Das ist ganz normal, die Jungen begehren gegen die Alten auf. Da momentan die 68iger nun einmal die Mehrheit in Medien und Politik stellen, sind sie es, die zum Müllhaufen der Geschichte gefahren werden.

Und der Zug rollt bereits aus dem Bahnhof. Sie haben ihre Kinder zu wehrlosen Opfern erzogen, die vor lauter Beliebigkeit nicht wissen, ob sie Weib oder Mann sein sollen. Die sich vor jedem Gespräch erstmal entschuldigen, daß sie Deutsche sind, und betonen, daß sie ja auch Türken kennen, die sie alle ganz toll finden.

Ich stehe für eine ganz andere Generation, für Reibungspunkte und unbequeme Fragen. Es sind Konzerte wie bei der Gruppe „FreiWild“ oder bei mir, die unter großem medialen und, bei mir, polizeilichem Gedöns zu einem Politikum aufgeblasen werden. Menschen, Zuschauer und Publikum sollen eingeschüchtert werden. Aber irgendwie werden das immer mehr. Die Rechnung geht nicht mehr auf.

Wollen Sie uns noch etwas über Ihren eigenen künstlerischen Weg sagen, der zu Ihrem nächsten Album führt? Was können wir erwarten?

Sacha Korn: Wir haben im vergangenen Jahr Konzerte gespielt, die dermaßen massiv von Polizeiaufgeboten begleitet wurden, daß man den Eindruck hatte, die Kanzlerin trifft sich mit Obama. Im Vorfeld wurden schon Veranstalter bedroht, oftmals von der Polizei… Kurzum: Man kann in diesem Land unter bestimmten Umständen Menschen töten, ohne daß man eine harte Strafe bekommt. Das gilt leider besonders, wenn man einen sogenannten Migrationshintergrund hat. Diese Diskriminierung hat einen Punkt erreicht, der eine ganz klare Inländerfeindlichkeit der Gerichte in diesem Land zeigt. Die Gerichte repräsentieren die Herrschenden. Da muß man eigentlich nichts hinzufügen.

Mein Büro wurde einmal sogar von der Polizei umstellt, damit ich nicht zu meinem Konzert fahren konnte. Selbstverständlich war das nicht durch irgendein Gesetz gedeckt. Den Beamten war das sogar peinlich, sie meinten aber, sie hätten einen Befehl. Also bin ich dort geblieben. Die warten ja nur darauf, daß ich mich dagegen wehre. Ich lasse mich aber nicht kriminalisieren. Also wurde ich festgehalten. Die fragen sich doch auch, warum das alles? Und so werden es immer mehr.

Es gibt kein Verzeihen, kein Vergessen, keine Gnade. Man wird zum Gejagten. So entstand der Titel „Sie vergeben allen, nur nicht mir“. Er beschreibt meine Erfahrungen in der BRD. Es sind sehr persönliche Texte, die all denjenigen gewidmet sind, die bereits wach sind. Und das sind verdammt viele. Und die anderen sollen weiter jammern! Die letzten werden die ersten sein.

Sie machen auch als Musiker aus Ihrer patriotischen Grundierung kein Hehl. Inwieweit ist Deutschland so etwas wie ein tragender Stimmungsgrund Ihres Schaffens?

Sacha Korn: Wenn man sich beispielsweise einen „Tatort“ im TV ansieht und die Versuche, dem „Volk“ dort die Welt zu erklären, wird einem schlecht. Das ist mitunter nur noch billige Propaganda, die der DDR in nichts mehr nachsteht. Dazu diese GEZ-Zwangsgebühr, die unzählige Debatten über angeblichen „Rechtsextremismus“ finanziert, obwohl die Antifa Veranstaltungen stürmt, Lesungen zum Platzen bringt, Leute bedroht, Mordanschläge verübt. Das alles unter den Augen und mit finanzieller Hilfe des Staates.

Unsere Zeit ist so voll von Themen, daß ich mir wirklich keine Sorgen machen muß, die Brennpunkte für meine Texte würden ausgehen. Man merkt, daß die Menschen mitbekommen, daß wir vor einer gewaltigen Veränderung stehen, einem Umbruch. Kommt man beim Einkaufen mit normalen Leuten an der Kasse ins Gespräch, stellen alle fest: So geht es nicht weiter. Meine Kommentare, Aussagen und meine Musik haben in den letzten Monaten extrem an Resonanz zugenommen. Frühere Zweifler melden sich und suchen das Gespräch. Sogar einige „Antifaschisten“ schreiben mir und unterhalten sich über bestimmte Themen. Die merken auch, daß sie Ärger bekommen, wenn sie ihre Ideologie hinterfragen. Es bröckelt überall.

Wenn Sie sich als Künstler, aber auch als Bürger ganz konkret etwas wünschen könnten – für unser Land, für Ihre eigenen Rahmenbedingungen als Künstler: Was wäre für Sie das Wichtigste?

Sacha Korn: Offenheit und Toleranz. Aber wie immer wird es sicherlich erstmal noch schlimmer werden, bevor es besser wird. Wir brauchen dringend einen Friedensvertrag und die volle Souveränität unseres Landes. Alles andere würde sich dann entwickeln können: eine unabhängige Presse, freie Bildung mit unverfälschten Schulbüchern, ohne Zensur. Politiker sollten sich für den Schaden am deutschen Volk vor Gericht verantworten müssen. Die Stimmen werden lauter, die das fordern.

Die derzeit Regierenden haben doch auf nichts mehr eine Antwort. Hatten sie noch nie, aber jetzt sind Antworten unausweichlich. Wenn man keine Entscheidungen treffen kann oder darf, wie auch immer, werden andere das tun. So wird es auch hier kommen. Und wir sind ja schon mittendrin. Es wäre schön, nicht mehr verfolgt zu werden. Aber auch hier gilt: weitermachen und ruhig bleiben. In der DDR geschah es über Nacht, daß der Spuk ein Ende hatte…

Sacha Korn, 1975 in Potsdam geboren, Kindheit und Jugend im Osten Berlins. Mit seiner Band „Korn & Flakes“ unterstützte Korn in den neunziger Jahren Bands wie „Subway to Sally“, „Whitesnake“ und „Rammstein“. Ende der neunziger Jahre öffnete sich Korn – beeinflußt durch die Techno-Szene – stärker elektronischen Einflüssen und lebte für einige Zeit in Los Angeles. Seit dem Jahr 2000 orientiert er sich stärker nach Osteuropa, gab Konzerte in Rußland, Polen, in der Tschechischen Republik und Lettland und arbeitete als Berater für den US-Sänger Terence Trent Darby. Im Jahr 2007 folgten unter anderem Konzerte in China und den USA. Mit „Nokout“ erschien im Jahr 2009 Korns erstes Album in Deutschland, das Platz 3 der deutschen „Alternative Charts“ erreichte. Im April 2011 erschien die neue EP „Devationist“. Demnächst erscheint seine neue Single unter dem Titel „Funkenflug“. Weitere Informationen unter www.sachakorn.de.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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