Mythos Trümmerfrauen? – Jungen Geschichtsklitterern ist die Aufbaugeneration zutiefst suspekt

1. November 2015
Mythos Trümmerfrauen? – Jungen Geschichtsklitterern ist die Aufbaugeneration zutiefst suspekt
Geschichte
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Artikel „Mythos Trümmerfrauen?“ aus der Juli-Ausgabe des Deutschen Nachrichtenmagazins ZUERST! 

Jungen Geschichtsklitterern ist die Aufbaugeneration zutiefst suspekt

Ihrer Partei, den Grünen, erwies die bayerische Landtagsabgeordnete Katharina Schulze mit ihrem geschichtspolitischen Engagement einen Bärendienst. Im Dezember 2013, wenige Monate vor den Münchner Kommunalwahlen, sah sich Frau Schulze veranlaßt, zusammen mit einem Landtagskollegen das bescheidene Münchner Denkmal für die Trümmerfrauen nach dem Krieg demonstrativ mit einem Sack zu verhüllen.

Das Denkmal war erst im Mai nach langem Hickhack und gegen den Willen der rot-grünen Münchner Stadtratsmehrheit unweit der Residenz auf einem Grundstück des Freistaats Bayern aufgestellt worden. Den Grünen und anderen politisch korrekten Vergangenheitsbewältigern ging diese Geste der Erinnerung zu weit – sie sahen (und sehen) darin eine pauschale Verherrlichung der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Deshalb die Verhüllungsaktion mit dem Sack. Sie kam in der Münchner Öffentlichkeit nicht allzugut an und bescherte Schulze und Co. einen wochenlangen Sturm der Empörung. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde sogar eine eigene Gruppe ins Leben gerufen, um die Ehre der Trümmerfrauen zu verteidigen. Sie hatte innerhalb weniger Tage viele hundert „Gefällt mir“-Häkchen – und Katharina Schulze bekam viele böse Mails und Anrufe.

Worum geht es? Der Fall ist symptomatisch für die Aufarbeitung, besser: Bewältigung der jüngeren deutschen Vergangenheit und ihren Wandel im Wechsel der Generationen. Jahrzehntelang stand für die Dabeigewesenen und ihre Nachkommen fest: Den Wiederaufbau der zerstörten Städte nach dem Krieg kurbelten maßgeblich die deutschen Frauen an – die Männer waren entweder gefallen oder kamen erst nach und nach aus der Gefangenschaft zurück. Also blieb den Frauen gar nichts anderes übrig, als Hand anzulegen, mit dem Aufräumen zu beginnen und Steine zu klopfen. Nicht nur in München, sondern auch in den meisten anderen zerbombten Städten, weshalb Denkmäler oder zumindest kleine Erinnerungsstätten zu Ehren der „Trümmerfrauen“ vielerorts errichtet wurden, so auch in Berlin, Chemnitz, Dresden, Halberstadt und zahlreichen weiteren Kommunen.

Im Licht der eigenen Erinnerungen wäre jahrzehntelang niemand auf den Gedanken verfallen, die Aufbauleistung der Trümmerfrauen in Abrede zu stellen. Dabei wußten alle, die es selbst miterlebt hatten, daß natürlich zu keiner Zeit Frauen allein das Titanenwerk des Wiederaufbaus leisteten. Auch unmittelbar nach Kriegsende, als die meisten Männer noch in Gefangenschaft waren, gab es neben den Frauen „professionelle“ Trümmerbeseitiger und nicht zuletzt deutsche Kriegsgefangene und internierte vormalige Nationalsozialisten, die vielerorts von den alliierten Besatzungsbehörden zum Räumeinsatz abkommandiert wurden.

Wie sich der Trümmereinsatz auf die verschiedenen Gruppen verteilte, war je und je unterschiedlich. Von jeher unbestritten war aber die Leistung der Frauen. Immerhin hatten die alliierten Besatzungsmächte selbst vielerorts Verordnungen erlassen, denen zufolge sich die weibliche Bevölkerung zwischen 15 und 50 Jahren zum Räumeinsatz in den Städten zu melden hatte. Noch das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 32 vom 10. Juli 1946 hob frühere Arbeitsschutzbestimmungen der Frauen teilweise auf, um den Fortgang der Enttrümmerungsarbeiten zu gewährleisten.

Auch bei vielen Firmen, die in der Nachkriegszeit von den Aufräumarbeiten in den Städten lebten, wurden Frauen wie selbstverständlich in den Arbeitsbüchern geführt: als „Bauhilfsarbeiterin“, „Trümmerarbeiterin“ oder „Arbeiterin für Enträumungsarbeiten“. Die „Trümmerfrauen“ waren Realität. Jahrelang legten sie Hand an, oft verwitwet, die Kinder wurden schlecht und recht mitgezogen. Die hauptsächliche Arbeit bestand im Abriß stehengebliebener Gebäudeteile mit Handwinden oder Spitzhacken, im massenhaften Wiederaufbereiten noch brauchbarer Ziegelsteine und im Wiedergewinnen von allerlei Verwertbarem aus den Massen an Trümmerschutt. Unbrauchbarer Abraum wurde von den Frauen auf die allenthalben verlegten Trümmerbahnen verfrachtet und weggeschafft, meist außerhalb der Städte, wo riesige Schuttberge wuchsen.

Der Widerspruch gegen dieses aus der Erinnerung der Erlebnisgeneration gespeiste Trümmerfrauen-Bild ist erst eine Erscheinung der letzten Jahre. An der aus politisch korrekten Gründen angefachten Diskussion, der bis vor wenigen Jahren jede wissenschaftliche Unterfütterung fehlte, beteiligten sich von Anbeginn einschlägig bekannte Zeitgeist-Blätter wie die Zeit oder die linksliberale Süddeutsche Zeitung. Aber auch sie konnten nur pauschal die angebliche „Glorifizierung“ der Aufbaugeneration kritisieren.

Das änderte sich auch 2008 nur scheinbar, als die 1977 geborene Ostmitteleuropa- Historikerin (und vormalige Theologie-Studentin) Anna-Sophia Pappai im Rahmen der Bad Wiesseer Tagungen des Collegium Carolinum eine von vornherein auf „Dekonstruktion“ angelegte Untersuchung unter dem Titel „,Trümmerfrauen‘ und ‚Trümmermänner‘. Symbolische und reale Wiederaufbauarbeit in Dresden und Warschau nach 1945“ vorlegte und dabei beweisen zu können glaubte, daß die Trümmerfrauen in Wahrheit gar nicht so maßgeblich am großen Aufräumen beteiligt waren.

Ins gleiche Horn stieß 2014 die Sozialhistorikerin Leonie Treber, deren Dissertation im selben Jahr als Buch unter dem Titel Mythos Trümmerfrauen in die Buchläden kam. Auch sie befindet: Den groben Schutt beseitigten professionelle Enttrümmerungsfirmen mit schwerem Gerät – die „Trümmerfrauen“ seien im wesentlichen ein Mythos, der nicht zuletzt in der DDR gehätschelt wurde, um dort die „real existierende“ Gleichberechtigung von Mann und Frau herauszustreichen.

Nur: Das alles schmälert die Leistung der Dabeigewesenen in keiner Weise – der Männer wie Frauen gleichermaßen und völlig unabhängig davon, wie viele Frauen im einzelnen beteiligt waren. Ohne die gewaltige Kraftanstrengung der gesamten Generation hätte es wenige Jahre später kein Wirtschaftswunder und keinen Wiederaufstieg (West-)Deutschlands zu einer der führenden westlichen Industrienationen gegeben.

Den Kritikern am „Mythos Trümmerfrauen“ geht es denn auch weniger um wissenschaftlich unterfüttertes Herummäkeln im Detail als vielmehr um die Anschwärzung der ganzen Generation. Hatte diese nicht wenige Jahre zuvor noch „Hitler zugejubelt“ und den Zweiten Weltkrieg „entfesselt“? An dieser Generation von Deutschen kann natürlich nach dem Verständnis linksalternativ eingefärbter Spätgeborener nichts Gutes sein. Die lautstarke Münchner Grünen Abgeordnete Katharina Schulze mit ihrer fragwürdigen Verhüllungsaktion im Dezember 2013 steht idealtypisch für diese Generation junger Besserwisser, die zwar selbst nicht dabei waren, über die deutsche Vergangenheit aber immer und überall wissen, wie schlecht und schlimm sie war.

Die nächste Stufe der Geschichtsklitterung ist übrigens längst gezündet. Allen Ernstes behaupten seit einigen Jahren „Historiker“, Medien- und Meinungsmacher, Deutschland sei nach dem Krieg von den Türken wiederaufgebaut worden. Das freilich ist nur konsequent – die Trümmerfrauen können es ja nicht gewesen sein. (Xaver Warncke)

(Foto: Bundesarchiv, Trümmerfrauen Berlin 1946)

11 Comments

  1. Michael Rotter schreibt:

    Nach den Trümmerfrauen und vor den Türken, lange vor ihnen, kamen die koreanischen Krankenschwestern nach Deutschland. Warum die heutige Generation verzweifelt versuchen den am Rande der Leistungsfähigkeit und unter schlechten Bedingungen, und kaum was zu „Fressen“ auf dem Tisch, diese Leistung madig zu machen. versetehe und akzeptiere ich nicht. Auch meine Großeltern und Eltern würden gerne mal mit so einer Schwätzerin ein Wörtchen reden. Ich komme aus Frankfurt und habe selbst noch einen kleinen Teil des Wiederaufbaus erlebt, im Gegensatz zu dieser Egoistengeneration, die ohne die Vorleistungen unserer Vorväter niemals hätten studieren können. Die sollten vor Scham in Grund und Boden versinken!

  2. Der Rechner schreibt:

    Aus meiner Kindheit erinnere ich mich noch der mit Einschußlöchern übersäten Wohnhausfassaden in Berlin, und der allgegenwärtigen Trümmergrundstücke.

    Erst in den 60er Jahren waren die meisten dieser Fassaden saniert, und die meisten Trümmergrundstücke geräumt.

    Türken kamen erst in den 70-er Jahren nach Berlin, als die Aufräumarbeiten schon weitgehend abgeschlossen war, um vom „Wirtschaftswunder“ zu profitieren.

    Die türkische Masseneinwanderung ist eine Erscheinung der 70-er Jahre.

    Die Gastarbeiter, die in zunächst nur geringer Zahl seit 1955 nach Deutschland kamen, waren Italiener, Spanier und Griechen.

    1964 war der Wiederaufbau im wesentlichen abgeschlossen. Es gab gerade eine Million Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland, und nicht 17 Millionen wie heutzutage. Diese Million ist seit 1955 eingewandert.

    http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138012/geschichte-der-zuwanderung-nach-deutschland-nach-1950?p=all

    Den Unsinn, die Gastarbeiter hätten Deutschland wiederaufgebaut, kann man gelegentlich in Leserbeiträgen von linken Spinnern lesen. Für Leute, die den Wiederaufbau in den 50-er und 60-er Jahren miterlebt haben, ist das allenfalls zum Lachen.

    Und ein trauriges Zeichen für die „Erziehungsleistung“ der Volksverblödungsanstalten des BRD-Systems.

  3. Dr. Altenburger schreibt:

    Bis 1989 wusste in der DDR keiner, wie ein Türke überhaupt aussieht, und große Firmen vielleicht noch mit Bagger, den es gar nicht gab, weil zerstört oder gerade von den Russen gebraucht, verständlicherweise, also blieb zumindest im Raum Dresden nur die Trümmerfrau in erster Linie, ein Aufbau Kredit wie von den Amis, gab es im Osten nicht, und Firmen, daran war schon überhaupt nicht zu denken, das war eine kapitalistische Idee um Gottes Willen ? nein selbst war die Frau , Jugend musste ran, große Kinder mussten helfen, wo es nur ging. Wer das nicht durch hat soll einfach seine Schnauze halten und nicht noch unverschämt werden. Realitätsverweigerer wird es immer geben, mit den A-Faschisten, ewigen nichts dazu lernenden Studenten, wird es ein schlimmes Ende nehmen. Wie sagte unlängst jemand, allen Ideologie Träumer werden noch merken, am Ende gewinnt immer die Realität. Die DDR war trotz aller Kommunismus Träumerei, in erster Linie ein Arbeitslager, mit einigen erarbeiteten Vorteilen, zum Beispiel bezahlberer Wohnraum,aber auch vielen anwachsenden Nachteilen, zum Beispiel, Zerstörung der Umwelt. Der Wohnraum war bis zur Wende dennoch mehr schlecht als recht, gerade was die alte Bausubstanz anging.

    • U. Ehnert schreibt:

      An „Dr. Altenburger“ bzgl. bezahlbarer Wohnraum möchte ich anmerken, daß
      man in vielen Fällen die privaten Hauseigentümer schädigen wollte!
      Meine Großeltern hatten in einer sächsichen Kleinstadt ein größeres Haus,
      am Markt, ebenerdig 2 größere Geschäfte, darüber 2 Stockwerke mit je 2
      größeren Wohnungen. Als wir Ende 1960 die DDR verließen, wurde das Haus
      enteignet. In 30 Jahren waren lt. Abrechnung nur ein paar DDR-Mark an
      Miete auf dem Konto. Dafür aber der untere der 2 übereinander liegenden
      Keller mit Jauche voll gelaufen!

      In der DDR war „Frieden schaffen ohne Waffen“ gleichzusetzen mir „Ruinen schaffen“ durch totale Verwahrlosung der 1945 noch vorhandenen Bausub-stanz! „Auferstanden aus Ruinen“ fand erst Anfang der 90er Jahre statt.

  4. Werner schreibt:

    Aus meiner DDR-Zeit kenne ich die Methode, dass Machthaber immer die Geschichte den aktuellen Wünschen anpassen. Die reale Geschichte spielt keine Rolle. Man erfindet mit unverschämten Lügen, Unterstellungen und Unterschlagungen eine andere Geschichte, die im aktuellen Machtkampf Vorteile bringen soll. Dieses schmutzige Geschäft ist kriminell und somit strafwürdig. Ich bin überzeugt, dass sich diese Verbrecher nach einer politischen Wende zu verantworten haben. Ich habe schon drei Regime miterlebt. Das vierte kommt.

  5. Henry Klim schreibt:

    Diese Schulze sollte mal, sofern vorhanden, ihr Hirn zum Denken nutzen. Wären diese Generationen nicht derartig an den Wiederaufbau rangegangen, ist es fraglich, ob diese Tusse überhaupt existent wäre. Hirnverbrand wie diese Grünlinge aber sind, ist das Denken bei denen völlig absurd geworden. Denen geht es schon zu lange zu gut, weshalb die nun denken, man muß sich dem guten Leben entgegenstellen und den nicht selbst errungenen Wohlstand in die Welt hinausblasen. Denen wünsche ich es, daß sie zumindest in der Art die Nachwehen des Krieges mal erleben müssen. Wenig oder garnichts zwischen die Kiefer. Die Drangsalierung durch Volksfeindliche Eindringlinge beschaffen die sich ja selbst. Viel Freude damit für die und deren Nachkommen. Die ersten Eindrücke können die ja schon gewinnen, mit ihren neuen Freunden, welche dann die Regeln des Islam hier anwenden werden.

  6. Belsazar schreibt:

    Wenn es nicht zum Heulen wäre müsste man darüber lachen, was heutige Politstrategen und Historiker des, vor allem, linken Spektrums absondern, um nicht nur die Generationen vor 1945 und die danach in ein schlechtes Licht zu stellen. Deshalb sind Artikel wie dieser so wichtig. Historiker späterer Generationen werden es einmal unvoreingenommener bearbeiten mögen.

  7. Lucki schreibt:

    Das macht überdeutlich, was „unser“ Bildungssystem an Nieten hervorbringt.
    Aber mit solchem Nonsens auch noch promovieren ?
    Ich faß es nicht.

    • U. Ehnert schreibt:

      An „Lucki“, das mal(!) bestehende deutsche Schulsystem fand (mal) welt-weit Beachtung und wurde sogar kopiert!
      Heute können selbst „Studenten“ oftmals keinen fehlerfreien Satz schreiben! Wofür da eigentlich immer mal wieder „Rechtschreibreformen“! Davon
      werden die Schüler AUCH nicht klüger!
      Dann senkt man eben seitens der Schulpolitik die Anforderung, damit auch
      der Dümmste bis zum Abitur dabei bleibt! Für Sozial-, Psycho- und Gender- reicht es allemale!

      Wenn dann die Fachleute knapp werden, holen wir die aus Afrika!

  8. stephan friedrich schreibt:

    Nun noch den Geschichtsunterricht ganz abschaffen..und
    die fälschliche Umerziehung der kommenden Generation
    geht weiter.
    Die Verblödung kennt keine Grenzen mehr.

    • U. Ehnert schreibt:

      An „stephan friedrich“, wofür noch Geschichtsunterricht? Die „Gutmen-
      schen“ haben die Deutsche Geschichte doch längst auf 12 Jahre NS-Zeit
      reduziert! Das Deutschland eine mehr als tausendjährige Geschichte hat
      und aus unserem Land die meisten Erfindungen gekommen sind, geht doch in
      die gegenderten, linken Antifa-Hirne nicht rein!
      Daß sich Deutschland, zumindest die Westsektoren, sich innerhalb weniger Jahre so schnell aufgerappelt und zu einem Wirtschaftswunder entwickelt hat, liegt an den vielen fleißigen Menschen, die Ihre Hände zur Arbeit, und nicht ihr Maul zur Agitation eingesetzt haben!

      Der heutige Wohlstand in Deutschland haben die Menschen hier selbst er-
      arbeitet! Er ist nicht vom Himmel gefallen – und wir müssen uns dafür
      vor niemanden schämen!

      Und wir schulden keinem etwas, wie uns die Neidhammel gern einreden!

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