Unberechenbare Schuldenberge: Die Finanzkrise schlummert nur

13. November 2013

Foto: flickr/Images_of_Money, CC BY 2.0

Frankfurt. Das Geld ist derzeit so billig wie nie. Und weil der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, die Parole ausgegeben hat, alles für die Euro-Rettung zu tun, bedienen sich die Staaten der Gemeinschaftswährung, besonders die Pleitekandidaten, an der scheinbar unversiegbaren Quelle der EZB, und das zu unschlagbar niedrigen Zinsen.

Draghi bekräftigte sein Versprechen, den Leitzins noch für einen längeren Zeitraum auf niedrigem Niveau zu belassen oder sogar weiter zu senken. Auch sei die EZB grundsätzlich bereit zu neuen Notkrediten an Europas Banken. „Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen“, so Draghi. Die Sparer machen mit Zinsen unter dem Niveau der Geldentwertung Verluste, also geben sie das Geld lieber aus. Das führt kurzfristig zu einer Belebung der Binnennachfrage und zu einem konjunkturellen Strohfeuer. Wenn dann kein Geld mehr da ist, machen die Verbraucher es den beispielgebenden Regierungen nach. Sie nützen die niedrigen Zinsen aus und leben auf Pump.

In Deutschland liegt die Summe der ausgegebenen Ratenkredite derzeit bei rund 147 Milliarden Euro, wobei die Dispositionskredite, deren Zinsen noch immer sehr hoch sind, nicht mitgerechnet sind. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden für einen Neuwagen durchschnittlich mehr als 14.000 Euro aufgenommen, für Möbel 2.000 Euro und für ein edles Stück aus der Unterhaltungselektronik etwa 800 Euro. Zurückgezahlt wird der Autokredit üblicherweise in 50 Monatsraten.

Doch durch den kreditfi nanzierten Privatkonsum steigt die Verschuldung beträchtlich. Mittlerweile verfügt rund ein Drittel aller europäischen Haushalte über keine oder nur sehr geringe Ersparnisse. Dies stellte das Marktforschungsinstitut TNS im Auftrag einer Direktbank kürzlich fest, und die Zahlen sind auch für Deutschland zutreffend. Außerdem könnte jeder zweite Europäer bei einer Verschlechterung seiner Einkommensverhältnisse keine drei Monate von seinen Ersparnissen leben. Ausnahmen hierbei sind nur Österreich, die Niederlande und Luxemburg, wo das Sparpolster etwas besser gefüllt ist.

Kritisch ist die Situation vor allem in den südeuropäischen Ländern. So stieg in Portugal die Verschuldung des privaten Sektors von unter 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2008 auf nunmehr deutlich über 350 Prozent. In Slowenien herrschen ähnliche Zustände, ebenso in Spanien, Irland und Zypern.

Ein weiterer Aspekt, der bei der allgemeinen Verschuldung zum Tragen kommt, ist die finanzielle Situation vieler Unternehmen. Spanien, Portugal, Irland und Zypern etwa weisen nach Angaben der EU-Kommission eine besonders schwierige Kombination von hochverschuldeten Privathaushalten und hochverschuldeten Unternehmen auf. Besonders hart werde laut Brüssel der Druck zur Schuldenreduzierung in Irland, den Niederlanden und auf Zypern ausfallen, was dem Wirtschaftswachstum in diesen Staaten in den nächsten Jahren sehr abträglich sein wird.

Um die strengeren Kapitalvorschriften zu erfüllen, ist der Bankensektor zu einem Schuldenabbau gezwungen. Zwar können sich Großbanken an den Finanzmärkten bedienen, doch die kleinen und mittelgroßen Institute sind meistens nicht börsennotiert. Sie müssen irgendwie ihre Schulden abbauen, beispielsweise, indem sie fällige Anleihen nicht mehr ersetzen. In der Folge müssen sie bei der Kreditvergabe restriktiv vorgehen, was dann auch eine Schwächung der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zur Folge haben wird.

In den letzten Jahren war meistens nur von der Finanzkrise und den immensen Staatsschulden die Rede, so daß die zunehmende Verschuldung des privaten Sektors kaum beachtet wurde.  Doch zusammengenommen ergeben die staatlichen, die privaten  und die Schulden der Unternehmen einen unvorstellbaren Schuldenberg, der irgendwann zu kollabieren droht. Doch sowohl der Privatmann als auch der Unternehmer, die sich durch den niedrigen Zinssatz zum Schuldenmachen verleitet sehen, sollten immer bedenken, daß für sie mit Sicherheit keine Rettungsschirme aufgespannt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in „Der Schlesier“.

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