Polen und Ukraine: Zerrüttete Nachbarschaft

7. Juli 2026
Polen und Ukraine: Zerrüttete Nachbarschaft
International
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Foto: Symbolbild

Warschau/Kiew. Der seit langem zu beobachtende Zwist zwischen Polen und der Ukraine wird heftiger. Dabei sind die beiden Länder aufeinander angewiesen – die Ukraine auf polnische Militärhilfe und das logistische Netz des Landes, über das die westliche Unterstützung in die Ukraine gelangt; aber umgekehrt braucht auch Polen die Ukraine als strategisches Vorfeld.

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Doch zwischen beiden Ländern hängt der Haussegen seit langem schief, und kürzlich eskalierte der Streit. Seine Wurzeln liegen tief in der Vergangenheit. Während des Zweiten Weltkrieges (1943/44) liquidierten Verbände der sogenannten „Ukrainischen Aufstandsarmee“ (UPA) im Rücken der Wehrmacht Zehntausende polnische Bauern im deutsch besetzten Wolhynien und Ostgalizien. Die Gebiete waren erst – äußerst fragwürdig – 1921 im Zuge des Friedens von Riga zu Polen gekommen – in den Jahren darauf siedelte Warschau gezielt polnische Bauern an, um das Land zu polonisieren. In den Augen ukrainischer Nationalisten war diese Entwicklung unerwünscht. Als Polen 1939 von Deutschen und Sowjets unterworfen und aufgeteilt wurde, sahen sie ihre Gelegenheit gekommen.

In Polen ist das bis heute nicht vergessen. Seit einigen Jahren gibt es für die Wolhynien-Massaker sogar einen besonderen Gedenktag in Polen. Vor diesem Hintergrund kommt es einem Affront gleich, daß der ukrainische Präsident Selenskyj Ende Mai einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte erlaubte, den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu tragen. Außerdem will Selenskyj ausweislich eines aktuellen Gesetzentwurfes in einer Gedenkstätte die Namen aller ukrainischen „Helden“ verewigen – einschließlich jener der UPA-Kämpfer von 1943/44. Hier gibt es nämlich keine Vergangenheitsbewältigung.

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Polen reagierte prompt. In Warschau wird erwogen, Selenskyj den höchsten Orden des Landes, den Orden des Weißen Adlers, wieder abzuerkennen. Die Auszeichnung war ihm vor einigen Jahren für die Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen verliehen worden.

Jetzt sind diese Beziehungen im Keller. Jüngst nun platzte auch noch der geplante Tausch von 14 polnischen MIG-29-Kampfjets gegen ukrainische Drohnen. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz stellte darüber hinaus klar: „Solange Kiew Angehörige der Organisation Ukrainischer Nationalisten und deren militärischen Ablegers, der Ukrainischen Aufstandsarmee, ehrt, wird Warschau dem Beitritt der Ukraine zu Europäischen Union nicht zustimmen.“

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk deutete außerdem an, die Ukraine-Unterstützung zurückzufahren: Polen trage die Hauptverantwortung für die gesamte Ostgrenze der EU.

Der lachende Dritte ist bei alledem Moskau. Der Kreml kann genüßlich abwarten, wie die Ukraine-Allianz des Westens mehr und mehr erodiert. (mü)

Bild von Tomek auf Pixabay

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