Erfurt. Mit der Nationalhymne endete am Sonntag der zweitägige Bundesparteitag der AfD in Erfurt. Die rund 600 Delegierten aus allen 16 Landesverbänden bestätigten die bisherige Führung weitgehend im Amt, gaben dem neu gewählten Bundesvorstand zugleich aber ein deutlich jüngeres Gesicht. Nach Einschätzung vieler Beobachter festigt sich damit insbesondere der Einfluß der mitteldeutschen Landesverbände, die künftig sechs der 14 Vorstandsmitglieder stellen.
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Bundessprecherin Alice Weidel wurde mit 83 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt bestätigt. Ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla erhielt lediglich 70 Prozent und mußte damit gegenüber der letzten Vorstandswahl 2024 einen spürbaren Stimmenverlust hinnehmen. Chrupalla bezeichnete die gemeinsame Parteiführung dennoch als „ein Erfolgsduo“ und forderte, der neue Vorstand müsse die bisherige Arbeit konsequent fortsetzen.
Grundsatzdebatten blieben in Erfurt weitgehend aus. Das galt auch für den Vorstoß des Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, der gemeinsam mit weiteren Funktionsträgern eine grundlegende Überarbeitung der parteiinternen „Unvereinbarkeitsliste“ beantragt hatte. Diese schließt bekanntlich ehemalige Mitglieder zahlreicher patriotischer Organisationen von einer AfD-Mitgliedschaft aus, nicht jedoch Angehörige der etablierten Parteien. Die Unvereinbarkeitsliste hatte sich die frühere Parteichefin Frauke Petry vom damaligen Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen einreden lassen. Eine Aussprache über Höckes Antrag fand nicht statt.
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Personell setzt die Partei auf Kontinuität an der Spitze und eine Verjüngung der zweiten Reihe. Mit der bayerischen Fraktionsvorsitzenden Katrin Ebner-Steiner zieht eine weitere Frau als stellvertretende Bundessprecherin in das Führungsgremium ein. Ebenfalls zum stellvertretenden Bundessprecher wurde der Thüringer Stefan Möller gewählt, der als enger Vertrauter Höckes gilt und seit 2025 dem Bundestag angehört. Damit bleibt der Thüringer Landesverband unmittelbar in der Parteiführung vertreten.
Neu in den Vorstand rückte auf Vorschlag Weidels auch der nordrhein-westfälische Abgeordnete Sven Tritschler als stellvertretender Parteivorsitzender auf. Seine Wahl ist ein durchaus ambivalentes Signal: Tritschler ist als pro-atlantisch, pro-ukrainisch und pro-zionistisch bekannt, er steht für EU, NATO-Mitgliedschaft und Westbindung. Er ist homosexuell, ohne Ausbildung und ohne abgeschlossenes Studium.
Als Schatzmeister setzte sich der Brandenburger Hannes Gnauck gegen den bisherigen Amtsinhaber Carsten Hütter aus Sachsen durch. Mit Marc Jongen und Alexander Jungbluth gehören zudem künftig zwei Vertreter der AfD-Europafraktion dem Bundesvorstand an.
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Auffällig ist die stärkere Einbindung des politischen Nachwuchses. Alexander Jungbluth, Dennis Hohloch sowie Jean-Pascal Hohm, Maximilian Kneller und Micha Fehre gehören künftig dem 14-köpfigen Führungsgremium an. Vier von ihnen stammen aus der früheren „Jungen Alternative“ oder deren Nachfolgeorganisation „Generation Deutschland“.
Bereits unmittelbar nach dem Parteitag richtete Alice Weidel den Blick auf die nächsten Monate. Sie rechnet nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mit einem Zerbrechen der schwarz-roten Bundesregierung und erwartet deshalb für das Jahr 2027 vorgezogene Bundestagswahlen. Entsprechend dürfte die Vorbereitung eines möglichen vorgezogenen Wahlkampfes die wichtigste Aufgabe des neuen Bundesvorstandes werden. (rk/st)
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