Den Haag. Die organisierte Kriminalität in Europa läuft aus dem Ruder. Ein aktueller Europol-Bericht zählt 731 hochaktive Netzwerke mit mehr als 400.000 Mitgliedern aus 118 Nationen – eine Verfünffachung binnen zwei Jahren. Von den 821 noch Anfang 2024 gelisteten Gruppen gelten zwar 76 Prozent nicht mehr als die gefährlichsten, doch Europol-Vizedirektor Jürgen Ebner warnt: zerschlagene Netzwerke würden sofort durch Konkurrenz ersetzt. 533 völlig neue Gruppierungen hätten deren Platz inzwischen eingenommen. „Jede Kriminalität wird online befeuert, beschleunigt durch KI und Technologie“, so Ebner.
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Die Akteure – vornehmlich albanische, türkische, marokkanische und andere Migrantenbanden – dominieren dem Europol-Bericht zufolge Drogenhandel, Erpressung, Menschenschmuggel und Straßengewalt. Besonders brisant: 85 Prozent der gefährlichsten Netzwerke nutzen inzwischen legale Unternehmensstrukturen als Tarnung. Anwälte, Buchhalter und Immobilienmakler werden gezielt rekrutiert, um illegale Profite unauffällig in den Wirtschaftskreislauf einzuschleusen. EU-Kommissar Magnus Brunner erklärt: „Wir sprechen hier nicht von Straßenbanden, sondern von echten multinationalen Verbrechersyndikaten.“
Der Drogenhandel mit Kokain und synthetischen Substanzen ist nach wie vor der Hauptmotor, doch die Syndikate erstrecken sich längst auch auf die Bereiche Cyberkriminalität, Cyber-Betrugsgeschäfte, Schlepperei sowie auf Geldwäsche. Besonders perfide: sechs Prozent der Netzwerke rekrutieren gezielt Kinder im Alter von acht bis siebzehn Jahren für illegale Aufträge, von Drogenlieferungen bis hin zu extremer Gewalt. Gerade die Jüngsten werden wegen ihrer fehlenden Strafmündigkeit instrumentalisiert.
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Während Brüssel Europol mit mehr Geld, Personal und Befugnissen ausstatten will, verhindern die Eurokraten gleichzeitig die Weitergabe von essentiellen Schlepperdaten der Grenzschutzbehörde Frontex an die Polizeibehörden. Vor allem aber erweist sich die Politik der offenen Grenzen geradezu als Nährboden für die Hydra der Unterwelt, die trotz aller Bekämpfungserfolge immer mächtiger wird. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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