Ein Film mit den richtigen Fragen: Wer sprengte Nord Stream?

1. Juli 2026
Ein Film mit den richtigen Fragen: Wer sprengte Nord Stream?
International
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Foto: Symbolbild

Berlin. Am 26. September 2022 erschütterten vier Explosionen die Ostsee nahe der dänischen Insel Bornholm. Die Nord-Stream-Pipelines, durch die russisches Erdgas nach Deutschland und Westeuropa floß, wurden dabei zerstört. Die Folgen waren weitreichend und sind bis heute zu spüren: explodierende Energiepreise, abwandernde Unternehmen, der Verlust der ökonomischen Stabilität Deutschlands. Die offiziellen Ermittlungen haben bis heute keine überzeugende Antwort auf die Frage zu bieten, wer den Anschlag in wessen Auftrag verübte. Die Mainstream-Medien konzentrieren sich auf eine einzige – außerordentlich dürftige – Erklärung: auf ein paar Ukrainer auf einer gecharterten Segelyacht.

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Hier setzt der neue Dokumentarfilm „Nord Stream – Die Sprengung“ von Moritz Enders und Gunther Merz an. Produziert von Ronald Thoden vom Hintergrund-Verlag, versammelt er internationale Experten: den deutschen Investigativjournalisten Dirk Pohlmann, den MIT-Physiker und ehemaligen Militärberater Theodore Postol, den schwedisch-norwegischen Friedensforscher Ola Tunander, den Ex-CIA-Analysten Ray McGovern, den früheren Bundeswehr-Generalinspekteur und Ex-NATO-Militärausschuß-Vorsitzenden Harald Kujat sowie den schwedischen Ingenieur Erik Andersson, der die Trümmer der Gasröhren mit einer eigenen Unterwasserdrohne untersucht und analysiert hat.

Die Filmmacher stellen die entscheidenden Fragen, die andere weglassen. Sie hinterfragen die Plausibilität der These von der kleinen ukrainischen Segelyacht-Besatzung. Sie ordnen den Anschlag in seinen größeren geo- und machtpolitischen Kontext ein. Zudem gehen sie auf Auslassungen im vielbeachteten Buch des Journalisten Bojan Pancevski ein, der angeblich „die wahre Geschichte“ bringt.

Der Film erinnert auch an das denkwürdige Ereignis vom 7. Februar 2022, als US-Präsident Joe Biden im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz das Ende von Nord Stream ankündigte – ohne Widerspruch von Scholz. Donald Trump wiederum erklärte mehrfach während seiner Wiederwahl-Kampagne, er habe die Pipeline bereits während seiner ersten Amtszeit gestoppt.

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Der Dokumentarfilm stützt sich wesentlich auf Enthüllungen des US-Journalisten Seymour Hersh, der im Februar 2023 erstmals Informationen veröffentlichte, wonach die US-Regierung den Anschlag in Auftrag gab. Zwar konnten Enders und Merz nicht mit Hersh sprechen, doch der Physiker Theodore Postol, ehemaliger Berater der US Navy, bestätigte vor der Kamera die technischen Details der Insider-Informationen Hershs als korrekt. Er hatte diese für Hersh überprüft und für richtig befunden.

Der Ex-CIA-Analyst Ray McGovern sagt mit Blick auf die deutsche Reaktion im Film: „Die deutsche Reaktion verblüfft mich. Es ist klar, daß Deutschland bei dieser Operation einen Schlag ins Gesicht bekommen hat. Die deutschen Politiker agieren immer noch mit dieser ‚schafsmäßigen Ergebenheit‘ – wie Sebastian Haffner es nannte.“

Der Ökonom Christian Kreiß merkte im Oktober 2022 auf der Plattform „apolut“ an, die massive Schwächung der deutschen Wirtschaft biete „eine ‚tremendous opportunity‘, eine großartige Gelegenheit für das viele im Überfluß vorhandene, dringend nach rentierlicher Anlage suchende US-Kapital“. Man könne die Unternehmen wegen Notverkäufen günstig erwerben. Besonders bedeutsam: „Durch einen starken Abschwung eröffnet sich überhaupt erst die Möglichkeit, endlich auch deutsche mittelständische Produktionsunternehmen in großem Stil zu kaufen. Darunter befinden sich viele Perlen, die bislang außer Reichweite der US-Fonds waren.“

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Die Filmmacher stellen zudem die Frage, ob es für Deutschland und die EU nicht an der Zeit wäre, sich aus alten Bündnissen zu lösen und in der sich abzeichnenden multipolaren Weltordnung für politische und wirtschaftliche Autonomie zu kämpfen. Wenn das gelänge, könnten sich die Explosionen nachträglich als Weckruf erweisen. Diese Hoffnung sei jedoch illusionär, so der Film. Zu fest habe die Weltmacht USA ihren Einflußbereich im Griff – wer ausscheren wolle, werde seine Abhängigkeit massiv zu spüren bekommen. Die regionalen Lakaien der Weltmacht verrieten die Interessen ihrer Länder.

Der Film hat am 2. Juli im Berliner Kino „Babylon“ Premiere. (mü)

Bild: Pixabay/gemeinfrei

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