Eurasische Machtspiele: Armenien – der neue Rammbock Washingtons

30. Juni 2026
Eurasische Machtspiele: Armenien – der neue Rammbock Washingtons
International
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Foto: Symbolbild

Washington/Eriwan/Moskau. Die USA haben Armenien erfolgreich von Rußland abgekoppelt. Zu dieser Einschätzung gelangt der US-Geopolitik-Analyst und Ex-Militär Brain Berletic. In einem jüngst auf der Plattform „The New Atlas“ verweist er auf eine US-Strategie, die seit den 1990er Jahren verfolgt wird.

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Berletic sieht in Armenien einen weiteren von den USA kontrollierten „Rammbock“, der gegen Rußland und Iran in Stellung gebracht werden soll. Die jüngsten Wahlen in Armenien fügen sich aus seiner Sicht in langfristige Pläne der US-Eliten ein, Konkurrenten wie China, Rußland und den Iran einzudämmen. Bereits 1992 beschrieb die „New York Times“ unter dem Titel „US-Strategieplan fordert sicherzustellen, daß sich keine Rivalen entwickeln“ diese Doktrin. Die USA verfolgten demnach das Ziel, ihre globale Vorherrschaft durch die Einkreisung und Eindämmung geostrategischer Rivalen zu sichern.

Der Analytiker verweist auf die 2019 veröffentlichte RAND-Studie „Extending Russia: Competing from Advantageous Ground“. Darin seien politische Optionen dargelegt worden, die die USA seither umgesetzt haben – angefangen bei der Lieferung tödlicher Waffen an die Ukraine im selben Jahr über die Bewaffnung von Terroristen in Syrien, die 2024 zum Zusammenbruch der syrischen Regierung führte, bis hin zur physischen Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines sowie die ständig ausgeweiteten Sanktionen und maritimen Blockadeoperationen gegen russische Energieexporte.

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Berletic betont, Armeniens Abkehr von Rußland hin zur EU und NATO werde oft europäischem Einfluß zugeschrieben. Doch die Proteste von 2018, die sogenannte „Samtene Revolution“, seien von den USA inszeniert worden – im Namen des Kampfes gegen Korruption und Autokratie. Die einschlägig bekannte Einflußorganisation „National Endowment for Democracy“ (NED) habe dies in ihrem Jahresbericht 2018 selbst eingeräumt und Organisationen wie „Union of Informed Citizens“ und „Boon TV“ unterstützt. „Genau wie bei anderen Nationen, die die USA politisch unter ihre Kontrolle gebracht haben, waren Armeniens ‚Farbrevolution‘ und ‚Regimewechsel‘ nur der Anfang“, so Berletic. „Mit einem Marionettenregime an der Macht sind die Schleusen für ausländische Einmischung durch die USA geöffnet.“

Das NED und seine europäischen Partner schüfen zudem einen Kanal, „um junge Menschen zu pro-westlichen, pro-amerikanischen, pro-NATO- und pro-EU-Kadern zu formen und die öffentliche Meinung so zu manipulieren, daß sie den Interessen der USA dient – auf Kosten ihrer eigenen, objektiven Interessen“. Berletic zieht Parallelen zu Georgien und Serbien in den frühen 2000ern sowie zur Ukraine 2014. Die politische Vereinnahmung Armeniens durch die USA spiegle exakt dieselben Muster wider.

In der RAND-Studie von 2019 werde Armenien ausdrücklich genannt, betont der Analytiker. Zwei Optionen seien dort für den Südkaukasus beschrieben: engere NATO-Beziehungen mit Georgien und Aserbaidschan, was Rußland wahrscheinlich zu einer Verstärkung seiner militärischen Präsenz veranlassen würde, oder ein Bruch Armeniens mit Rußland. Die Studie räume „unverblümt“ ein, „daß die Einbindung Armeniens – ebenso wie Georgiens – nicht nur die Einkreisung Rußlands, sondern auch des benachbarten Iran verstärken und den USA Zugang zu den Energieressourcen am Kaspischen Meer verschaffen würde“. Ein Umschwung in Armenien galt damals zwar als schwierig – gelungen sei er dennoch.

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Berletic nennt die amerikanische Wahlbeeinflussung ein „kaum verstandenes, in den Medien kaum beachtetes, aber unglaublich mächtiges Instrument“ im Streben nach Vorherrschaft und dem Ziel, „sicherzustellen, daß sich keine Rivalen entwickeln“. Die von den USA eingestandene Wahlbeeinflussung und politische Vereinnahmung der genannten Länder habe die globale geopolitische Landkarte zugunsten Washingtons verändert – bei gleichzeitiger medialer Nichtbeachtung dieser Vorgänge. (mü)

Bild von jorono auf Pixabay

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