Nur Zahlenkosmetik: Dobrindts Abschiebeflüge ändern die Bilanz nicht

21. Juni 2026
Nur Zahlenkosmetik: Dobrindts Abschiebeflüge ändern die Bilanz nicht
National
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Foto: Symbolbild

Berlin. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) feiert die überschaubaren Abschiebezahlen afghanischer Straftäter gerne als Erfolg. Bei genauerem Hinsehen bleibt davon aber nicht viel. In der Nacht zum 16. Juni wurden nun erneut 32 afghanische Straftäter von Leipzig nach Kabul ausgeflogen. Die Verurteilten saßen unter anderem wegen Tötungsdelikten, Vergewaltigung, sexuellen Mißbrauchs von Kindern, räuberischer Erpressung und Drogenhandels ein. Es handelte sich um den dritten Abschiebeflug dieses Jahres. Insgesamt wurden 2026 bislang 77 afghanische Straftäter abgeschoben. Schon diese Zahl ist für sich genommen nicht gerade rekordverdächtig.

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Und die Gesamtentwicklung verläuft ohnehin ungebremst in die entgegengesetzte Richtung. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im ersten Quartal 2026 lediglich 4.807 Menschen abgeschoben. Das sind 1.344 Personen beziehungsweise 21 Prozent weniger (sic!) als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Auch die Abschiebungen nach Afghanistan verändern die generelle Sicherheitslage nicht. Seit ihrer Wiederaufnahme vor zwei Jahren wurden insgesamt 188 verurteilte Straftäter außer Landes gebracht. Legt man die damaligen Verurteilungen zugrunde, müßten dennoch mindestens 400 afghanische Schwerstkriminelle weiterhin in deutschen Gefängnissen sitzen. Da seit 2024 weitere Straftäter hinzugekommen sein dürften, liegt ihre tatsächliche Zahl wahrscheinlich noch höher.

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Nach Daten des Bundeskriminalamtes stellten Afghanen 2024 nach Syrern die zweitgrößte Gruppe tatverdächtiger Migranten. Auf 1.000 in Deutschland lebende Afghanen entfielen bis zu 22,5 Tatverdächtige. Bei deutschen Staatsangehörigen lag dieser Wert bei 1,6.

Parallel dazu wächst die afghanische Bevölkerungsgruppe in Deutschland weiter. Ende 2024 waren 442.020 afghanische Staatsbürger in Deutschland registriert. Afghanistan führte 2025 mit 23.972 Erstanträgen die Asylstatistik an und lag auch im ersten Quartal 2026 mit 5.957 Antragstellern an der Spitze. Vor diesem Hintergrund sind Dobrindts Abschiebeflüge kaum mehr als Kosmetik. (rk)

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