Paris. Die strategischen Ölreserven der Industrieländer sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch veröffentlichte.
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Nach Angaben der OECD sind die Lagerbestände der Mitgliedstaaten im Zuge des Iran-Krieges auf den niedrigsten Stand seit 1990 gefallen. Ob die Vorräte seit Einführung der strategischen Ölbevorratung nach der Ölkrise der siebziger Jahre jemals geringer waren, läßt die Organisation offen.
Grundlage der Auswertung sind die Bestandsdaten des Monats Mai. Bis zum 12. Juni gingen die weltweit erfaßten Reserven nochmals um 252 Millionen Barrel zurück. Allein die OECD-Staaten entnahmen ihren Lagern 163 Millionen Barrel, um Lieferausfälle aus der Golfregion auszugleichen. Nach Einschätzung der IEA erfolgt dieser Abbau „im Rekordtempo“, obwohl die Nachfrage nach Rohöl infolge der wirtschaftlichen Abschwächung bereits im Frühjahr deutlich nachgegeben hatte.
IEA-Direktor Fatih Birol bezeichnete die Folgen des Iran-Krieges als „größte Energiekrise“ der Geschichte. Die in Paris ansässige Organisation koordinierte deshalb die Freigabe von insgesamt 400 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven ihrer 32 Mitgliedstaaten.
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Angesichts der angespannten Versorgungslage appellierte Birol am Dienstag zudem an alle Beteiligten, die Straße von Hormus „bedingungslos“ zu öffnen. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für den weltweiten Ölhandel und besitzt eine zentrale Bedeutung für die globale Energieversorgung. Daß sie derzeit nicht mehr ohne Einschränkungen für den Öltransport genutzt werden kann, ist freilich eine unmittelbare Folge des von den USA und Israel vom Zaun gebrochenen Krieges gegen Iran: allen Erwartungen zum Trotz hielt Iran den Angriffen stand und steht nun politisch stärker da als je zuvor. Während vor allem die USA empfindliche Verluste in der Region einstecken mußten, ist der eigentliche Herr über die Straße von Hormus jetzt Teheran. Wer die Straße passieren will, muß erkleckliche Mautgebühren an eine eigens eingerichtete iranische Behörde entrichten – der sichtbarste Hinweis dafür, daß Uncle Sam nicht mehr die erste Geige in der Region spielt. (mü)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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