Kassel/Berlin. In jüngster Zeit häufen sich Vorfälle, bei denen das Zeigen der Deutschlandfarben im öffentlichen Raum von Behörden untersagt wird. Auf die Spitze treibt es jetzt ein öffentlich gefördertes Kulturzentrum in Kassel: beim Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft dürfen Besucher im „Kulturzentrum Schlachthof“ keine Nationalflaggen mitbringen. Nach Auffassung der Veranstalter könnten solche Fahnen „ausgrenzend, einschüchternd und politisch aufgeladen wirken“.
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Nach Protesten stellte die Einrichtung klar, daß sich die Regel nicht allein gegen Deutschlandfahnen richtet. Sämtliche Nationalflaggen seien untersagt. Ziel sei es, „einen Raum zu schaffen, in dem sich möglichst alle Menschen wohl und sicher fühlen“. Deshalb habe man sich „für diese klare und einheitliche Regel entschieden“.
Als weitere Begründung verweist das Kulturzentrum auf gesellschaftliche Veränderungen. Nationalflaggen hätten heute eine andere politische Bedeutung als noch zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Zudem verstehe sich die Einrichtung als Kulturzentrum mit Schwerpunkt Migration. Viele Besucher seien Menschen, die ihre Heimat wegen ihrer Herkunft oder Abstammung verlassen mußten.
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Der Schlachthof finanziert sich nicht ausschließlich aus eigenen Einnahmen. Zu prominenten Geldgebern zählen auch die Stadt Kassel sowie das Hessische Wissenschaftsministerium.
Die Klarstellung der Betreiber konnte die Kritiker unterdessen nicht zufriedenstellen. Sie werfen dem Kulturzentrum zweierlei Maß vor. Sie verweisen darauf, daß beim Frühlingsfest Ende Mai auf dem Gelände an mehreren Ständen Palästina-Flaggen zu sehen waren. Umso mehr steht deshalb nun die Frage im Raum, warum ausgerechnet Nationalflaggen bei einer Fußballübertragung unerwünscht sind, während es mit der – durchaus umstrittenen – Palästinenserfahne offenbar keine Probleme gab. (rk)
Bildquelle: ASSY/Pixabay
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