London/Southampton. Der Tod des britischen Studenten Henry Nowak sorgt in Großbritannien ein halbes Jahr danach für anhaltende Empörung. Auslöser sind kürzlich bekanntgewordene Bodycam-Aufnahmen des Polizeieinsatzes vom vergangenen Dezember, die zeigen, wie Beamte den schwerverletzten 18jährigen als Tatverdächtigen behandeln, anstatt ihm Erste Hilfe zu leisten.
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Auf dem Video ist zu sehen, wie Polizisten Nowak über den Boden ziehen und ihm Handschellen anlegen. Neunmal ruft er: „I can’t breathe“. Mehrfach erklärt er zudem unter Tränen, er sei erstochen worden. Ein Beamter entgegnet: „Ich glaube nicht, daß du es wurdest, Kumpel.“ Erst als Nowak bereits das Bewußtsein verloren hat, stellt eine Polizistin fest, daß seine Pupillen nicht mehr reagieren.
Der Täter, der 23jährige Vickrum Digwa, hatte den Einsatzkräften weisgemacht, Opfer eines rassistischen Angriffs geworden zu sein. Auch sein Bruder schilderte im Notruf einen angeblichen Übergriff durch „irgendeine weiße Person“. In Wirklichkeit hatte Digwa fünfmal auf Nowak eingestochen, darunter mit einem tödlichen Stich in die Brust. Der Richter wertete es beim Prozeß als belastend, daß der Täter sein flüchtendes und schwerverletztes Opfer sogar filmte.
Digwa wurde kürzlich zu lebenslanger Haft verurteilt. Gegen seine Mutter läuft ein Verfahren, weil sie die Tatwaffe versteckt haben soll.
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Die Veröffentlichung der Aufnahmen löste in Southampton Proteste mit rund 1.000 Teilnehmern aus. Vor einer Polizeiwache kam es zu Zusammenstößen mit Einsatzkräften; Flaschen, Steine und Mülltonnen flogen. Demonstranten skandierten die letzten Worte des Opfers. Auch der heimattreue Aktivist Tommy Robinson trat auf und warf der Polizei vor, Weiße „wie Bürger zweiter Klasse“ zu behandeln. Tatsächlich steht seit Bekanntwerden der Videoaufnahmen genau dieser Vorwurf erneut im Raum. Andere Beobachter weisen darauf, daß die Situation, deren Opfer Nowak wurde, ohnehin bereits Ausdruck einer Deklassierung der einheimischen britischen Bevölkerung ist – der Mörder Vickrum Digwa konnte sich auf eine behördliche Sondergenehmigung berufen, ein langes Ritualmesser in der Öffentlichkeit mit sich führen zu dürfen – einheimischen Briten ohne Migrationshintergrund ist dies selbstverständlich streng verboten.
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Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Bilder als „erschütternd“ und den gesamten Fall als „furchtbar und schockierend“. Er forderte Aufklärung darüber, ob die erhobenen Rassismusvorwürfe das Handeln der Beamten womöglich beeinflußt haben. Nowaks Vater erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei: „Anstelle als sterbendes Opfer behandelt zu werden, hat die Polizei Henry verhaftet und ihm seine Rechte verlesen. Das war das letzte, was er hörte.“ Die Behandlung seines Sohnes sei „unmenschlich und entwürdigend“ gewesen. (mü)
Bild: Wikimedia/Someone Not Awful – Own work/CC BY-SA 4.0
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