Berlin. Die deutsche Industrie verdankte ihren jahrzehntelangen Erfolg einer einfachen Voraussetzung: Energie muß zuverlässig und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar sein. Mit der selbstmörderischen Abkehr von Atomkraft sowie preisgünstigen russischen Energieträgern nach 2022 und dem Ausbau von Wind- und Solarstrom ist diese Voraussetzung jedoch immer weniger gegeben. Die wetterabhängige Stromerzeugung verursacht starke Schwankungen, die Netzbetreiber mit kostspieligen Eingriffen ausgleichen müssen. Die Folgen sind unter anderem steigende Netzentgelte.
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Nun verfolgt die Bundesnetzagentur einen Kurs, der die Industrie noch stärker an diese Schwankungen anpassen soll – und den man schlechterdings nur als Schildbürgerstreich betrachten kann. Unter der Leitung von Klaus Müller, der während der „Ampel“-Jahre vom damaligen grünen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck an die Spitze der Behörde berufen wurde, wird an einer Reform der Netzentgelte gearbeitet. Künftig sollen nicht mehr Unternehmen mit konstantem Stromverbrauch bevorzugt werden, sondern solche, die ihre Produktion flexibel an das Stromangebot und an Netzengpässe anpassen.
Bislang galt eine gleichmäßige Stromabnahme als netzdienlich. Energieintensive Betriebe erhielten deshalb reduzierte Netzentgelte. Diese sogenannte Bandlast erleichterte die Netzplanung und hatte für alle Vorteile. Die Bundesnetzagentur stellt dieses Prinzip nun zur Disposition. Nach ihren Vorstellungen soll langfristig Flexibilität belohnt werden, nicht Stabilität.
Im jüngst vorgestellten Zwischenbericht zur Reform der „Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom“ blieb dieser Punkt zunächst offen. Die Behörde will laufende Pilotprojekte auswerten und erst 2027 entscheiden. Dennoch ist bereits absehbar, daß Unternehmen mit kontinuierlichen Produktionsprozessen künftig unter Druck geraten könnten. Die bestehende Bandlastregelung soll nach bisherigen Plänen nur noch bis 2031 fortgeführt werden. Danach sollen Betriebe mit „starrerer Abnahme“ zu einem flexibleren Verhalten bewegt werden.
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Für viele Industriezweige ist das kaum machbar. Neben Strompreisen müßten Unternehmen künftig auch regionale Netzsignale berücksichtigen. Kritiker warnen vor erheblichen Mehrkosten und Planungsunsicherheit. Holger Klaassen vom Kupferhersteller Aurubis befürchtet: „Es drängt sich der Verdacht auf, daß bewußt nur Unternehmen beteiligt werden, die mit dem Erreichen der gewünschten Flexibilitätsanforderungen wenig Probleme haben.“
Auch Dirk Howe von der Gießerei Siempelkamp hält wenig von den Plänen. „Wir können uns mit unserer Produktion nicht an die Stromerzeugungskurve anschmiegen, wenn wir zugleich unsere Öfen effizient betreiben wollen, wenn wir die Arbeitnehmerrechte und die Auflagen der Genehmigungsbehörde einhalten wollen“, erklärt er.
Damit wird ein Grundpfeiler der neuzeitlichen Industriewirtschaft in Frage gestellt: Produktion, die unabhängig von Wetter und Tageszeit ist. Aus Sicht vieler Unternehmen droht nun ein großer Schritt zurück in Richtung vorindustrielles Zeitalter. (se)
Bildquelle: PIRO4D/Pixabay
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Wenn Bekloppte Leute in Ämter einsetzen, was kann dann dabei rumkommen?
richtig: Bekloppte