Genf. Der Fall ist seit Jahren wieder aus den Schlagzeilen verschwunden, und in Syrien wurden im Dezember 2024 mit der handstreichartigen Machtübernahme durch den Ex-Terroristen Ahmed al-Scharaa alias Abu Muhammad al-Dscholani Fakten geschaffen. Dennoch wurde jetzt durch ein Gerichtsurteil ein Vorfall wieder in Erinnerung gerufen, der einer der größten Wissenschafts- und Desinformationsskandale der letzten Jahre war – vergleichbar etwa der Lüge um die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen, mit der 2003 der anglo-amerikanische Überfall auf den Irak gerechtfertigt wurde.
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Die Rede ist vom mutmaßlichen Chemiewaffenangriff im syrischen Douma im April 2018. Er wurde damals von westlichen Medien unisono den Regierungstruppen unter dem Kommando von Präsident Baschar al-Assad in die Schuhe geschoben. Seine Truppen sollten die örtliche Zivilbevölkerung mit ominösen „Faßbomben“ angegriffen haben. Kurz nach den Berichten über tote Zivilisten griffen die USA, Großbritannien und Frankreich syrische Militäreinrichtungen an. Die Verantwortung der Assad-Regierung galt im Westen praktisch als erwiesen, obwohl die Untersuchungen der Organisation für das Verbot von chemischen Waffen (OPCW) noch liefen.
Vor Ort stießen die Ermittler der sogenannten Fact-Finding-Mission schon damals auf Ergebnisse, die nicht zur öffentlich verbreiteten Version der Ereignisse paßten. Zu den Experten gehörten Brendan Whelan sowie der südafrikanische Ingenieur Ian Henderson. Interne Berichte, die später unter anderem über WikiLeaks veröffentlicht wurden, deuteten auf erhebliche Zweifel an der offiziellen Darstellung hin.
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Henderson kam in einer ballistischen Analyse zu dem Ergebnis, daß die in Douma gefundenen Gaszylinder kaum aus Hubschraubern abgeworfen worden sein konnten. Beschädigungen an Deckeln und Behältern deuteten aus seiner Sicht eher darauf hin, daß die Zylinder manuell plaziert worden seien. Das wiederum hätte auf eine Inszenierung hingedeutet.
Auch toxikologische Untersuchungen paßten laut den internen Dokumenten nicht zu einem Chlorgasangriff. Internationale Experten verwiesen demnach darauf, daß Symptome wie starker Speichelfluß und Schaumbildung eher auf Nervenkampfstoffe wie Sarin als auf Chlor hindeuteten. Gleichzeitig deckten chemische Analysen lediglich minimale Spuren chlorierter Verbindungen auf, die sich im Bereich der alltäglichen Hintergrundbelastung bewegten.
Nach Darstellung der Whistleblower griff die OPCW-Führung im Nachgang massiv in die Berichte ein. Kritische Passagen seien gestrichen, ballistische Zweifel entfernt und toxikologische Einwände abgeschwächt worden. Whelan und andere Wissenschaftler wurden isoliert und von weiteren Untersuchungen ausgeschlossen.
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Die OPCW bestritt diese Vorwürfe und erklärte später, die Kritiker hätten nur unvollständige Daten gekannt. Unterstützung erhielten die Whistleblower jedoch vom früheren OPCW-Generaldirektor José Bustani. Er sprach öffentlich von einer politischen Instrumentalisierung der Behörde und warnte vor einem schweren Vertrauensverlust internationaler Kontrollinstitutionen.
Jetzt (Mai 2026) gab ein Urteil des Verwaltungsgerichts der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dem früheren OPCW-Ermittler Brendan Whelan recht. Es stellte fest, daß die Organisation ihn rechtswidrig behandelt und seine wissenschaftliche Integrität verletzt habe.
Das Urteil kommt einem Paukenschlag gleich, weil es die Legende vom angeblichen „Faßbomben“-Angriff endgültig ad absurdum führt. Für viele Beobachter ist das ILO-Urteil die späte Bestätigung dafür, daß im Fall Douma politische Interessen wichtiger waren als wissenschaftliche Standards. Allerdings ist dieses Muster nichts Neues und beschränkt sich nicht auf Syrien. Vielmehr gehören gefälschte, herbeimanipulierte Kriegsgründe seit Jahrzehnten zum gängigen Instrumentarium des Westens und insbesondere der USA. (mü)
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