Washington/Kiew. Die Diskussion über sogenannte Gain-of-Function-Forschung erhält gerade neue Nahrung. Kritiker warnen seit Jahren vor Experimenten, bei denen Viren oder Bakterien gezielt gefährlicher gemacht werden – vor allem für Menschen. Öffentlich wird diese Forschung meist mit der Entwicklung von Schutzmaßnahmen begründet. Gegner halten das für wenig überzeugend und argumentieren, niemand könne vorhersagen, welche Mutation ein möglicher Gegner tatsächlich einsetzen würde. Gegenmittel schützten deshalb vor allem gegen eigens entwickelte Varianten.
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Die Risiken gelten auch in den USA als erheblich. Zeitweise wurde Gain-of-Function-Forschung auf amerikanischem Boden deshalb stark eingeschränkt und einschlägige Einrichtungen ins Ausland verbannt – zum Beispiel in die Ukraine oder nach Georgien. Auch in Deutschland entsteht derzeit ein neues Biolabor nahe eines US-Militärstandortes.
Neue Aufmerksamkeit bekam das Thema durch die kürzlich zurückgetretene US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard. Sie leitete Untersuchungen zu weltweit rund 120 von den USA finanzierten Biolaboren ein, darunter mehr als 40 in der Ukraine. Gegenüber der „New York Post“ erklärte sie, ihr Team prüfe, ob dort „gefährliche Gain-of-Function-Forschung“ betrieben worden sei.
Bereits 2023 hatten russische Wissenschaftler nach eigenen Angaben tausende Dokumente aus Laboren in Donezk, Luhansk und Cherson ausgewertet, die beim Vormarsch in der Ukraine in russische Hände gefallen waren. Auch die Russen erhoben damals den Vorwurf, daß unter dem Deckmantel der Biosicherheit in Wahrheit Komponenten biologischer Waffen erforscht worden seien. Dazu paßt auch, daß die Ukraine bereits vor Ausbruch Krieges mit dem türkischen Drohnenhersteller Bayraktar Verhandlungen über eine modifizierte Drohne aufnahm, die über eine Sprühvorrichtung zum Ausbringen von Aerosolen verfügen sollte.
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Lange wurden Berichte über die US-Forschungseinrichtungen als Verschwörungstheorie abgetan. Aber selbst die frühere US-Vizeaußenministerin Victoria Nuland bestätigte später vor dem Senat biologische Forschungseinrichtungen in der Ukraine. Sie erwähnte lediglich nicht deren Finanzierung durch die USA.
Kurz nach Bekanntwerden der Untersuchungen trat Gabbard zurück. Offiziell begründete sie ihren Schritt mit der schweren Erkrankung ihres Mannes. In Washington kursieren allerdings auch andere Erklärungen. Demnach sei sie innerhalb des Teams von Donald Trump zunehmend isoliert worden, unter anderem wegen ihrer ablehnenden Haltung zu einem Krieg gegen den Iran und ihrer Kritik an der Ukraine-Politik der NATO. So hatte sie auf ihrem Twitter-Blog geschrieben: „Der russisch-ukrainische Konflikt hätte leicht vermieden werden können, wenn Joe Biden und die NATO-Führung einfach die legitimen Sicherheitsbedenken Rußlands anerkannt hätten.“
Jetzt gab möglicherweise Gabbards Interesse an den amerikanischen Biowaffen-Labors im Ausland den Ausschlag: die unbequeme Geheimdienstchefin mußte weg. (mü)
Bild: Pixabay/gemeinfrei
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