Torsten Albig zeigt Realismus: Ex-SPD-Ministerpräsident will Ende der „Brandmauer“

29. Mai 2026
Torsten Albig zeigt Realismus: Ex-SPD-Ministerpräsident will Ende der „Brandmauer“
National
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Foto: Symbolbild

Kiel. Bei der SPD gibt es offenbar doch nicht nur linksideologisch verbohrte Betonköpfe, sondern auch einen Restbestand an vernünftigen Realpolitikern. Einer von ihnen ist der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig. Er fordert von seiner Partei einen neuen Umgang mit der AfD. Die bisherige Strategie der vollständigen Abgrenzung („Brandmauer“) halte er auf Dauer für politisch nicht durchzuhalten. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Albig jetzt: „Wenn 30 Prozent diese Partei wählen, können wir nicht auf Dauer so tun, als wäre das die Ausgeburt der Hölle“.

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Albig plädiert dafür, auch Minderheitsregierungen in Betracht zu ziehen, die sich fallweise auf Stimmen der AfD stützen. Eine politische oder inhaltliche Nähe zur Partei sieht er darin ausdrücklich nicht. Sein Ziel sei vielmehr, frühere SPD-Wähler zurückzugewinnen, die sich längst von den Sozialdemokraten abgewandt hätten.

Albigs Vorstoß fällt mit einem dramatischen Absturz der SPD in den jüngsten Umfragen zusammen. Nach dem ZDF-Politbarometer vom 22. Mai liegt die AfD bundesweit bei 26 Prozent und damit vor der CDU mit 24 Prozent. Die SPD erreicht nur noch zwölf Prozent.

Als Vorbild nennt Albig Dänemark. Dort arbeiteten Sozialdemokraten in einzelnen Sachfragen auch mit Rechtspopulisten zusammen. Mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt brachte der frühere Ministerpräsident wechselnde Parlamentsmehrheiten ins Gespräch. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut infratest dimap derzeit bei 36 Prozent, in Sachsen-Anhalt nach INSA sogar bei 42 Prozent. Albig dachte in diesem Zusammenhang laut über eine mögliche Minderheitsregierung unter Manuela Schwesig nach.

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Scharf kritisierte er dagegen Bündnisse aus zahlreichen Parteien, die nur geschlossen würden, um die AfD zu verhindern. Konstruktionen mit CDU, Grünen, Linken oder BSW lähmen aus seiner Sicht die Politik und verstärken die Entfremdung vieler Bürger.

Albig führte Schleswig-Holstein von 2012 bis 2017 als Ministerpräsident. Nach seiner Wahlniederlage zog er sich aus der Politik zurück und wechselte in die Wirtschaft. Seit 2023 arbeitet er für den Tabakkonzern Philip Morris. (rk)

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