Brünn. Eine schwierige historische Premiere: erstmals fand heuer der jedes Jahr zu Pfingsten veranstaltete Sudetendeutsche Tag im Vertreiberland statt – begleitet von heftigen Protesten und politischen Angriffen tschechischer Chauvinisten. Auf dem Messegelände der mährischen Stadt Brünn kamen am Wochenende Sudetendeutsche, andere deutsche Gäste und auch zahlreiche Tschechen zusammen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „großen Friedensfest“ und einem „historischen Signal“. Die Sudetendeutschen seien „absolute Brückenbauer“, die keine Revanche wollten.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund drei Millionen Deutsche aus ihrer sudetendeutschen Heimat vertrieben, häufig unter unbeschreiblichen Greueln. Schätzungsweise 300.000 kamen dabei um. Gerade der Veranstaltungsort Brünn war Schauplatz eines der furchtbarsten Vertreibungsverbrechen, des sogenannten Brünner Todesmarsches, bei dem zwischen dem 31. Mai und dem 6. Juni 1945 nach jüngeren Schätzungen mindestens 5200 vertriebene Deutsche den Tod fanden; auf tschechischer Seite geht man von einigen hundert Toten aus.
Der Sprecher der Volksgruppe, Bernd Posselt, formulierte die Botschaft des Treffens: „Wir haben eine klare Botschaft – und diese Botschaft ist eine Botschaft nicht des Hasses, sondern der Liebe.“ Zugleich erklärte er: „Wir sind hier nicht, um etwas zu fordern, wir sind hier, um etwas zu geben.“
Viele Tschechen ließen sich davon nicht überzeugen – kein Wunder: die tschechischen Vertreibungsverbrechen wurden im Nachbarland nie aufgearbeitet, und die Beneš-Dekrete, mit denen sie 1946 im nachhinein offiziell legitimiert wurden, sind bis heute gültig. Auch für den EU-Beitritt der Tschechischen Republik 2004 waren sie kein Hindernis, obwohl sie allen Minderheitenstandards der EU ins Gesicht schlagen.
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In Brünn kam es zu erbosten Protesten gegen die Sudetendeutschen. Hunderte Demonstranten zogen durch die Innenstadt und hielten Transparente mit der Aufschrift „Sie sind hier nicht willkommen“ hoch. Minister der Regierung des Rechtspopulisten Andrej Babiš blieben der Veranstaltung demonstrativ fern. Das Prager Abgeordnetenhaus sprach sich gegen die Tschechische Republik als Veranstaltungsort aus. Ex-Präsident Miloš Zeman warf den Sudetendeutschen vor, ein fanatischer Teil der nationalsozialistischen Bewegung gewesen zu sein – unterschlug aber die systematische Diskriminierung und Drangsalierung der sudetendeutschen Volksgruppe in der Tschechoslowakei nach 1918.
Mehrere Bürgermeister entlang der Route des Brünner Todesmarsches widersprachen der Prager Haltung denn auch. Sie bezeichneten die Resolution des Parlaments als „verzweifelte Versuche“ im Kampf um Wählerstimmen und bekannten sich offen zur Aussöhnung mit den Vertriebenen und ihren Nachfahren.
Auch die Präsidenten Petr Pavel und Frank-Walter Steinmeier unterstützten den Kurs der Verständigung. In einer gemeinsamen Erklärung betonten sie, beide Länder hätten einen langen Weg gegenseitigen Respekts zurückgelegt. Das Treffen in Brünn spiegle genau diesen Geist wider. (mü)
Bild: Wikimedia/Magnussen, Friedrich (1914-1987) – Stadtarchiv Kiel/CC BY-SA 3.0 de
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