Brüssel. Die Brüsseler Eurokraten haben einen neuen Begriff entdeckt, um die eigene Verantwortung für den wirtschaftlichen Niedergang Europas abzuschütteln: den „Stagflations-Schock“. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis macht inzwischen vor allem den Krieg gegen den Iran für die Krise verantwortlich. Hohe Inflation, schwaches Wachstum und explodierende Energiepreise erscheinen dieser Sichtweise zufolge als plötzlich hereingebrochene Katastrophe. Tatsächlich waren die Ursachen aber seit langem für jedermann erkennbar.
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Ölpreise von zeitweise mehr als 110 Dollar pro Barrel verschärfen die Situation zwar erheblich. Europas wirtschaftlicher Absturz begann jedoch schon Jahre vor dem US-israelischen Überfall auf Iran. Vor allem die Sanktionen gegen Rußland, die Abkehr von preiswerten russischen Energieträgern, massive Eingriffe in die Wirtschaft und eine ideologisch aufgeladene Energie- und Klimapolitik haben die europäische Industrielandschaft systematisch geschwächt.
Der Begriff „Stagflation“ beschreibt die Verbindung aus wirtschaftlicher Stagnation und steigenden Preisen. Dieses Szenario erschütterte bereits in den 1970er Jahren die westlichen Volkswirtschaften als Folge der damaligen Ölkrise.
Auch nach Analysen von Armstrong Economics steckte Europa schon tief in der wirtschaftlichen Krise, bevor im Nahen Osten der erste Schuß fiel. Deutschlands industrielle Basis verlor seit Jahren an Substanz, Fabriken in ganz Europa drosselten ihre Produktion, und die Energiekosten schnellten infolge der westlichen Sanktionspolitik in die Höhe. Statt günstiges russisches Gas und Öl zu nutzen, setzte Europa auf teure LNG-Importe und wetterabhängige Energiequellen (und hat sich damit kräftig selbst ins Knie geschossen, wenn US-Präsident Trump wegen der hohen Benzinpreise damit ernst machen sollte, amerikanische Energieexporte grundsätzlich zu stoppen).
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Die Folgen sind längst nicht mehr zu übersehen. Lebensmittel, Wohnen und Treibstoff verteuern sich schneller als die Einkommen. Gleichzeitig tritt die Wirtschaft auf der Stelle. Hinzu kommt eine dramatische Schuldenlast. Die Renditen für G7-Staatsanleihen stiegen seit Kriegsbeginn von etwa 3,2 auf fast 4 Prozent. Die Zentralbanken geraten damit in eine Sackgasse: höhere Zinsen bedrohen die Staatsfinanzen, Zinssenkungen treiben die Inflation weiter an. Trotzdem setzt Brüssel weiter auf neue Schulden, noch mehr Regulierung und immer höhere Belastungen für Bürger und Unternehmen. (mü)
Bild: Pixabay/Gemeinfrei
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