Migrationsforscher: Zuwanderung und „Unterschichtung“ führt zu Spannungen

6. Juni 2023

Berlin. Migration ist kein statischer quantitativer Prozeß, sondern voller Eigendynamik. Darauf hat jetzt der Migrationsforscher Stefan Luft in einem Interview der „Welt“ hingewiesen. Zuwanderung ist demnach ein „dynamischer, sich selbst verstärkender Prozeß“. „Einige gehen voraus, andere ziehen nach, das ist das Prinzip der Kettenwanderung“, erklärte Luft.

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Gerade persönliche Netzwerke hätten einen großen Einfluß auf Migration. Denn dort verbreiten sich zum Beispiel leicht Informationen über einen hohen Lebensstandard, Sozialleistungen und Bleiberecht im Zielland, erläutert Luft, der als Politikwissenschaftler an der Universität Bremen tätig ist.

Und dann wird es oft problematisch: denn starke Zuwanderung ist in den Aufnahmegesellschaften oft mit einer „Unterschichtung“ der Bevölkerung durch „ethnokulturell homogene Gruppen in Stadtteilen und Schulklassen“ verbunden, die dann „den öffentlichen Raum zunehmend dominieren“. Die Folge seien „mehr Spannungen“.

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Insbesondere der bundesdeutschen Migrationsforschung attestiert der Bremer Wissenschaftler eine „starke ideologisch Ausrichtung“. Zu den Grundannahmen vieler seiner Kollegen gehörten drei Dinge: Zuwanderung sei der Normalfall; Wanderungsbewegungen ließen sich nicht staatlich steuern; und „Kolonialismus“ sei eine Erbschuld des Westens und Migration eine Folge der vermeintlichen Ausbeutung des reichen Westens, die hinzunehmen sei. Luft hält dem entgegen, daß freilich nicht Wanderbewegungen, sondern Seßhaftigkeit für 95 Prozent der Weltbevölkerung der Normalfall ist. (st)

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