Griechischer Vorwurf an Ankara: Türkei schickt gezielt Illegale auf griechische Inseln

10. Dezember 2020
Griechischer Vorwurf an Ankara: Türkei schickt gezielt Illegale auf griechische Inseln
International
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Athen/Ankara. An der Migrationsfront im europäischen Südosten bleibt es unruhig. Jetzt beschuldigt Griechenland die Türkei, Migranten gezielt auf griechische Inseln zu schicken. „Wir haben zuverlässige Informationen darüber, daß Schlepper in der Türkei bewußt Migranten aus Somalia sammeln und über Griechenland in die EU schicken“, sagte Migrationsminister Notis Mitarakis vor Journalisten in Athen. Man sei mißtrauisch geworden, weil seit dem 1. November insgesamt 214 Migranten illegal zur Insel Lesbos übergesetzt hätten, 142 davon aus Somalia.

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Es lägen Beweise dafür vor, daß somalische Bürger von der Türkei Visa erhielten, die auch beworben würden, etwa mit dem Slogan „Geh in die Türkei und studiere“, sagte Mitarakis. Es gebe in Mogadischu eigens einen türkischen Ansprechpartner, der die Menschen bei der Einreiseprozedur unterstütze; die Kosten dafür beliefen sich auf 1.300 bis 1.500 Euro. In anderen Fällen seien Flüchtlingshelfer von Nicht-Regierungsorganisationen daran beteiligt, die Menschen bei Flügen in die Türkei zu unterstützen – auch dafür gebe entsprechende Aussagen Beteiligter.

Man verlange nun von der Türkei mit Nachdruck, sich an den 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt mit der EU zu halten, sagte Mitarakis und forderte hierbei auch Unterstützung von der EU. Bereits vergangene Woche hatte sich das griechische Migrationsministerium mit einem entsprechenden Schreiben an EU-Innenkommissarin Ylva Johansson gewandt. Der Vorwurf darin: die türkische Küstenwache habe ein Boot mit 34 Flüchtlingen in Richtung griechischer Gewässer gezwungen.

In Griechenland sind dieses Jahr laut Angaben des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) rund 15.000 Migranten angekommen, knapp 9.500 von ihnen auf griechischen Inseln wie Lesbos, Chios und Samos. (mü)

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