ZUERST!-Interview mit AfD-Politiker Jens Kestner: „Intern erneuern, den Gegner bekämpfen!“

21. Juli 2020
ZUERST!-Interview mit AfD-Politiker Jens Kestner: „Intern erneuern, den Gegner bekämpfen!“
National
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Jens Kestner aus dem niedersächsischen Northeim vertritt die AfD im Bundestag und ist dort Mitglied im Verteidigungsausschuss. Beim kommenden Landesparteitag der AfD Niedersachsen will der ehemalige Bundeswehrsoldat und mittelständische Unternehmer für den Landesvorsitz kandidieren. Wir sprachen mit ihm über seine Beweggründe.

ZUERST!: Herr Kestner, in der niedersächsischen AfD ist es im Vergleich zu anderen AfD-Landesverbänden derzeit relativ ruhig. Was veranlaßt Sie dazu, mit der Herausforderung einer Kampfkandidatur gegen die Landesvorsitzende Dana Guth hier für gehörigen Wirbel zu sorgen?

Kestner: Zunächst einmal nehmen wir in der AfD den Demokratiegedanken sehr ernst und Demokratie heißt eben auch Wechsel in gewählten Ämtern. Ich trete mit meiner Mannschaft an, um in Zeiten von großen vor uns liegenden Herausforderungen die notwendigen Weichenstellungen vorzunehmen und die AfD Niedersachsen auf die Erfolgsspur von früher zurückzuführen. Ein erster Meilenstein werden die Kommunalwahlen im nächsten Jahr sein, für die ich meinen Landesverband derzeit leider immer noch völlig unvorbereitet sehe.

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ZUERST!: In der Tat gab es in Niedersachsen zuletzt nur mäßige Wahlergebnisse für die AfD auf kommunaler Ebene, so bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover mit 4,6% oder der Ratswahl in Walsrode mit 3,9%. Gehen in Niedersachsen die politischen Uhren anders?

Kestner: Für jedes schlechte Wahlergebnis eine andere Erklärung liefern zu können, mag im Zweifel von persönlicher Schuld entlasten, bringt die Partei aber nicht voran und entbindet schon gar nicht von politischer Verantwortung. Sie zu tragen ist nun einmal ganz wesentlicher Teil von Führungsverantwortung. Letztlich ist es der politische Kurs, die politische Wahrnehmbarkeit und das Besetzen der richtigen Themen, was über Erfolg und Mißerfolg entscheidet. Daß hier erheblicher Nachholbedarf besteht, kann aktuell wirklich niemand bestreiten. Er zeigt sich auch in jüngsten Wahlumfragen, welche die AfD Niedersachsen landesweit gerade noch bei 5% sieht. Wenn es uns nicht gelingt, diesen katastrophalen Negativtrend zu stoppen und umzukehren, unterhalten wir uns bald nicht mehr darüber, wie viele Abgeordnete wir in die Parlamente schicken, sondern ob wir überhaupt noch dort vertreten sind.

ZUERST!: Die Mitgliederzahlen der AfD stagnieren nicht nur bundesweit, sondern auch in Niedersachsen. Welche Gründe sehen sie für diesen Negativ-Trend?

Kestner: Ich sehe hier mehrere Faktoren: Zum einen in dem derzeitigen Klima von politischer und medialer Diffamierung rechts-konservativen Gedankengutes ganz allgemein. Das hat zu einem sehr engen, linksideologischen Korridor gesellschaftlich zulässiger Meinungen mit fatalen Konsequenzen geführt.  Mittlerweile fürchten sich zwei Drittel der Menschen in Deutschland davor, ihre Meinung offen zu äußern. Und zwar aus Angst vor Bedrohungen und Angriffen aus dem linksextremen Spektrum, Repressionen am Arbeitsplatz und anderswo. Durch diese Ausgrenzung rechts-oppositioneller Einstellungen ist ein erschreckendes Ungleichgewicht in der Gesellschaft entstanden, das einer wahrhaft freiheitlich-demokratischen Ordnung in keiner Weise mehr entspricht. Hinzu kommt der politische Mißbrauch des Verfassungsschutzes als Instrument der Altparteien im Geheimdienstkampf gegen die konkurrierende AfD. In der Außenwirkung treten wir als AfD Niedersachsen erkennbar geschwächt und mit zu wenig Selbstvertrauen auf. Kurzum: Wir sind kaum wahrnehmbar präsent. Alle diese Faktoren haben dazu geführt, daß sich viele unserer zahlreichen Sympathisanten davor scheuen Mitglied unserer Partei zu werden, obwohl sie die Ziele der AfD durchaus begrüßen.

ZUERST!: Wie wollen Sie diese Entwicklung stoppen und umkehren?

Kestner: Durch weitere Professionalisierung des Landesverbandes. Es gilt eine längst überfällige Entwicklung anstoßen, im Zuge derer wir unter anderem wieder deutlich sichtbarer werden müssen durch „Kampagnenfähigkeit“ auf allen Ebenen. Das heißt konkret, wir werden regelmäßig landesweit Großveranstaltungen durchführen. Mit Unterstützung prominenter Parteimitglieder werden wir dadurch unsere politischen Ideen breiten Schichten der Bevölkerung gezielt vermitteln. Wir werden und wollen die Protagonisten der Altparteien als machtbesessene Antidemokraten entlarven. So schaffen wir neuen Mut und frisches Selbstvertrauen bei den Menschen, sich zu uns als AfD zu bekennen. Des Weiteren müssen wir uns stärker mit allen legalen Mitteln gegen die rechtswidrige Beobachtung des Verfassungsschutzes von Teilen der Mitgliedschaft zur Wehr setzen, welche erkennbar die geheimdienstliche Ausgrenzung der ganzen AfD vorbereiten und zu ihrer Zerstörung führen soll. Hier muß noch viel klarer Position bezogen werden, als es bisher getan wurde. Der anlasslose Generalverdacht von 600 niedersächsischen AfD-Mitgliedern im Zuge der VS-Beobachtung des ehemaligen „Flügels“, muß viel entschiedener und entschlossener entgegengetreten werden. Nicht nur – aber auch – zur Korrektur des Bildes der AfD in der öffentlichen Wahrnehmung. Es gibt also viel zu tun. Meine Reform-Mannschaft und ich sind bereit dazu, es anzupacken.

ZUERST!: Wo sollte der niedersächsische Landesverband der AfD zukünftig seine politischen Schwerpunkte setzen?

Kestner: Wir müssen unseren Hauptgegner deutlicher erkennbar machen und damit meine ich die sogenannten „Grünen“. Diese anti-deutschen Öko-Internationalisten, die unseren Nationalstaat zerstören und mit ihrer Politik auch den Industriestandort Niedersachsen faktisch beseitigen wollen, gilt es mit unseren besseren Gegen-Argumenten zu stellen. Verteufeln sie doch Mobilität und preiswerte Energie-Hochtechnologie ebenso, wie sie unsere althergebrachten Traditionen gegen kulturfremde austauschen und mit der Etablierung des Islam sowie durch die Festschreibung einer unbegrenzten Aufnahme von Sozialmigranten unser Land dabei dauerhaft destabilisieren wollen. Sie stehen praktisch gegen alles, was unser Land einst wohlhabend und lebenswert gemacht hat. Dafür propagieren sie die Auflösung traditioneller Familienstrukturen, betreiben Zerrüttung und Entsittlichung von Familien, wollen „bunte“ Familien mit gleichgeschlechtlichen- trans- oder intersexuellen Eltern, haben ihren Anteil am Abtreibungsboom und dem damit einhergehenden Geburtenrückgang sowie dem Minuswachstum der deutschen Bevölkerung.

ZUERST!: Inwieweit sehen Sie die offene politische Diskussion im öffentlichen Raum noch gewährleistet?

Kestner: Sie ist – leider – bis zur Unkenntlichkeit beschädigt. Inzwischen hat sich nämlich eine rot-grüne Gesinnungs- und Meinungsdiktatur etabliert, gutmenschlich getarnt, die abweichende Auffassungen als Gefahr für Demokratie denunziert und mit der „Nazi-Keule“ verunglimpft. Der gesamte Altparteienblock macht hier gerne mit und bedroht in trauter Einigkeit zum Zwecke des eigenen Machterhalts gar die Meinungsfreiheit durch Etablierung von Maulkorbgesetzen. Über allem schwebt dann noch die Keule eines altparteilich-instrumentalisierten und willfährigen Verfassungsschutzes.

ZUERST!: Was heißt das für die AfD Niedersachsen?

Kestner: Wir müssen beherzt und konsequent die geschilderten Mißstände rigoros und mit hoher Einsatzbereitschaft bekämpfen. Das wird uns als AfD Niedersachsen neue Kraft und Motivation beim Zusammenhalt der Mitglieder bescheren und als Partei zu unumstößlicher Geschlossenheit führen. Alle Kraft zu bündeln und auf unseren politischen Hauptgegner zu richten, anstatt uns in unentwegter Beschäftigung mit uns selbst zu beschäftigen und dadurch nur zu lähmen, das muß der gestalterische Anspruch eines neuen Landesvorstandes sein. Dafür stehe ich!

ZUERST!: Herr Kestner, vielen Dank für das Gespräch.

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4 Comments

  1. Uwe Schumacher schreibt:

    Natürlich ist eine seriöse Aussendarstellung wichtig. Das wird aber mit Leuten die dem „Flügel“ zuzurechnen sind nicht gelingen. Gefragt sind Argumente und verständliche Erklärungen und nicht dumpfes Herümbrüllen. Denn mit letzterem gewinnt man nichts, sondern schreckt ab. Dazu zähle ich auch Anträge auf Einführung eines „Verwundetenabzeichens“ für Angehörige der Bundeswehr. Das ist nicht von gestern, sondern von vorgestern.
    Ich jedenfalls warte mit meinem Mitgliedsantrag solange bis die gemäßigt- konservativen Kräfte das Ruder fest in der Hand haben.

  2. Rolf Lechner schreibt:

    Was er nicht erwähnt: Wie sehr die AfD sich selbst durch diese Abgrenzungsbeschlüsse beschädigt. Ja, die „Warmduscher“ trauen sich nicht mehr. Und Kämpfer wie Kalbitz, Höcke, Sayn-Wittgenstein werden davongejagt. Wer soll denn da noch übrigbleiben?

    • Hermann Scholten schreibt:

      Eine Alternative Partei wird nur dann akzeptiert,wenn sie eine alternative zu den Altparteien darstellt.Das geht aber nicht mit bekannten Nazis wie Kalbitz,Höcke und Co. Mit solchen Leuten wird man keine Koalitionspartner finden und somit auch keine alternative Politik gestalten können. Und ohne Meuthen und sein Umfeld würde die AfD in der Versenkung verschwinden…so wie die NPD.Republikaner, DVU pp.

      • Manfred schreibt:

        Die AFD hätte konsequent ihren Weg gehen müssen und sich nicht einschüchtern lassen von aussen.

        Dann sind sie halt RECHTS. Na und?
        Ein Zusammenschluss mit PEGIDA wäre auch von Vorteil.

        Die AFD hatte viele Möglichkeiten mit Veranstaltungsn öffentlich auf zu treten. Nicht nur in der Flüchtlingsfrage.
        Das wurde aber nicht nur auf Landes- sonern auf Bundesebene versäumt.‘

        Fazit:
        Ichnhabe bereits (m unter Zeugen ) prophezeit:
        ENach 2, 3 Wahlperioden ist die AFD zum Einheitsbrei verschmolzen.
        Dass es allerdings so zügige Fortschritte macht, hätte ich nicht erwartet.

        Und in einem weiteren Punkt gleicht die AFD den anderen Parteien:
        Kritikfähig ist sie nicht.

        Daher:

        Meine Erststimme werde ich 2021 unwiderrufbar verweigern.

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