Der Große Bruder sieht künftig noch mehr: „Clearview“ und das Ende der Anonymität

2. Februar 2020
Der Große Bruder sieht künftig noch mehr: „Clearview“ und das Ende der Anonymität
International
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New York. Das Zeitalter des gläsernen Bürgers geht in die nächste Runde. Und das könnte dazu führen, daß es Privatheit und Anonymität im öffentlichen Raum bald nicht mehr gibt.

Das Zauberwort heißt „Clearview“. Dabei handelt es sich um eine Gesichtserkennungs-Software, die Gesichter etwa von Passanten mit einer Datenbank von mehreren Milliarden Bildern abgleicht, die Nutzer auf verschiedenen sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube und auf anderen Internetseiten hochgeladen haben. Dadurch ist es möglich, mit wenigen Klicks zahlreiche Informationen über eine wildfremde Person zu bekommen, wovon Hausanschrift und Telefonnummer noch die harmlosesten sind. Auch intimere Daten wie Kontakte, Vorgeschichte und Interessen lassen sich mit Clearview relativ schnell in Erfahrung bringen.

Eine Reporterin der „New York Times“ hat jetzt aufgedeckt, daß hunderte US-Behörden bereits mit Clearview arbeiten. Auch die NYT mutmaßt mit Recht, daß der Einsatz der neuen App das „Ende der Privatsphäre, wie wir sie kennen“, mit sich bringen könnte.

Die Polizeibeamten, über die die NYT berichtet, betrachten Clearview freilich als große Hilfe. So wird unter anderem über einen Fall im US-Bundesstaat Indiana berichtet – ein Zeuge filmte dort, wie ein Mann einem anderen Mann in den Bauch geschossen hatte. Die Tat konnte innerhalb von 20 Minuten aufgeklärt werden, weil Clearview den Täter auf einem Social-Media-Video erkannte. Die US-Polizei hatte den Mann bisher nicht in ihrer Datenbank.

Der Behördeneinsatz ist denn auch nicht das größte Problem. Besorgniserregender sind die Mißbrauchsmöglichkeiten durch private Nutzer. Die NYT berichtet, daß der Algorithmus des Programms so programmiert sei, daß sich damit zum Beispiel auch eine Brille entwickeln ließe, mit der man durch die Straßen gehen oder in der U-Bahn sitzen und theoretisch jeden Menschen identifizieren könnte, der dem Nutzer zufällig begegnet. Es wäre praktisch das Ende der Privatheit. (mü)

Ein Kommentar

  1. Ketzerlehrling schreibt:

    Was soll man noch sagen?

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