Gegen „Alibi-Politik des Agrarministeriums“: Bauern demonstrierten in Berlin

20. Januar 2020
Gegen „Alibi-Politik des Agrarministeriums“: Bauern demonstrierten in Berlin
National
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Berlin. Wenigstens ein klein wenig Protest gegen die Politik regt sich auch in Deutschland: rund 27.000 Teilnehmer haben am Samstag in Berlin für eine Agrarwende und mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft demonstriert. Im Rahmen der Großkundgebung des Aktionsbündnisses „Wir haben es satt“ rollten auch rund 170 Bauern mit Traktoren durch die Berliner Innenstadt. Die Bauern und ihre Unterstützer verlangten mehr finanzielle Förderung des Umstiegs auf ein naturverträgliches Wirtschaften.

„Wir haben die Alibi-Politik des Agrarministeriums gehörig satt“, erklärte Bündnis-Sprecherin Saskia Richartz. Sie macht die Bundesregierung für „Höfesterben und Frust auf dem Land“ verantwortlich. Seit dem Amtsantritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2005 hätten 130.000 Höfe dichtmachen müssen. Die Veranstalter riefen die Regierung auf, sie müsse „die Landwirtschaft enkeltauglich machen und den Bauernhöfen eine Zukunftsperspektive bieten“.

Das Motto der diesjährigen Kundgebung anläßlich der Grünen Woche in Berlin war „Agrarwende anpacken, Klima schützen!“ Beteiligt waren viele Bio-Bauern, aber auch konventionell wirtschaftende Landwirte. Neben landwirtschaftlichen Verbänden, besonders des Biolandbaus, hatten Umweltverbände, kirchliche Organisationen sowie Grüne und Linkspartei zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen.

Eine Delegation der Demonstranten übergab eine Protestnote an die Teilnehmer einer Internationalen Agrarministerkonferenz, die zeitgleich im Auswärtigen Amt stattfand. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) nahm das Schreiben entgegen. „Statt mit unfairen Freihandelsabkommen neue Märkte für Auto- und Chemiekonzerne zu erschließen, braucht es gerechten Handel, die Durchsetzung von Bauernrechten und Schutz von bäuerlichen Betrieben auf der ganzen Welt“, heißt es in der Erklärung. (se)

Bildquelle: Wikimedia/Moros/GNU Free Documentation License

Ein Kommentar

  1. Bernd Sydow schreibt:

    Um die tieferen Gründe für die Vernachlässigung der deutschen Bauernschaft durch die Merkel-Regierung offenlegen zu können, muß man den politischen Charakter der Regierungsparteien SPD und Merkel-CDU näher betrachten. Bei der SPD ist das relativ klar: Sie war schon immer eine Arbeiterpartei und wird es auch bleiben. Bei der CDU ist das etwas komplizierter: Es war Angela Merkel – in der DDR sozialisiert und aktiv in der FDJ -, die die einstmals eher konservative CDU sozialdemokratisierte und zu einer „modernen Großstadtpartei“ umbaute.

    Während der freie Bauer sich mit seiner heimatlichen Scholle verbunden fühlt, ist der Städter in der Regel mehr kosmopolitisch orientiert, was der sozialistischen Weltsicht näher kommt. Sozialismus ebenso wie Kommunismus sind eine Ideologie der Vermassung (hier: Kollektivierung der Landwirtschaft, der freie Bauer wird zum Landarbeiter).

    Diejenigen Regierungspolitiker aber, die ihre freie Bauernschaft vernachlässigen, haben zu ihrer Heimat ein gestörtes Verhältnis und damit auch zu ihrem Volk!

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