Patzelt prophezeit Niedergang der CDU: Auf dem Weg zur „politischen Verzwergung“

17. Januar 2020
Patzelt prophezeit Niedergang der CDU: Auf dem Weg zur „politischen Verzwergung“
National
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Dresden. Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat der CDU eine vernichtende Zukunftsprognose gestellt. Seiner Einschätzung nach befindet sich die CDU auf dem besten Wege in die politische „Verzwergung“.

Wörtlich sagte Patzelt in einem Interview des russischen Nachrichtenportals „Sputnik“: „Die Entwicklung zu einer in die Zange genommenen und dann ins politisch Unbeträchtliche verzwergten Partei hat für die CDU längst eingesetzt.“ Und weiter: „Die CDU wird dieser Entwicklung schwerlich entrinnen, denn in der Parteiführung auf Bundesebene, wie in den meisten deutschen Bundesländern, herrscht nun mal die Ansicht vor, daß der bisherige Kurs der CDU ein völlig richtiger, alternativloser gewesen wäre. Darum wird die CDU diesen Kurs weitergehen.“

Nutznießer werde in erster Linie die AfD sein. Patzelt diagnostiziert, daß die CDU nach dem „Beinahe-Wahlverlust der schon sicher geglaubten Wahlsiegerin Merkel bei der letzten Bundestagswahl gegen Gerhard Schröder“ viele ihrer inhaltlichen Positionen geräumt und sich stattdessen sozialdemokratische und grüne Positionen zueigen gemacht habe. Sie unternehme keinerlei Anstrengungen, ihre „Dominanz in der rechten politischen Spielfeldhälfte“ zu sichern. Parteimitglieder, die allzu weit rechts stünden, seien gemobbt und zur innerlichen Kündigung, später zum Übertritt zur AfD veranlaßt worden.

Auch die derzeitige Tendenz zu schwarz-grünen Bündnissen hält Patzelt nicht für zielführend – schwarz-grüne Erfolge würden nicht der CDU nützen, sondern den Grünen, weil der Wähler dann lieber gleich das grüne Original bevorzuge.

Patzelt, emeritierter Lehrstuhlinhaber für Politikwissenschaft an der TU Dresden, ist selbst CDU-Mitglied und war Vorsitzender der CDU-Wahlprogrammkommission in Sachsen bei der letzten Landtagswahl. (se)

Bildquelle: Wikimedia/Olaf Kosinsky/CC BY-SA 3.0 de (Bildformat bearb.)

3 Comments

  1. Bernd Sydow schreibt:

    Braucht Deutschland die CDU, wie sie heute ist? Ich meine, nein! Seit Angela Merkel aus der CDU einen sozialdemokratisierten Kanzler-Wahlverein gemacht hat, gibt es so gut wie kein Politikfeld mehr, auf dem sie authentischer ist als die übrigen Bundestagsparteien (Originale). Der unter Helmut Kohl noch starke rechtskonservative Flügel der Partei fiel dem Umbau zu einer „modernen Großstadtpartei“ zum Opfer. Aber mit dem Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag hat nun auch das Rechtskonservative und Volksbürgerliche wieder eine starke Stimme erhalten. Und das Christliche in der CDU? Der verstorbene Kölner Kardinal Meisner empfahl seinerzeit der CDU, auf das „C“ in ihrem Namen zu verzichten – soweit ich mich erinnere, ging es um die Homo-Ehe.

    Kurzum: Die CDU von heute ist eine Partei der Beliebigkeit. Und eine solche brauchen wir in Deutschland nicht! Allerdings, eine geläuterte CDU als Juniorpartner einer deutlich erstarkten AfD, mit der FDP im (Regierungs-)Boot, würde Deutschland nach meiner Einschätzung sicherlich guttun.

  2. Altchemnitzer schreibt:

    Ja, nur leider haben Patzelt und Maßen im Landtagswahlkampf dafür gesorgt, daß die CDU mit SPD und Grünen ( 2 Wahlverlerer ) regieren kann. Es wurde dem Wähler die Legende angeboten, daß es In der CDU Werte gibt. Eine Werteunion wurde ins Leben gerufen. Mitglieder, die beiden oben genannten.

  3. Aspasia schreibt:

    Und es ist davon auszugehen, daß in Österreich die gerade geschlossene Koalition mit den Grünen über KURZ oder lang scheitern wird.

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