Auch Schottische Nationalpartei startet durch: Kommt jetzt der „Scoxit“?

15. Dezember 2019
Auch Schottische Nationalpartei startet durch: Kommt jetzt der „Scoxit“?
International
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Edinburgh. Nach seinem überzeugenden Brexit-Wahlsieg bekommt der britische Premier Boris Johnson ein massives Schottland-Problem. Denn: auf den Brexit könnte nun bald der „Scoxit“, der Austritt Schottlands aus dem Vereinigten Königreich, folgen. Die Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, kündigte nach der Parlamentswahl in Großbritannien prompt an, für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum kämpfen zu wollen.

„Boris Johnson hat erstens kein Recht, Schottland aus der EU zu nehmen, und zweitens kein Recht, zu verhindern, daß das schottische Volk über seine eigene Zukunft bestimmt“, sagte die schottische Regierungschefin.

Die sozialdemokratisch und proeuropäisch ausgerichtete Schottische Nationalpartei hat bei der Wahl ebenfalls überzeugend abgeschnitten und wird 48 von 49 schottischen Parlamentssitzen gewinnen. Die Konservativen hatten 2017 noch 13 Mandate geholt. Die Unabhängigkeitspartei profitierte von der überwiegenden Ablehnung des Brexit in Schottland.

Auf Betreiben der SNP war es bereits 2014 zu einem Referendum über die Unabhängigkeit gekommen. Die Schotten hatten eine Abspaltung damals jedoch mehrheitlich abgelehnt. Premier Johnson will keine Zustimmung seiner Regierung zu einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum erteilen. Er habe der schottischen Regierungschefin erklärt, das Ergebnis der Abstimmung von 2014 müsse respektiert werden, hieß es am Freitag in einer Erklärung aus Johnsons Büro. (mü)

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3 Comments

  1. Mika schreibt:

    …“das schottische Volk über seine eigene Zukunft bestimmt“ Klar, wenn Schottland Teil der SowjetEU bleibt, dann wird es das sicher können. Dies dann auch noch „Unabhängigkeitsreferendum“ zu nennen, deutet entweder auf mangelnde Zurechnungsfähigkeit oder pure Bosheit hin.

  2. Bernd Sydow schreibt:

    Im 16. Jahrhundert wurde die schottische Königin Maria Stuart im Auftrag der englischen Königin Elisabeth I hingerichtet, weil sie sich weigerte, ihren Anspruch auf den englischen Königsthron aufzugeben (Auch die Religion spielte damals eine weitaus größere Rolle als heute). England und Schottland wurden vereint, Wales kam hinzu, aus der englischen wurde die britische Königin.

    Das schottische Unabhängigkeitsreferendum von 2014 ergab eine Mehrheit für Schottlands Verbleib im Vereinigten Königreich. Ein erneutes Referendum Schottlands zwecks Unabhängigkeit lehnt nun Boris Johnson ab, obwohl die Schotten mehrheitlich gegen den Brexit votiert haben. Was er allerdings unter den Tisch fallen läßt, ist, daß seinerzeit von einem Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) überhaupt noch keine Rede war.

    Die politischen Voraussetzungen für einen „Scoxit“ sind heute also völlig andere als seinerzeit. Und das weiß auch Boris Johnson!

  3. Eidgenosse schreibt:

    Dass sich die Schotten aus dem UK verabschieden wollen ist verständlich – gerade auch historisch nachvollziehbar. Aber wenn diese merkwürdige Dame Sturgeon ausgerechnet den Brexit als Argument verwendet, dann frage ich mich wirklich, was das noch mit den Schottischen Interessen zu tun hat. In der EU hätte Schottland wie alle anderen Kleinen kaum etwas zu melden. Dort herrschen die ungewählten EU-Kommissare diktatorisch. Aus UK raus um in der EU unterzugehen? Generell hatte ich die Schotten für intelligenter gehalten.

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