Das beschäftigt die Politiker: „Antisemitische“ Lieder auf der Rückfahrt vom Schulausflug

7. November 2019
Das beschäftigt die Politiker: „Antisemitische“ Lieder auf der Rückfahrt vom Schulausflug
Kultur & Gesellschaft
2

Gießen. Weil auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald angeblich „antisemitische“ Lieder abgespielt wurden, hat die Schulleitung der Theo-Koch-Schule in Grünberg Anzeige gegen drei Schüler erstattet. Es werde wegen des Verdachts der „Volksverhetzung“ gegen die 14jährigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Gießen am Montag.

Die Schüler sollen am 15. Oktober auf dem Rückweg von dem Schulausflug zur Gedenkstätte Buchenwald in Thüringen die Lieder im Bus abgespielt und mitgesungen haben. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Örtliche Politiker aus Gießen stellten sich in einer Pressemitteilung an die Seite der Schulleitung. Da es um den Verdacht der „Volksverhetzung“ gehe, sei die richtige Konsequenz gewählt worden, sagten Landrätin Anita Schneider (SPD) und Schuldezernentin Christiane Schmahl laut der Mitteilung. Sie verteidigten ausdrücklich die Denunzierung der Schüler: Vorkommnisse mit solch strafrechtlicher Relevanz (!) müßten bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden.

Sogar der hessische CDU-Justizminister Lorz sah sich durch die gefährlichen Lieder im Zug zu einer Stellungnahme genötigt: „Den Jugendlichen muß deutlich vor Augen geführt werden, daß wir so etwas in unserem Land nicht dulden.“ Der Fall zeige, „daß wir in unserem Engagement um Werte- und Demokratieerziehung und dezidiert auch bei der Antisemitismusprävention nicht nachlassen dürfen, sondern es vielmehr weiter intensivieren müssen.“ (ts)

Bildquelle: suedtiroler-freiheit.com (Symbolbild)

2 Comments

  1. Kalle schreibt:

    Wer hat welche Lieder gesungen?

  2. Bernd Sydow schreibt:

    Beim Lesen dieses Artikels kam es mir vor, als würde ich auf einer Zeitreise zurück in die DDR der Fünfziger Jahre sein. Es fand eine regelrechte Hetzjagd auf diejenigen statt, die – bewußt oder unbewußt – sich negativ über die sozialistische Regierung bzw. das kommunistische Gesellschaftssystem geäußert hatten – wobei zwischen Erwachsenen und Jugendlichen kein Unterschied gemacht wurde. Zudem waren Bespitzelung und Denunziation an der Tagesordnung.

    In der BRD wurde folgender Fall aus der DDR bekannt: Eine komplette Schulklasse war von der Stasi aus dem Unterricht heraus verhaftet worden. Offenkundig hatte die Schulleitung sie denunziert. Die Folge waren mehrjährige Zuchthausstrafen für (fast) alle Schüler.
    Der konservative Hamburger Verleger Axel Springer (verstorben) sprach in einer seiner Reden von der Willkür des DDR-Regimes und den katastrophalen Zuständen in den dortigen Haftanstalten. „Und kein Aufschrei geht durch unser Vaterland“, fügte er anklagend hinzu.

    Steuern wir im Deutschland des 21. Jahrhunderts auf vergleichbare Verhältnisse zu? Nur daß es heute nicht mehr um Kritik am Sozialismus, sondern um „Antisemitismus“ geht – wobei in vielen Fällen aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Mir scheint die derzeitige Antisemitismus-Debatte ein gezieltes Ablenkungsmanöver unseres etablierten Parteienkartells von seiner miserablen (Migrations-)Politik zu sein!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.