Wo der Denkmalschutz zu schweigen hat: Antisemitismus-Beauftragter will „Judensau“ abschlagen lassen

4. November 2019
Wo der Denkmalschutz zu schweigen hat: Antisemitismus-Beauftragter will „Judensau“ abschlagen lassen
Kultur & Gesellschaft
3

Wittenberg. Der politisch korrekte Gesinnungsterror macht jetzt nicht einmal mehr vor kunstgeschichtlich wertvollen Zeugnissen der Vergangenheit halt. Wo ansonsten der Denkmalschutz eingreift, duckt er sich verschämt weg, wenn es um vermeintlichen „Antisemitismus“ geht. Jetzt hat sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, dafür ausgesprochen, das mittelalterliche sogenannte Judensau-Relief der Wittenberger Stadtkirche in ein Museum zu bringen. Dort solle es „mit einem erläuternden Text versehen“ werden, sagte Klein den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

An der Stelle des Reliefs sollte nach Einschätzung Kleins eine Hinweistafel angebracht werden, aus der hervorgeht, „daß die evangelische Kirche mit der Entfernung der Judensau einen sichtbaren Beitrag zur Überwindung von Antijudaismus und Antisemitismus leistet“. Das sogenannte Judensau-Relief gehöre „ins Museum“.

Bei der sogenannten Judensau handelt es sich um ein mittelalterliches Schmährelief. Es zeigt eine Sau, an deren Zitzen Menschen saugen, die durch ihre zeitgenössische Kleidung als Juden erkennbar sind. „Judensäue“ gibt es im übrigen nicht nur in Wittenberg, sondern zum Beispiel auch am Regensburger und am Kölner Dom.

Laut RND ist derzeit auch ein Gerichtsverfahren anhängig, das von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde gegen die Wittenberger Kirche angestrengt wurde. Es soll erreicht werden, daß das Relief entfernt wird. Das Landgericht Dessau wies dies im Mai aber ab. Im Januar geht der Streit am Oberlandesgericht Naumburg in die zweite Instanz. (rk)

Bildquelle: Wikimedia/gemeinfrei

3 Comments

  1. Bernd Sydow schreibt:

    Martin Luther, der Begründer des evangelischen Christentums – eigentlich wider Willen, denn er wollte lediglich die römisch-katholische Kirche reformieren -, war Antisemit. Davon zeugt sein in der Öffentlichkeit weniger bekanntes Werk „Die Juden und ihre Lügen“. Seine Abneigung gegen das Judentum war allerdings ausschließlich religiös motiviert, und nicht etwa rassistisch wie später im Nationalsozialismus.

    Zeugnisse des religiösen Antisemitismus gehören – wie auch dieses Jahrhunderte alte Judensau-Relief an der Wittenberger Stadtkirche – zur deutschen Kultur- und Architekturgeschichte. Dieses Relief als rassistisch umzudeuten und deswegen von dort entfernen zu wollen, ist Ausdruck einer pathologischen, aber für das Deutschland von heute typischen Geschichtsinterpretation!

  2. Zack schreibt:

    Er muß seine Existenzberechtigung nachweisen und da ist Aktionismus gefragt.
    Ich schlage vor, einen Rechtsstaatsbeauftragten zu schaffen!

  3. Eidgenosse schreibt:

    Lächerlich – Bilderstürmer, aber im Zeitalter der Denkverbote und der Geschichtsvergessenheit bzw. dem weit verbreiteten Unwissen über historische Zusammenhänge und einer alles lähmenden faktenresistenten Ideologie der „Gutmenschen“ wundert man sich nicht wirklich. Die einst einmal erkämpften Freiheitsrechte befinden sich dramatisch auf dem Rückzug und es winken bereits Inquisition und „Mittelalter“. Jeder kann heute Stalin, Truman oder Netanjahu zu heiligen Exponaten der Schöpfung befördern. Man stelle sich das einmal im gleichen Kontext für Hitler oder Göbbels vor?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.