119 Plagiate auf 76 Seiten: Aber Giffeys Doktortitel soll nicht aberkannt werden

4. November 2019
119 Plagiate auf 76 Seiten: Aber Giffeys Doktortitel soll nicht aberkannt werden
Kultur & Gesellschaft
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Berlin. Wieder ein prominenter Politiker im Visier des Plagiatverdachts: die derzeitige Bundesfamilienministerin Giffey (SPD). In ihrer Doktorarbeit fand die auf Plagiate spezialisierte Plattform VroniPlag Wiki jede Menge nicht kenntlich gemachter Zitate aus anderen Veröffentlichungen. Aber anders als andere prominente Plagiatoren soll Giffey offenbar ungestraft davonkommen und auch ihren Doktortitel nicht zurückgeben müssen.

VroniPlag Wiki-Gründer Martin Heidingsfelder kritisiert die diesbezügliche Entscheidung der Freien Universität Berlin (FU), der Bundesfamilienministerin ihren Doktortitel nicht abzuerkennen, scharf. „Das Ergebnis ist bodenlos und sehr ärgerlich“, sagte Heidingsfelder der Wissenschaftszeitschrift Forschung und Lehre. Während andere für deutlich weniger Fehltritte den Doktortitel abgeben müßten, käme Giffey mit ihren Plagiaten davon.

Immerhin 119 Textstellen auf 76 von 205 Seiten will die Plattform gefunden haben, die plagiiert seien. „Frau Giffey scheint Immunität zu genießen“, sagte Heidingsfelder. Sie schade nicht nur dem Ruf der SPD, sondern auch dem der Hochschulen. „Niemals könnten sich andere Personen mit einem solchen Wissenschaftsbetrug halten. Giffey sollte ihren Hut nehmen und gehen.“

Die FU hatte am Mittwoch mitgeteilt, Giffey eine Rüge zu erteilen, den Doktortitel aber nicht abzuerkennen. Die festgestellten Mängel rechtfertigten keine Aberkennung von Giffeys Eigenleistung in der Doktorarbeit, begründete die Universität das Urteil.

Der Jurist und Mitarbeiter bei VroniPLag, Gerhard Dannemann, bemängelte dies und erklärte: „Ich kenne keine Arbeit, die 119 Plagiate enthält und bei der die Rechtsprechung gesagt hätte, das sei ja gar nicht so schlimm, das nimmt noch nicht überhand.“ (rk)

4 Comments

  1. Zack schreibt:

    Vielleicht sollte man den Titel Doktor Plag vergeben?

  2. Eidgenosse schreibt:

    Naja – FU Berlin, was ist von diesen Typen zu erwarten? Es gibt Kriterien, die im Fall Guttenberg meiner Ansicht nach präzise definiert wurden. Wenn sich nun bei der SPD-Genossin (überprüft durch FU-GenossInnen)mehr Plagiate zeigen als bei Guttenberg, dann ist das genossenschaftliche Willkür zugunsten der Kopiererin. In Deutschland wundert mich nichts mehr – Gesetze oder Rechtsstaat haben längst ausgedient. Politisch Genehme werden geschützt, nicht Genehme zerstört. Die autoritäre Diktatur lässt ihre Fratze erkennen.

  3. Bürgerfreund schreibt:

    So viel Erbärmlichkeit einer FU ist schon mehr als nur peinlich.

  4. Südwester schreibt:

    Das ist völlig unfair gegenüber anderen, die ihren Doktortitel verloren haben. Entweder alle – oder keiner! Entweder ist Betrug in Ordnung – oder nicht!

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