Neues Milliardengrab: Fehmarnbeltquerung kostet 3,5 Milliarden statt 817 Millionen Euro

17. Oktober 2019
Neues Milliardengrab: Fehmarnbeltquerung kostet 3,5 Milliarden statt 817 Millionen Euro
Wirtschaft
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Berlin. Man fragt sich manchmal, ob an der Planung und Durchführung öffentlicher Bauprojekte eigentlich nur Dilettanten beteiligt sind – denn in aller Regel explodieren die Kosten während der Bauphase um ein Mehrfaches. Die Zeche zahlt der Steuerzahler.

Ein besonders krasses Beispiel liefert derzeit die Fehmarnbeltquerung, also die Unterwasserverbindung des Fehmarnbelts zwischen Deutschland und Dänemark. Sie wird wesentlich teurer als ursprünglich geplant, geht jetzt aus einem Bericht des Bundesrechnungshofes hervor: die „prognostizierten Kosten des Projekts“ hätten sich inzwischen von 817 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden Euro mehr als vervierfacht.

Wörtlich heißt es im Bericht: „Der Bundesrechnungshof hat die dem Verkehrsausschuß vom Bundesverkehrsministerium übermittelten Kostendaten ergänzt. Danach ist bei einer Realisierung der ‚wirtschaftlichen Vorzugsvariante‘ einschließlich des Schienenanteils für die Fehmarnsundquerung mit Gesamtkosten von 3,5 Milliarden Euro zu rechnen. Bei einer Realisierung der Kernforderungen würde sich dieser Betrag um weitere 1,5 Milliarden Euro erhöhen.“ Bereits bei der „wirtschaftlichen Vorzugsvariante“ lägen die Kosten der Schienen-Hinterlandanbindung pro Strecken-Kilometer bei 39,7 Millionen Euro. „Sie lägen damit bei einem Vergleich mit anderen Schienengroßprojekten bis auf eine Ausnahme über dem Niveau von technisch anspruchsvollen Hochgeschwindigkeitsstrecken mit hohen Anteilen an komplexen Ingenieurbauwerken“, heißt es in dem Bericht des Bundesrechnungshofs weiter.

Angesichts dieser Zahlen sei es fraglich, „ob der Nutzen des Projekts so steigt, daß die zu erwartenden Kosten unter wirtschaftlichen Aspekten zu rechtfertigen sind“, argumentieren die Rechnungsprüfer und raten dem Bundestag deshalb, sich mit dem Vorhaben nochmals „grundlegend zu befassen“.

Die Fehmarnbeltquerung ist in einem Staatsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland vereinbart und wird vor allem von Dänemark vorangetrieben, das auch die Kosten für das Tunnelbauwerk von bislang angenommenen 7,4 Milliarden Euro übernimmt. Dabei sind auf deutscher Seite eine Reihe von Baumaßnahmen zum Ausbau der Straßen- und Schienenwege nötig. (rk)

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