Die Stunde des IS: Terrormiliz versucht vom türkisch-kurdischen Konflikt zu profitieren

16. Oktober 2019
Die Stunde des IS: Terrormiliz versucht vom türkisch-kurdischen Konflikt zu profitieren
International
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Ankara/Damaskus. Die in Syrien weitgehend zerschlagene Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nutzt die laufende türkische Offensive im Norden Syriens offenbar für eigene Aktionen und um sich wieder zu sammeln und aktiv zu werden. Mehrere Terrorangriffe in den vergangenen Tagen tragen die Handschrift des IS. Am Freitag ist es in einem Lager für IS-Frauen und ihre Kinder zu einem Aufstand und gleichzeitigem Ausbruchsversuch gekommen. Der Aufruhr konnte aber durch die kurdischen Sicherheitskräfte niedergeschlagen werden.

Seit dem Aufruf des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi an seine Anhänger im September, die gefangenen IS-Kämpfer und ihre Familien aus den Gefangenenlagern in Syrien und im Irak zu befreien, häufen sich die Meldungen über Angriffe auf Wächter, Protestaktionen, Fluchtversuche und Morde.

Das Institute for the Study of War warnte vergangene Woche in einem Bericht, die IS-Miliz versuche, Wachen zu bestechen und Frauen aus den Lagern zu schmuggeln. Vermutlich bereite die Gruppe „koordiniertere und komplexere Einsätze“ vor, um ihre gefangenen Anhänger zu befreien, warnte das Forschungsinstitut. Es besteht sogar die Sorge, daß sich die IS-Anhänger in den Lagern neu gruppieren.

Tatsächlich könnte gerade die aktuelle türkische Offensive gegen die Kurden die Situation des IS wieder verbessern. Die Terrorgruppe sei weiter eine Bedrohung und könnte bald „Metastasen“ bilden, wenn die YPG gezwungen sei, „ihre Aufmerksamkeit und Ressourcen für eine Schlacht zur Verteidigung gegen die Türkei umzuleiten“, warnt Sam Heller von der International Crisis Group. Auch die kurdische Autonomieverwaltung kritisiert, daß eine türkische Offensive den Anti-IS-Kampf um Jahre zurückwerfen werde. „Der Kampf gegen den IS ist nicht vorüber“, erklärte Abdulkarim Omar, der die Autonomieverwaltung in auswärtigen Fragen vertritt, Medienvertretern gegenüber. „Es gibt hunderte Schläferzellen in den jüngst befreiten Gebieten.“ (mü)

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