Digital-Expertin warnt: Noch mehr Bespitzelung der Privatsphäre durch das US-Patent US10096319

6. September 2019
Digital-Expertin warnt: Noch mehr Bespitzelung der Privatsphäre durch das US-Patent US10096319
Kultur & Gesellschaft
3

Berlin. Sogenannte „Sprach-Assistenten“ wie „Alexa“ oder „Siri“ sind inzwischen aus vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken. Datenschützer warnen vergeblich vor der Möglichkeit, daß die künstlichen Spitzel zu viele und auch zu intime Informationen abgreifen – ganz abgesehen davon, daß zum Beispiel in den USA inzwischen auch die Geheimdienste ganz regulär auf „Alexas“ Erspitzeltes zugreifen.

Das alles ist aber erst die Spitze des Eisbergs. Die Expertin Sarah Spiekermann, Autorin des Buches „Digitale Ethik“ und Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, hat jetzt in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin „Focus“ auf die nächsten Zumutungen der digitalen Dauer-Überwachung in den eigenen vier Wänden aufmerksam gemacht. Sie informiert im „Focus“ insbesondere über das amerikanische Patent US10096319, bei dem es darum geht, Haushalte so genau zu analysieren, daß ihnen im richtigen Moment das richtige Produkt angeboten wird und diese „richtigen Momente“ – die für die Ausgespähten auch handfeste Notlagen sein können – sogar für die Werbeplazierung versteigert werden.

Spiekermann: „Mit anderen Worten ist die Idee, daß Sprachassistenten zunächst alles mitschneiden, was sie ab dem Moment ihrer Aktivierung aufschnappen können: die Stimmlage ihres Nutzers, dessen emotionale Situation, ob andere Personen in der Wohnung sind, Kinder, Gäste, schreiende Babies, ein Partner oder nicht.“

Dann wird herausgerechnet, ob zum Beispiel die heisere Stimme einer Person auf eine Grippe schließen läßt und daher ein Hustenbonbon angeboten werden kann. Oder ob die anhaltend düstere Stimmung eines Nutzers eine Depression verrät, was den vernetzten Firmen die Empfehlung eines Antidepressivums nahelegt. Auch solche Momente der Schwäche sollen künftig an entsprechende Produktanbieter versteigert werden, weiß die Expertin, die dieser Tage Referentin auf der Digitalkonferenz DLD Europe in Brüssel ist, wo wichtige Köpfe aus Politik, Medien und Wirtschaft über aktuelle Entwicklungen im Digitalbereich diskutieren und referieren werden.

Mit Blick auf das fragliche US-Patent und andere vergleichbare Entwicklungen kommt die „Focus“-Gastautorin Spiekermann zu dem Befund: „Immerhin kommt so ein umfangreiches Aufzeichnen und Analysieren doch eher einem nackt ausziehen gleich, als dem Diktieren einer SMS. Und wirklich frei ist der unglückliche Mensch wahrscheinlich nicht in seiner Entscheidung, das Antidepressiva einmal auszuprobieren, wenn ihn die ach-so-allwissende KI im entsprechenden Moment berät.“ (Fehler im Original; Anm. d. Red.)

diesen Beitrag drucken diesen Beitrag drucken

3 Comments

  1. Mike Hunter schreibt:

    Wie, nicht mehr wegzudenken? Ich habe den Quatsch nicht und habe gerade ein paar Freunden geholfen sich davon zu befreien.

  2. Bürgerfreund schreibt:

    Es ist eine bekannte Tatsache, dass Alexa und Konsorten ihre Eigner ausspionieren. Das interessiert aber offenbar niemanden von den Generationen unter 40 Jahren.
    Da gibt es einen Spruch aus den 60ern: Das dumme Kalb sucht seinen Metzger selbst! Der Spruch hat was.

  3. Kaffeeschlürfer schreibt:

    Ich brauche den Quatsch auch nicht. Angeblich lassen sich Licht und Heizung nicht einmal mehr von Hand bedienen, wenn das Zeug ausfällt. Wozu Geld für solchen Luxus-Schnickschnack ausgeben, wenn die Haustechnik danach schlechter funktioniert als vor 70 Jahren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com