Nationale Wirtschaftswende: Polen hat genug vom Neoliberalismus

5. Oktober 2016
Nationale Wirtschaftswende: Polen hat genug vom Neoliberalismus
Wirtschaft
6

Warschau. Die nationalkonservative polnische Regierung macht ernst mit der Umsetzung ihrer patriotischen Wahlkampfversprechen. Jetzt ist das Wirtschaftsressort dran. Wirtschafts- und Entwicklungsminister Mateusz Morawiecki hat nun von Premierministerin Szydlo zusätzlich noch das Finanzministerium übertragen bekommen. Der neue Superminister will die polnische Wirtschaft nationaler, leistungsfähiger und vom Ausland unabhängiger machen.

Der neue Superminister, der sieben Jahre lang Berater des früheren Premierministers Donald Tusk war, hat vor allem dem im Land tonangebenden Neoliberalismus den Kampf angesagt. Bereits im Februar stellte er einen „Entwicklungsplan” vor, der mehr staatliche Kontrollen der Wirtschaft vorsieht und den Einfluß des ausländischen Kapitals zurückstutzen soll. Dagegen sollen polnische Firmen gezielt durch den Staat gefördert werden. Die Förderung soll vereinfacht werden, indem die Behörden künftig verstärkt an einem Strang ziehen.

Darüber hinaus setzt Morawiecki auf eine „Reindustrialisierung” des Landes. Polnische Firmen sollen von Zulieferern internationaler Konzerne zu Exporteuren von mehr Endprodukten werden. Bislang gehen nur fünf Prozent des polnischen Exports in die USA und nach China, hier soll Polen aufholen.

Im Endeffekt will Morawiecki mit seinem Maßnahmenplan eine neue erfolgs-, aber nicht konsumorientierte Mittelklasse generieren. Die neue Klasse müsse „von Grund auf” geformt werden. Allgemein schwebt ihm eine Art Volkserziehung vor. Die Polen müßten der Unsitte des Konsumdenkens und der damit einhergehenden Verschuldung abschwören und den Weg zu einer neuen Sparsamkeit finden. Wörtlich fordert der neue Superminister eine Art „Wirtschaftspatriotismus”, der die ideologische Plattform der Wirtschaftswende bilden soll. Er soll sich auch darin manifestieren, daß die rund eine Million Polen, die derzeit in Großbritannien leben, zur Rückkehr in ihre Heimat animiert werden.

Einen Wahlspruch seiner Wirtschaftswende hat Morawiecki Marschall Pilsudski entlehnt, dem berühmten Militär und Politiker der Zwischenkriesgszeit: „Polen wird entweder groß oder gar nicht.” (mü)

6 Kommentare

  1. Fackelträger sagt:

    Diese Art „Renationalisierung“ ist den Polen genauso zu gönnen, wie ich sie für uns wünsche.

    Warten wir’s ab. Polen sind bekannt für ihre gigantische politische Selbstüberschätzung.
    Beispiel: Angestachelt von der raffinierten britischen „Garantie“ vom April 1939, posaunte die polnische Führung hinaus, ein „Spaziergang nach Berlin“ stünde bevor, einschließlich der Vernichtung der Deutschen Wehrmacht. Nach vielen Teil- und „Probemobilmachungen“ erfolgte dann um den 28.8.1939 plangemäß die Generalmobilmachung. Das kommt völkerrechtlich einer Kriegserklärung gleich.
    Unsere vordringenden Männer stießen dann im ganzen polnischen Land auf Plakate, die „im Geiste Boleslav Chrobrys“ die nationalen Leidenschaften auf die Spitze treiben sollten und eine unmittelbar bevorstehende Westausdehnung Polens bis nach Lübeck und die Vororte Hamburgs vorankündigten.

  2. KW sagt:

    Will er nicht auch die Millionen hier lebenden Polen zurückrufen?

  3. Tim Buktu sagt:

    Hat aber lange gebraucht.
    Aber es ist wie es ist. Gut Ding will Weile haben.

  4. Peter Werner sagt:

    „Ausländisches Kapital zurückdrängen, polnische Firmen gezielt fördern“??? Sowas ist lt. EU explizit verboten. Und auch die USA = ausländisches Kapital werden wenig begeistert sein. Um den Worten also Taten folgen zu lassen, müßte Polen erstmal raus aus der EU und sich dann mit ihrem wichtigsten militärischen Verbündeten (USA – gegen Rußland) zerstreiten. Ob Polen sich DAZU durchringen kann?

Schreibe einen Kommentar

Die maximale Zeichenanzahl bei Kommentaren ist auf 2000 begrenzt.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.