EU-Gipfel in Preßburg: Von Einigkeit keine Spur – EU am Ende?

17. September 2016
EU-Gipfel in Preßburg: Von Einigkeit keine Spur – EU am Ende?
International
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Preßburg. Der EU-Gipfel in Preßburg zeigte die europäischen Staats- und Regierungschefs zweieinhalb Monate nach dem „Brexit“ erneut weitgehend ratlos und uneinig in den zentralen Fragen der europäischen Politik. In der Zuwanderungspolitik prallen die unterschiedlichen Positionen ohnehin schon seit längerem aufeinander, aber auch in Sachen Türkei und EU-Armee ist keine Einigkeit in Sicht. Ein EU-Diplomat meinte: „Eine Zukunft – 27 Meinungen.“

Während Frankreichs Präsident Hollande und Bundeskanzlerin Merkel inzwischen unverhohlen die Aufstellung einer EU-Armee fordern, will Ungarn eine EU-Streitmacht nur an seiner Balkangrenze. Die baltischen Staaten wiederum sind strikt dagegen und setzen dagegen auf die NATO.

Auch die Türkei-Politik entzweit die EU. Die Forderung des österreichischen Außenministers Kern nach einem Abbruch aller EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ist offenbar in der übrigen EU nicht mehrheitsfähig. Die EU-Staatschefs stehen mehrheitlich auf dem Standpunkt, daß die Türkei als Verhandlungspartner gebraucht wird, vor allem in der Zuwanderungsfrage. Hier sitzt Ankara in der Tat am längeren Hebel.

Unter dem Strich hat sich Europa auch in Preßburg lediglich vertagt. Eine gemeinsame Linie in essentiellen Fragen scheint weiter entfernt denn je. Das wird auch künftig einzelne Länder wie Ungarn zu nationalen Alleingängen ermutigen. Von Brüssel sind ersichtlich keine gangbaren Lösungen mehr zu erwarten. (mü)

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3 Kommentare

  1. Fi Fa Fo Deutschland geht KO sagt:

    Nachdem Frau Merkel und Monsieur Hollande in der anschließenden Pressekonferenz zufriedeheit über die Einigkeit ausdrückten, darf
    man wohl davon ausgehen, dass dort einige Schizzos am Werk waren.
    Die Visegradstaaten kritisieren die fehlende Entschlußwilligkeit und
    das Sozi-Duo macht auf Friede, Freude Eierkuchen.
    Wer spinnt nun ?

  2. Akizur sagt:

    Den ganzen unnützen Verein auflösen wäre das Beste. Der kostet nur und bringt nichts. Jedes Land soll für sich selbst entscheiden, was für es gut ist. 27 unterschiedliche Meinungen zu einer Einigung zu bringen , ist unmöglich.

  3. Wolfgang S. sagt:

    Die klassisch-europäische Arché (das unternehmungslustige immer neue Anfangen bzw. Initiieren) passt nicht zum orientalischen Prinzip, das in den Buchstaben S-L-M (u.a. für Salam, Islam, Shalom) dargestellt ist und eine Gemeinschaft mit karawanisch-führerhafter Gemütlichkeit und Ordnung meint. Wo 27 Meinungen frisch und fröhlich auftreten, dort ist wohl echtes Europa, aber nicht die EU. Die EU beruht auf dem orientalischen Prinzip; darum „funktioniert“ sie nicht; das kamelig-maschinenhafte Funktionieren empfinden Angehörige europäischer Völker als unmenschlich, unfrei und tyrannisch.

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