US-Einsätze gegen den IS: Gewaltiger Aufwand – minimaler Erfolg

27. September 2015
US-Einsätze gegen den IS: Gewaltiger Aufwand – minimaler Erfolg
International
2

Washington. Offiziell bekämpfen die USA die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), und zwar mit eigenen militärischen Mitteln ebenso wie mit kooperierenden „moderaten“ Islamistengruppen. Unter dem Strich stellen sich die amerikanischen Maßnahmen allerdings als wenig effizient heraus. So sagte der russische Präsident Putin am 4. September in Wladiwostok, die Effizienz des amerikanischen Einsatzes sei „leider sehr gering“. Und im russischen Nachrichtenportal lenta.ru wurde schon im Juni ein Militärexperte noch deutlicher und erklärte, die USA versuchten, einen Brand mit Benzin zu löschen und in Syrien maximales Chaos anzurichten.

Tatsächlich halten sich die Erfolge der USA und ihrer Verbündeten in überschaubaren Grenzen. Nach einem Bericht der „Washington Post“ haben die USA im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien und dem Irak inzwischen mehr Bomben abgefeuert als im Afghanistankrieg in den letzten fünf Jahren. Von 2010 bis 2015 wurden in Afghanistan 20.237 Geschosse abgefeuert, während es zwischen August 2014 und August 2015 über Syrien und dem Irak 22.478 waren.

Außerdem hat die US-Regierung bisher 3,7 Milliarden Dollar für den Kampf gegen den IS ausgegeben. Das entspräche für den Einsatzzeitraum, rechnet die „Washington Post“ vor, 9,9 Millionen Dollar täglich.

Warum sich der IS trotz dieses erheblichen finanziellen und militärischen Kraftaufwandes bisher durch die amerikanischen Anstrengungen wenig beeindruckt zeigt, liegt womöglich auch an der Art des Einsatzes. Während die verbündeten „moderaten“ Islamistengruppen, die zumeist von den USA in Nachbarländern ausgebildet und dann zum Kampf nach Syrien geschickt werden, wenig zuverlässig sind, hat es Washington bislang vermieden, eigene Bodentruppen in die Kämpfe mit der Terrormiliz zu involvieren.

Der IS wird vom amerikanischen Militär weitgehend, ja fast ausschließlich aus der Luft bekämpft, und zwar von Maschinen des B-1-Bombers. So wurden für die Unterstützung der syrischen und irakischen Kurden bei der Rückeroberung der syrischen Stadt Kobane B-1B der 9th Bomb Squadron, stationiert in Dyess Air Force Base in Texas, eingesetzt. Gegen die gegnerischen Stellungen sowie gegen die durch die Jihadisten des Islamischen Staates eingenommenen Häuser und Brücken in und bei Kobane warfen diese Bomber innerhalb von fünf Monaten 660 Bomben ab. Sogar Motorradfahrer wurden bombardiert.

Nach amerikanischen Angaben sollen durch diese Bombardierungen 1.000 Jihadisten des IS getötet worden sein. Die während Tagen und Nächten andauernden Bombardierungen sollen im Endergebnis zum Rückzug der IS-Kämpfer aus Kobane geführt haben. Die zahlenmäßig rückläufigen Einsätze über Afghanistan ermöglichen der US-Luftwaffe intensivere Angriffe gegen Stellungen und Infrastruktur des IS in Syrien und im Irak durch B-1B, die auf dem Stützpunkt Al Udeid Air Base in Katar stationiert sind.

Diese B-1B-Einsätze sind Teil der zwischen August 2014 und Juni 2015 erfolgten insgesamt 11.045 Bomben- und Lenkwaffenabwürfe durch Kampfflugzeuge der US Air Force über Stellungen von Jihadisten im Irak und in Syrien. Ihre militärische Wirkung hält sich – siehe oben – in bescheidenen Grenzen. (mü)

2 Kommentare

  1. Annuntiator sagt:

    Neuerdings reden die USA also schon wieder von „moderaten“ Islamistengruppen, die sie ausbilden und unterstützen wollen…

    Und dann, oh Wunder, stellen diese sich später als radikalislamisch heraus, na so ein Pech aber auch. Das hätte ja seinerzeit bei den Taliban oder später dem IS auch niiiiemand ahnen können…

  2. Klaus Schneppenheim sagt:

    Putin wird´s den USA jetzt zeigen, wie man mit einem IS umgehen muss ! Wären die USA wirklich daran interessiert gewesen, den IS zu vernichten, hätten sie dafür vielleicht 2 Wochen gebraucht. Da die USA das Regime Assad nicht direkt bekämpfen kann, sondern nur mit Hilfe von Rebellen (= Terroristen = IS) besiegen kann, wollen die USA den IS tatsächlich NICHT vernichten, sondern erst noch die Drecksarbeit in Syrien verrichten lassen. Schon Mist, dass Syrien (Assad) auf eigenem öl, Gas und anderen Bodenschätzen sitzt und die amerikanischen Firmen in dieses Geschäft nicht einbinden will ! Da muss man als „Weltpolizei“ dann schon mal einem Land wie Syrien die Demokratie mit Waffengewalt schenken !

Schreibe einen Kommentar

Die maximale Zeichenanzahl bei Kommentaren ist auf 2000 begrenzt.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.